| Moorlilie | ||||||||||||
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Blütenstand des Beinbrechs (Narthecium ossifragum) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Narthecium ossifragum | ||||||||||||
| (L.) Huds. |
n Die Moorlilie (Narthecium ossifragum), auch Moor-Ährenlilie Beinbrech, Ährenlilie oder Gelbe Moorlilie, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Narthecium innerhalb der Familie der Nartheciaceae. Ihr Verbreitungsgebiet ist nur sehr klein und sie in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt. Die Moorlilie wurde von der Stiftung Naturschutz zur Blume des Jahres 2011 gewählt.



Die Moorlilie ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimeter erreicht. Als Überdauerungsorgan ist ein dünnes Rhizom vorhanden. Die unteren, kräftig grünen, schwertförmigen und ungestielten Laubblätter verfügen über deutliche Längsnerven und sind bis zu 4 mm breit. Im unteren Bereich sind sie schmal V-förmig mit aneinander liegenden Blatthälften.
Die Blütezeit reicht Juli bis August. Der aufrechte Blütenstandsschaft ist klebrige. Bis zu 25 Blüten sind locker in einem endständigen, 5 bis 8 Zentimeter langen, traubigen Blütenstand angeordnet. Die Tragblätter sind 5 bis 30 Millimeter lang. Der Blütenstiel ist 5 bis 7 Millimeter lang.
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig und sind bei einem Durchmesser von 1 bis 1,5 Zentimetern radiärsymmetrisch. Es sind zwei Kreise mit je drei Blütenhüllblättern vorhanden, die innen gelb und an der Außenseite grünlich sind. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, deren besitzen Staubfäden wollig behaart sind und deren Staubbeutel orangefarben bis leuchtend-rot sind.
Die Kapselfrüchte sind dünnwandig, eiförmig bis lanzettlich-eiförmig und sie sind schwach in drei Segmente geteilt. Die hell-gelben Samen sind schmal-ellipsoid und an beiden Enden beborstet.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 26.
Blütenökologisch handelt es sich um Pollenblumen und unterliegen der Windbestäubung. Die dicht behaarten Staubfäden sammeln zunächst den Pollen, bis er vom Wind erfasst wird. Insektenbesuch ist selten und geschieht z. B. durch Bienen; wegen des Blütenduftes ist mindestens auch mit dem Besuch von Pollenfressern zu rechnen. In diesem Zusammenhang wird die starke Behaarung der Staubfäden auch als Pollenattrappe gedeutet, die dem Bestäuber mehr Pollen vortäuscht, als wirklich angeboten wird.
Die fachspaltige Kapselfrüchte enthalten lang geflügelte Samen, die sich als Segelflieger und Wasserhafter ausbreiten.
Es gibt Fundortangaben für Portugal, Spanien, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Irland, Norwegen, die Färöer-Inseln, das südliche Schweden, Belgien, die Niederlande, Deutschland, Dänemark und früher in der Tschechoslowakei. Das Hauptverbreitungsgebiet der Moorlilie liegt in atlantischen Klimaregionen der küstenbegleitenden Tiefländer Mitteleuropas; unter günstigen Bedingungen auch an den Nordwesträndern der Mittelgebirge.
Sie wächst auf sauren, torfigen Moorböden. Die Moorlilie braucht hohe Luftfeuchtigkeit. Die Moor-Ährenlilie ist sehr selten und findet sich oft nur in kleinen Populationen. Die Moorlilie ist eine Charakterart des Verbands Ericion tetralicis.
Die Moorlilie ist in Deutschland gesetzlich geschützt. Sie kommt hier vor in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, in der nordwestlichen Rheinland-Pfalz und früher auch in Sachsen-Anhalt.
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Anthericum ossifragum durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 311. Die Neukombination zu Narthecium ossifragum (L.) Huds. wurde 1762 durch William Hudson in Flora Anglica, Seite 128 veröffentlicht. Der wissenschaftliche Gattungsname Narthecium leitet sich von altgriechisch νάρθηξ nárthēx „Stab“ ab und bezieht sich auf den stabförmigen Blütenstand. Das Artepitheton ossifragum leitet sich ab vom lateinischen ōs (Genitiv óssis) für „Knochen“ und frángere für „brechen“ und bezieht sich auf die Knochenbrüchigkeit (siehe unten).
Im Volksmund wird die Moorlilie auch als „Beinbrech“ bezeichnet. Dieser Name rührt daher, dass die Pflanzenbestände für Knochenbrüche beim Weidevieh verantwortlich gemacht wurde. Der Beinbrech war früher auch im Magergrünland häufig. Der fehlende Kalkgehalt im Boden führte zu einer unzureichenden Knochenbildung und damit häufig zu Knochenbrüchen.
Bei Schafen verursacht der Konsum der Moorlilie eine Krankheit, die in Norwegen als „Alvelden“ bekannt ist. Ein Saponin, das in der Pflanze enthalten ist, stört die Leberfunktion der Schafe. So können Abbauprodukte des Blattgrüns in das Blut gelangen und verursachen dort eine Lichtempfindlichkeit, die dann zu Schwellungen und Hautwunden führt. Offenbar sind nur weiße Schafe für diese Krankheit empfindlich.