Bella Fromm (* 20. Dezember 1890 in Nürnberg; † 9. Februar 1972 in New York) war eine deutsche Journalistin, die 1938 ins US-amerikanische Exil flüchten musste, weil sie Jüdin war. Dort veröffentlichte sie 1942 den Bestseller Blood and Banquets. A Berlin Social Diary.
Bella Fromm wuchs in Kitzingen in Unterfranken als Tochter von Siegfried Fromm (1855–1915) und Grete Fromm (1869–1918) auf. Ihre Mutter war Tochter des Weingroßhändlers Nathan Fromm in Kitzingen. Ihr Vater war mit dem Schwager Max Fromm Mitinhaber dieser Firma. Zum Studium am Konservatorium lebte sie in Berlin. Sie heiratete 1911 einen Berliner Kaufmann, Max Israel, später Iklé, und bekam 1913 ihre Tochter Grete-Ellen. 1919 wurde die Ehe geschieden. Die Inflation und der Zusammenbruch des Unternehmens ihres Mannes Karl Julius Steuermann, Steuermann & Wimmelsbacher oHG, an dem sie als persönlich haftende Gesellschafter beteiligt war, musste 1929 Konkurs anmelden. Auch ihre Weinvertretung hat 1929 Konkurs angemeldet. So war sie gezwungen, den Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Durch Freunde und Kontakte zum Ullstein Verlag fasste sie Fuß im Journalismus, ab 1928 wurde dieser ihre Haupteinnahmequelle. Für Zeitungen außerhalb Berlins nutzt sie das Pseudonym Isa von Franken, da der Ullstein Verlag das exklusive Recht auf ihren Namen in Anspruch nahm. Sie arbeitete als Lokaljournalistin für das Grunewald-Echo, als Sportreporterin für das 12 Uhr Blatt und die Hamburger Zeitung sowie für die Tennisclub-Zeitschrift Rot-Weiß, als Gesellschaftsreporterin für das 12-Uhr-Blatt, den Berliner Börsen-Courier, die B.Z. am Mittag und die Vossische Zeitung. Die regelmäßige Kolumne Berliner Diplomaten in der Vossischen Zeitung zeichnete sie mit ihrem Namen; Autorenzeilen waren eher eine Ausnahme in dieser Zeitung. Sie wurde zu einer in der Welt der Diplomaten umworbenen Journalistin und nahm an offiziellen Veranstaltungen wie auch an deren privaten Zusammenkünften teil.
1934 wurde Fromm wie alle jüdischen Journalisten von der nationalsozialistischen Regierung mit Berufsverbot belegt. Sie verhalf in dieser Zeit unter anderem ihrer Tochter zur Flucht. Zunächst verdiente Fromm nach 1934 ihr Geld, indem sie Wein an die Botschaften in Berlin verkaufte. Ab 1938 brauchte man hierfür allerdings eine Lizenz, die ihr aufgrund ihres jüdischen Glaubens nicht gewährt wurde. Sie wusste von den Konzentrationslagern, da ihr Onkel Max Fromm, der Kitzinger Kommerzienrat und Inhaber der berühmten Weingroßhandlung N. Fromm, bereits 1933 für eine Woche in ein Konzentrationslager gesperrt worden war und nur auf Intervention des Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht wieder freikam. Und sie stand in engem Kontakt mit Leo Baeck, dem Präsidenten der Reichsvertretung der Deutschen Juden, den sie bei seiner Arbeit unterstützte, indem sie durch ihre guten Kontakte zu ausländischen Konsulaten und Politikern Visa für Juden und Jüdinnen besorgte. Bella Fromm gehörte zu den Juden und Jüdinnen, die sich nur schwer von ihrer deutschen Heimat trennten. Obwohl sie weiterhin bei ausländischen Botschaftern zu Anlässen eingeladen wurde, fühlte sie sich nicht mehr sicher. Zuletzt lebte sie nicht mehr in ihrem eigenen Haus, sie bleib bei „arischen“ Freunden und plante ihre Ausreise, wofür sie 23 Dokumente benötigte. Durch ihre Kontakte bekam sie ein Visum für die Vereinigten Staaten. 1938, zwei Monate vor der Reichspogromnacht, verließ sie das Deutsche Reich.
In New York übernahm sie zunächst verschiedene Jobs als Näherin, Serviererin und Sekretärin und sorgte so für ihren zukünftigen (dritten) Ehemann, Peter Wolffheim (durch Adoption Welles). Ein befreundeter Journalist schlug ihr vor, ihre Erlebnisse aus Berlin – vor allem ab 1933 – im Tagebuchformat zu veröffentlichen. Das Buch Blood and Banquets wurde 1942 veröffentlicht und zu einem Bestseller in den USA. In den umfangreichen Notizen schildert Fromm mit einer Mischung aus Spott und zunehmender Besorgnis den Aufstieg der Nationalsozialisten. Es zeigt „eine in dieser Form nur selten anzutreffende politische Urteilsfähigkeit, die den Vergleich mit heute viel bekannteren jüdischen Intellektuellen und Totalitarismusforschern wie Hannah Arendt oder Raymond Aron nicht zu scheuen braucht“.
Das Werk wurde vor der Veröffentlichung stark bearbeitet. Die Aufzeichnungen wurden vermutlich erst in den USA zusammengestellt. Sie beruhen zum einen auf der Augenzeugenschaft Bella Fromms; dafür sprechen umfangreiche Aufzeichnungen im Nachlass der Journalistin. Da sie andererseits auch 1941/1942 in den USA zugängliche Meldungen aus Zeitungen und Zeitschriften zur Erstellung von „Tagebucheinträgen“ benutzte, was auch zu sachlichen Fehlern führte, ist die Einordnung von Blood and Banquets als authentisches Tagebuch nicht möglich und sein Quellenwert beschränkt.
In Amerika wurde sie am 22. Februar 1943 von ihrem zweiten Ehemann Karl Julius Steuermann wegen „mental cruelty“, was damals ein gesellschaftlich und juristisch annehmbarer Vorwand für eine schnelle Scheidung war, geschieden. Am 8. August 1943 heiratete sie Dr. Peter Francis Welles (geboren als Wolfheim). Um Material für weitere Vorträge zu sammeln, reiste Fromm ab 1946 regelmäßig nach Deutschland. Ihr deutscher Roman … und war doch umsonst (oder: Die Engel weinen), der 1961 erschien, fand wenig Beachtung. In dem Buch arbeitete Fromm in fiktionalisierter Form ihre Exilerfahrungen auf.
Bella Fromm starb am 9. Februar 1972 in New York.
Der Rowohlt Verlag brachte ihren amerikanischen Bestseller 1993 in leicht gekürzter Fassung auf Deutsch unter dem Titel Als Hitler mir die Hand küßte heraus.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fromm, Bella |
| ALTERNATIVNAMEN | Welles, Bella; Steuermann, Bella; Fromm-Steuermann, Bella; Fromm Welles, Bella |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-amerikanische Journalistin |
| GEBURTSDATUM | 20. Dezember 1890 |
| GEBURTSORT | Nürnberg |
| STERBEDATUM | 9. Februar 1972 |
| STERBEORT | New York City |