Die Baumweite ist ein Begriff aus der Graphentheorie. Sie sagt aus, wie baum-ähnlich
ein Graph ist. Da viele Algorithmen auf Bäumen effizient laufen, die dies auf allgemeinen Graphen nicht tun, ist es interessant, die Baumweite und eine zugehörige minimale Baumzerlegung eines Graphen zu kennen. Ein verwandter Begriff ist die Pfadweite.
Der Begriff wurde 1972 von Umberto Bertelè und Francesco Brioschi eingeführt, unabhängig von Rudolf Halin 1976 und erneut unabhängig von Neil Robertson und Paul Seymour 1984.
Eine Baumzerlegung eines Graphen ist ein Paar , wobei ein Baum und eine Familie von Untermengen der Knotenmenge des Graphen ist, sodass folgende Bedingungen gelten, wobei 3 und 4 Äquivalent zueinander sind:
Die Weite der Baumzerlegung von ist definiert als und die Baumweite eines Graphen ist definiert als die kleinste Weite aller möglichen Baumzerlegungen von .
Die Subtraktion von 1 in dieser Definition bewirkt, dass Bäume (und Wälder) die Baumweite 1 haben. Ohne diese Subtraktion hätten nur Graphen ohne Kanten die Baumweite 1.
Wir verteilen die Knoten von G auf Taschen (Englisch: buckets oder bags), die in einem Baum angeordnet sind, wobei folgende Regeln gelten:
Das Entscheidungsproblem, ob für einen gegebenen Graphen G und eine gegebene Variable k die Baumweite von G höchstens k ist, ist NP-vollständig. Graphen mit einer von einer Konstanten k beschränkten Baumweite lassen sich jedoch in linearer Zeit erkennen. Die Laufzeit dieses Algorithmus hängt linear von der Anzahl der Knoten von G und exponentiell von k ab. Damit erfüllt jener Algorithmus das Kriterium für parametrisierte Probleme und das Baumweite Problem liegt in der Komplexitätsklasse FPT.
Es gelten folgende Schranken für Baumweiten:
Zur Berechnung der Baumweite eines Graphen existieren mehrere Algorithmen, darunter gibt es kombinatorische Ansätze, wie den Bodländer Algorithmus oder ganzzahlige lineare Ansätze. Allen Ansätzen ist gemein, dass sie nur für kleine Instanzen, bzw. kleine und beschränkte Baumweite schnelle
Ergebnisse liefern.
Das Preprocessing beschreibt eine Vorberechnung, vor der Ausführung des eigentlichen Lösungsalgorithmus. Ziel ist es dabei, die gegebene Graphen Instanz zu verkleinern/reduzieren, damit der Hauptalgorithmus auf jener kleineren Instanz schneller eine Lösung finden kann. Beim Preprocessing wird die gesuchte Eigenschaft (hier Baumweite) nicht verändert oder bereits eine Lösung ausgegeben.
Für das Baumweite Problem existieren Preprocessing Regeln, die hierarchisch aufeinander stehen und in der Lage sind, Graphen bis zu einer Baumweite von 3 zu erkennen oder eine reduzierte Instanz mit Baumweite von mindestens 4 zu erzeugen.

Reduktionsregel 0: Inselchen Regel (engl. Islet rule)
Sei ein Knoten mit Grad 0.
Entferne .

Reduktionsregel 1: Zweig-Regel (engl. Twig rule)
Sei ein Knoten mit Grad 1.
Entferne .

Reduktionsregel 2: Serien Regel (engl. Series rule)
Sei ein Knoten mit Grad 2.
Füge eine Kante zwischen den Nachbarn von ein, falls sie noch nicht existiert.
Entferne .

Reduktionsregel 3a: Dreiecks Regel (engl. Triangle rule)
Sei ein Knoten mit Grad 3, wobei mindestens zwei Nachbarn durch eine Kante miteinander verbunden sind.
Vervollständige die 3 Nachbarn von zu einer Clique.
Entferne .

Reduktionsregel 3b: Kumpel Regel (engl. Buddy rule)
Seien Knoten mit Grad 3 mit den gleichen Nachbarn.
Vervollständige die 3 Nachbarn von und zu einer Clique.
Entferne und .

Reduktionsregel 3c: Würfel Regel (engl. Cube rule)
Seien Knoten, die Knoten besitzen Grad 3, ist ein -Kreis und sind mit verbunden.
Vervollständige zu einer Clique.
Entferne .
Aus der Anwendung der Preprocessing Regeln lassen sich folgende Aussage ableiten:
Für einen Graphen wende die Preprocessing Regeln zwischen und an, bis dies nicht mehr möglich ist.
Erhält man als Endergebnis den leeren Graphen, so gilt ,
erhält man nicht den leeren Graphen, so gilt für den entstandenen Graphen , als auf für die Ungleichung .