Schambeinfuge

Menschliche Beckenhälfte von der Seite. Die Schambeinfuge ist angeschnitten und befindet sich links im Bild.

Die Schambeinfuge (Symphysis pubica) ist die Stelle, an der die rechte und linke Beckenhälfte, genauer die Schambeine (Ossa pubis) beider Seiten, vorne verbunden sind. Zwei Bandzüge (Lig. pubicum superius und Lig. pubicum inferius) unterstützen die Symphysis pubica in ihrer Stabilität. Bei den vierfüßigen Säugetieren bildet die Schambeinfuge nur einen Teil der Verbindung der beiden Beckenhälften. Hier ist auch das Sitzbein in Form einer Symphysis ischiadica beteiligt. Beide Anteile zusammen werden als Beckensymphyse (Symphysis pelvina) bezeichnet. Die beiden Beckenhälften sind bei allen Säugetieren mit Faserknorpel (Symphyse) verbunden. Am Schambein setzt beidseits der gerade Bauchmuskel (Musculus rectus abdominis) an.

Anatomie

Die Gelenkflächen der Schambeine sind beim Menschen oval, etwa 3 × 1 cm groß und leicht konvex. Sie sind von einem 1 bis 3 mm dicken hyalinen Knorpel überzogen. Die darunter liegende Knochenoberfläche ist bei jungen Menschen unregelmäßig und wird mit etwa 30 Jahren geradliniger und ist ab etwa 60 Jahren durch degenerative Veränderungen gekennzeichnet.

Maßgeblich wird die Schambeinfuge durch eine Faserknorpelscheibe stabilisiert, die als Discus interpubicus bezeichnet wird und beide Schambeine verbindet. Darüber hinaus wird die Schambeinfuge durch vier Bänder stabilisiert:

Klinische Bedeutung

Der Discus interpubicus schafft eine flexible Verbindung beider Schambeine, die sowohl Druck- als auch Zugkräfte abpuffert. Das ist bei Geburten sehr wichtig. Hormonell gesteuert wird während der Schwangerschaft diese Faserknorpelverbindung flexibler. Bei schätzungsweise einer von 600 Schwangeren ist diese Lockerung zu stark und es kommt zu einer sogenannten Symphysenlockerung, die sehr schmerzhaft ist. Während der Entbindung kann die Symphyse überdehnt werden (Symphysendehiszenz) oder gar reißen (Symphysenruptur, Symphysensprengung), was ebenfalls zu starken Schmerzen führt. In der konservativen Therapie haben sich das Training der beckenstabilisierenden Muskulatur, Wassergymnastik und das Anlegen eines Trochantergurts bewährt. Eine operative Versteifung ist nur in seltenen Fällen notwendig.

Beschwerden kann auch eine Reizung der Symphyse (Ostitis pubis), etwa durch eine Überbeanspruchung, z. B. bei Sportlern, bereiten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 I. Becker, S. J. Woodley, M. D. Stringer: The adult human pubic symphysis: a systematic review. In: Journal of anatomy. Band 217, Nummer 5, November 2010, S. 475–487, doi:10.1111/j.1469-7580.2010.01300.x, PMID 20840351, PMC 3035856 (freier Volltext) (Review).
  2. ↑ Osteochondrosis pubica - Prosche H. und Düring A. - Vorschlag für die klinische Nomenklatur. Abgerufen am 7. Mai 2024.
  3. ↑ R. C. da Rocha, R. P. Chopard: Nutrition pathways to the symphysis pubis. In: Journal of anatomy. Band 204, Pt 3, März 2004, S. 209–215, doi:10.1111/j.0021-8782.2004.00271.x, PMID 15032910, PMC 1571274 (freier Volltext).