Bell Hooks

bell hooks (2014)

bell hooks (Eigenschreibweise in Kleinbuchstaben, * 25. September 1952 in Hopkinsville, Kentucky als Gloria Jean Watkins; † 15. Dezember 2021 in Berea, Kentucky) war eine US-amerikanische Hochschullehrerin, Literaturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war eine Verfechterin intersektionaler, feministischer, antirassistischer und kapitalismuskritischer Ansätze. Ihr Pseudonym war der Name ihrer indigenen Urgroßmutter, den sie bewusst und konsequent in Kleinschreibung gebrauchte.

Leben

bell hooks wuchs in einer Familie afroamerikanischer Abstammung mit fünf Schwestern und einem Bruder auf; ihre Eltern waren der Hausmeister Veodis Watkins und die Hausmagd Rosa Bell Watkins. Sie studierte in Stanford (Bachelor-Abschluss 1973) und an der University of Wisconsin–Madison (Master-Examen 1976). Sie promovierte 1983 an der University of California, Santa Cruz. Sie hatte Lehraufträge an der Yale University und am Oberlin College. Ab 1994 war sie als Professorin für Englische Literatur am City College of New York tätig und 2004 trat sie eine Professur im Berea College, Kentucky, an. Sie war für ihre Vorlesungen, Reden und öffentlichen Auftritte bekannt.

Ihre Disziplin im Denken und Schreiben verdankte sie, so erläuterte sie 1994 in einem Interview, weniger den akademischen Zusammenhängen in Studium und Karriere als vielmehr ihrem „working class background where disciplined work was really valued“. Als „a rare rock star of a public intellectual“ wurde sie 2020 vom Time Magazine bezeichnet, nachdem sie im Rahmen von 100 Women of the Year mit der Kurzbeschreibung „Expanding Feminism“ als Repräsentantin für das Jahr 1984 ausgewählt worden war.

Hooks starb im Dezember 2021 im Alter von 69 Jahren nach längerer Krankheit an Nierenversagen.

Theorie

Die Themen ihrer Schriften sind weit gefasst: Besonders beschäftigte sie sich mit Feminismus und Gender-Fragen, Antirassismus, Klassismus und Kulturkritik. Dabei ging sie von einer intersektionalen Verknüpfung der verschiedenen Machtmechanismen, insbesondere Rassismus, Sexismus und Klassismus aus, die sie in ihrer Kritik immer wieder als Trinität von „weißer Vorherrschaft, Kapitalismus und Patriarchat“ bezeichnete. Diesen Komplex gelte es zu überwinden, wobei nicht auf die Privilegierung durch eine der Herrschaftsformen zurückgegriffen werden könne. So erschien ihr auch die Integration in die Kultur der Weißen als Assimilation nicht anstrebenswert. Stattdessen suchte sie Wege zu einer widerständigen Kultur.

„Antirassistische Arbeit, deren Strategie darauf zielt, daß diese Personen sich als ‚Opfer‘ von Rassismus sehen, und dabei auf eine einschneidende Wirkung bei den Betreffenden setzt, ist fehlgeleitet. Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, daß Personen mit vielen Privilegien, die in keiner Weise Opfer sind, sich aufgrund ihrer politischen Entscheidung für die Unterdrückten einsetzen können. Diese Solidarität muß nicht unbedingt auf gemeinsamer Erfahrung beruhen. Sie kann sich auf das politische und ethische Verständnis von Rassismus und die Absage an Dominanz gründen. Daraus läßt sich ersehen, wie wesentlich die Erziehung zu einem kritischen Bewußtsein ist, einem Bewußtsein, das Mächtige und Privilegierte in die Lage versetzen kann, sich der Herrschaftsstrukturen zu entledigen, in denen sie verwurzelt sind, ohne sich als Opfer fühlen zu müssen. Mit dieser Einschätzung wird nicht notwendigerweise die kollektive Erkenntnis negiert, daß eine Dominanzkultur darauf ausgerichtet ist, sich völlig verwirrend und verzerrend auf die Psyche der Menschen auszuwirken, oder daß diese Pervertierung verletzt.“

In ihrem sehr autobiographischen Buch Where we stand: Class Matters hob sie die Bedeutung der Klassengesellschaft hervor und beklagte, dass dieser Aspekt in diversen Rassismus- und Gender-Mainstreaming-Diskursen ausgeblendet worden sei. In Anlehnung an Paolo Freire trat sie für eine Erziehung einer Praxis der Freiheit ein und ihr Werk enthält immer wieder Verknüpfungen ihrer Theorien mit pädagogischen Überlegungen. So nahm sie immer wieder zu aktuellen Themen Stellung und als Buddhistin auch zum Buddhismus, wobei sie insbesondere Thích Nhất Hạnh rezipierte.

Schriften

Deutsch

Literatur

Commons: Bell Hooks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ bell hooks. In: Luxemburg. Abgerufen am 16. Dezember 2021.
  2. ↑ Janell Hobson: bell hooks: The Black Feminist Guide That Literally Saved Our Lives. In: Ms. Magazine. 16. Dezember 2021, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
  3. ↑ Hsu Hua: The Revolutionary Writing of bell hooks. In: The New Yorker. 15. Dezember 2021, archiviert vom Original; abgerufen am 16. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  4. ↑ Lawrence Chua: Interview. In: Bomb. 1. Juli 1994, abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).
  5. ↑ bell hooks. In: Time. 2020, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 15. Dezember 2021; abgerufen am 21. Dezember 2021 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Queere Autorin bell hooks gestorben, Queer.de, veröffentlicht und abgerufen am 16. Dezember 2021.
  7. ↑ Black Looks, deutsche Ausgabe, 1994, S. 23 f.
  8. ↑ bell hooks: Where we stand: Class Matters. (englisch, carbonfarm.us [PDF]).
  9. ↑ bell hooks tells the story of the first time she met Thich Nhat Hanh. Abgerufen am 12. Dezember 2023 (deutsch).
  10. ↑ bell hooks: Building a Community of Love – Lion's Roar. 24. März 2017, abgerufen am 12. Dezember 2023 (amerikanisches Englisch).
Personendaten
NAME Hooks, Bell
ALTERNATIVNAMEN Watkins, Gloria (Geburtsname); hooks, bell
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Literaturwissenschaftlerin und Feministin
GEBURTSDATUM 25. September 1952
GEBURTSORT Hopkinsville, Kentucky, USA
STERBEDATUM 15. Dezember 2021
STERBEORT Berea, Kentucky