Im mathematischen Teilgebiet der Kombinatorik bezeichnen die Bell-Polynome, benannt nach Eric Temple Bell, folgende dreieckige Anordnung von Polynomen
,
wobei die Summe über alle Sequenzen von nicht-negativen ganzen Zahlen gebildet wird, so dass
und .
Das Bell-Polynom ist ein Polynom in den Variablen . Seine Koeffizienten sind ganze Zahlen.
Vollständige Bell-Polynome
Die Summe
wird manchmal als tes vollständiges Bell-Polynom bezeichnet. Zur besseren Abgrenzung gegenüber den vollständigen Bell-Polynomen, werden die oben definierten Polynome auch manchmal als unvollständige oder partielle Bell-Polynome bezeichnet.
Die vollständigen Bell-Polynome genügen folgender Gleichung
Die vollständigen Bell-Polynome können folgendermaßen rekursiv definiert werden
und
für .
Sie erfüllen auch die folgende rekursive Differentialformel:
Kombinatorische Bedeutung
Gegeben sei eine nicht-negative ganze Zahl als Elementeanzahl der zu partitionierenden Menge.
Wird die ganze Zahl (= eine Menge der Größe) in eine Summe von Summanden (= Partitionen) zerlegt, in der der Summand (= die Partitionsgröße) 1 mal, die 2 mal und der Summand mal vorkommt, dann entspricht die Anzahl der möglichen Partitionierungen, die mit einer -elementigen Menge gebildet werden können, dem den Partitionsgrößen zuzuordnenden Koeffizienten des Monoms im Bell-Polynom. ist dann das Polynom aus allen Monomen mit dem Totalgrad und der Mengengröße .
Die Namen (eigentlich: die Nummern) der Unbestimmten
fungieren dabei nur als Pfosten zum Anheften der Anzahl
der Partitionen in der Partitionierung, die genau
Summand
Elemente haben sollen,
als Exponent der Potenz .
Ein Exponent 1 wird normalerweise nicht notiert.
Ist der Exponent 0, dann wird die ganze Potenz unterdrückt.
Die größte Partitionsgröße bei Partitionen ist , welche Partitionsgröße dann genau mal vorkommt. Die kleinste Partitionsgröße (= 1) kommt dann in dieser Partitionierung genau mal vor.
Die bevorzugte Reihenfolge der Monome im Bell-Polynom ist die lexikographisch aufsteigende mit niedrigstem Rang für , also kommt vor kommt vor .
Beispiele
für .
für .
für .
Ferner ist
,
da es
(Monom ) 6 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit 1 und 5 Elementen zu partitionieren,
(Monom ) 15 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit 2 und 4 Elementen zu partitionieren, und es
(Monom ) 10 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit 3 und 3 Elementen zu partitionieren.
Ein weiteres Beispiel ist
da es
(Monom ) 15 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit jeweils 1, 1 und 4 Elementen zu partitionieren,
(Monom ) 60 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit jeweils 1, 2 und 3 Elementen zu partitionieren, und es
(Monom ) 15 Möglichkeiten gibt, eine Menge mit Elementen zu Partitionen mit jeweils 2, 2 und 2 Elementen zu partitionieren.
Auf ähnliche Art und Weise lässt sich eine Potenzreihen-Version der Formel von Faà di Bruno aufstellen. Angenommen und ist der Entwicklungspunkt von bzw. ist der Entwicklungspunkt von .
ist das te Moment einer Wahrscheinlichkeitsverteilung, deren erste Kumulanten sind. Anders ausgedrückt ist das te Moment das te vollständige Bell-Polynom ausgewertet an den ersten Kumulanten.
Darstellung von Polynomfolgen mit binomialer Eigenschaft
Für eine beliebige (skalare) Folge: sei
.
Diese Polynomfolge erfüllt die binomiale Eigenschaft, d.h.
für . Es gilt, dass alle Polynomfolgen, welche die binomiale Eigenschaft erfüllen, von dieser Form sind.
Louis Comtet:Advanced Combinatorics: The Art of Finite and Infinite Expansions. Reidel Publishing Company, Dordrecht, Holland / Boston, U.S. 1974 (englisch).
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