

Belebtes Wasser, auch als levitiertes, vitalisiertes, informiertes, strukturiertes, hexagonales oder Granderwasser bezeichnet, ist Wasser, das laut der Behauptung seiner Hersteller und Vermarkter auf verschiedene Weisen behandelt wurde und dadurch für etliche Einsatzzwecke „verbessert“ worden sein soll. Hinweise auf tatsächliche Veränderungen des Wassers gibt es nicht. Außerdem gibt es Produkte, die mit dem Versprechen vermarktet werden, dass sie es den Verbrauchern ermöglichen, selbst belebtes Wasser herzustellen, wobei unter anderem behauptet wird, die „hexagonale Struktur“ von Leitungswasser sei zerstört worden und lasse sich mit einem „Wasserenergetisierer“ wieder herstellen.
In der Schweiz ist es seit 1999 verboten, mit einer therapeutischen Wirkung des Wassers zu werben. In Österreich darf Granderwasser (benannt nach Johann Grander) gemäß einem Gerichtsurteil aus dem Jahr 2006 als „aus dem Esoterik-Milieu stammender parawissenschaftlicher Unfug“ bezeichnet werden.
Viele Maßnahmen zur angeblichen Belebung von Wasser werden mit dem österreichischen Parawissenschaftler Johann Grander verknüpft, der eigene Methoden und Geräte dazu entwickelt hat. Exemplarisch wird im Folgenden „Granderwasser“ thematisiert, die wissenschaftlichen Widerlegungen lassen sich jedoch auch auf ähnliche Konzepte übertragen.
Folgende Entwicklungen werden von Vertretern der Theorie im Zusammenhang gesehen:

Ein von dem 2012 verstorbenen Nordtiroler Unternehmer Johann Grander gegründetes Unternehmen bietet Wasser an, das an einem mit sogenanntem „Informationswasser“ gefüllten Metallzylinder (meist aus Kupfer) vorbeifließt. Dadurch soll es in seiner „Struktur“ verändert werden und besondere, nicht näher beschriebene Eigenschaften erhalten. Angeblich soll ein Glas mit Granderwasser durch solche „Informationsübertragung“ auch das Wasser in einem danebenstehenden Glas so verändern können, dass es die Eigenschaften von Granderwasser bekommen soll.
Grander gab an, die Anweisungen zur Entwicklung des Granderwassers von Gott bekommen zu haben: „…der die Entstehung von Granderwasser auf seine guten Verbindungen zu Gott zurückführt, Antwort auf seine Fragen ‚von oben‘ bekam und von sich selbst behauptete, ein anderer Mensch zu sein, seit ihm vor 30 Jahren Jesus Christus erschienen sei“.
Grander und die kommerziellen Vertreter seiner Produkte versprechen zudem etliche pseudowissenschaftliche physikalische und biologische Wirkungen, die derart behandeltes Wasser angeblich habe. So werden beispielsweise positive Wirkungen auf Ernährung, Getreideanbau und Gesundheit versprochen. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Studien und keine empirischen Hinweise, die den Nachweis erbringen oder nahelegen, dass derartig behandeltes Wasser die behauptete Wirkung hätte.
Charakteristisch für die Kommunikationspolitik des Grander-Unternehmens ist die Vorgehensweise, die beworbenen Wirkungen nie direkt anzuführen, sondern ausschließlich indirekt über ausgewählte Kundenrückmeldungen, sogenannte Testimonials, herauszustellen. Beispiele dieser Kundenreferenzen sind über mehrere Branchen hinweg ersichtlich.
Das Unternehmen Grander machte 2010 mit dem Vertrieb von Wasserbelebungsgeräten und Utensilien in Verbindung mit dem Granderwasser einen Jahresumsatz von etwa 16 Millionen Schweizer Franken, etwa 12,7 Millionen Euro. Die Jahresumsätze des Unternehmens sind seit 2008 stark rückläufig. Die Rechercheplattform Addendum berichtet von einem Umsatzrückgang von 13 auf 8 Millionen Euro bis 2018. Die Süddeutsche Zeitung beziffert den Jahresumsatz im Juli 2023 mit 6 Millionen Euro.
Keine der von Grander oder seinen Kunden behaupteten Wirkungen konnte reproduzierbar nachgewiesen werden. Auf der Internetseite von Grander werden einzelne vorwissenschaftliche und wissenschaftliche Arbeiten vorgestellt: eine Diplomarbeit, eine Dissertation und eine Studie.
Die folgenden Aussagen wurden naturwissenschaftlich widerlegt:
Zu den folgenden Aussagen sind keine direkten Untersuchungen bekannt:
2019 verbreitete die Firma Grander über die eigene Website sowie über eine PR-Seite im Kitzbüheler Anzeiger die Meldung, die Wirksamkeit des Granderwassers sei nun wissenschaftlich nachgewiesen. Der Physiker Florian Aigner beurteilte die Meldung kritisch: Der veröffentlichte Artikel habe keinen Bezug zu den vom Unternehmen aufgestellten Behauptungen der „Wasserbelebung“.
Im Dezember 2019 wurde das Unternehmen für sein „Lebenswerk“ mit dem Negativpreis Goldenes Brett vorm Kopf ausgezeichnet.

Wassermoleküle sind Dipolmoleküle und liegen im flüssigen Wasser nicht frei und voneinander unabhängig vor, sondern sind über Wasserstoffbrückenbindungen vernetzt. Dadurch bilden sich auch größere kurzlebige Einheiten, sogenannte „Wassercluster“.
Vom belebten Wasser sagen die Hersteller, dass dessen Information verändert sei, indem die Cluster beispielsweise durch Wasserwirbel „umstrukturiert“ würden. Worin genau diese Veränderung bestehen soll und welche Strukturen was auslösen würden, wird von den Herstellern nicht definiert bzw. als „nicht bekannt“ deklariert.
Wasserstoffbrückenbindungen existieren jedoch immer nur für sehr kurze Zeit und brechen innerhalb von Picosekunden wieder auf, während sich an anderen Bindungsstellen genauso rasch wieder neue Brücken und somit neue Cluster bilden. Experimentell ist die extreme Kurzlebigkeit der Mikrostrukturen im Wasser auch an der Rotationsdiffusion des Wassers zu erkennen (die regellose, durch Zufallsbewegungen erzeugte Änderung der Richtung der Symmetrieachsen der Wassermoleküle in der Flüssigkeit, deren charakteristische Zeiten ebenfalls im Picosekundenbereich liegen). Diese speziellen Eigenschaften des Wassers sind der Grund für seine zahlreichen Anomalien.
Eine bleibende Umstrukturierung der Cluster ist wegen der Kurzlebigkeit jeder einzelnen Wasserstoffbrückenbindung unmöglich.
Von einigen Unternehmen wird auch eine „Energetisierung“ oder „Belebung“ des Schnees durch speziell behandeltes Wasser für Schneekanonen angeboten. Einige Unternehmen bieten auch Verfahren an, die durch „Elektrosmogentstörung und Wasseraktivierung“ die Struktur des Kunstschnees der des Naturschnees angleichen sollen. Aus wissenschaftlicher Sicht sind diese Behauptungen unbelegt, ihnen wird mit denselben Argumenten wie bei der „Wasserbelebung“ widersprochen.