Die Bellevalia sind eine Pflanzengattung innerhalb der FamilieSpargelgewächse (Asparagaceae). Eingedeutscht werden sie „Bellevalien“ genannt, einige Arten werden wie die nah verwandte Gattung Hyacinthus „Hyazinthe“ genannt. Die etwa 70 Arten sind vom Mittelmeerraum, der Türkei (26 Arten) und Israel (elf Arten), bis ins zentrale Asien: Iran, Afghanistan und Pakistan (zwei Arten) verbreitet.
Beschreibung
Bellevalia-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden Zwiebeln mit einer häutigen, braunen Ummantelung („Tunika“) als Überdauerungsorgane aus. Nur grundständig stehen einige einfache, parallelnervige Laubblätter.
Endständig auf zylindrischen, glatten Blütenstandsschäften stehen Trauben. Die zahlreichen Blüten stehen in der Achsel kleiner, häutiger Tragblätter. Die geraden Blütenstiele wachsen bis zur Fruchtreife und stehen dann ab. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Die sechs gleichgeformten Blütenhüllblätter sind auf einem Drittel bis zur Hälfte ihre Länge röhrig, glockenförmig oder trichterförmig verwachsen. Der unverwachsene Teil der Blütenhüllblätter ist mehr oder weniger nach außen gebogen. Die Farben der Blütenhüllblätter reicht von weiß über cremefarben bis braun oder seltener von blau bis violett; oft ändert sich ihre Farbe vom Knospenzustand bis zur Fruchtbildung. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden; die kurzen Staubbeutel sind blau. Die drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Die Kapselfrucht ist im Querschnitt dreieckig mit geflügelten Kanten. Die Samen sind mehr oder weniger kugelförmig und bereift, selten länglich und glänzend.
Bellevalia dubia(Guss.) Schult. & Schult. f. (Syn.: Bellevalia dolichophyllaBrullo & Miniss.): Sie kommt in drei Unterarten in Portugal, Italien und Sizilien, auf der Balkanhalbinsel, in Marokko, Algerien und Tunesien, in der Ägäis und in der Türkei vor.
Bellevalia edirnensisÖzhatay & B.Mathew: Sie kommt vom nordöstlichen Griechenland bis in die europäische Türkei vor.
Bellevalia eigiiFeinbrun: Die Heimat ist Jordanien, das südliche Israel, das nördliche Ägypten und die Sinaihalbinsel.
Bellevalia koyuncuiKarabacak & Yildirim: Sie kommt in der Türkei vor. Sie wurde 2015 erstbeschrieben.
Bellevalia kurdistanicaFeinbrun: Sie kommt in der östlichen Türkei bis zum nördlichen Irak vor.
Bellevalia leucanthaK.Perss.: Die Heimat ist die Türkei. Sie wurde 2006 erstbeschrieben.
Bellevalia lipskyi(Miscz.) Wulff.: Sie kommt auf der südwestlichen Krim vor.
Bellevalia longipesPost: Die Heimat ist die südöstliche Türkei, das Gebiet von Syrien und Libanon, Palästina, die Sinaihalbinsel, Irak, Transkaukasien und der Iran.
Bellevalia longistyla(Miscz.) Grossh.: Die Heimat ist die östliche Türkei, Transkaukasien und der westliche Iran.
Bellevalia macrobotrysBoiss.: Sie kommt in zwei Unterarten von Algerien bis zum westlichen Iran und Transkaukasien vor.
Bellevalia malatyaensisUzunh. & H.Duman: Sie kommt in der Türkei vor. Sie wurde 2013 erstbeschrieben.
Bellevalia montana(K.Koch) Boiss., Syn.: Bellevalia albanaWoronow, Bellevalia makuensisWoronow ex Grossh., Bellevalia wilhelmsii(Steven) Woronow: Sie kommt von der nordöstlichen Türkei bis Transkaukasien vor.
Bellevalia mosheoviiFeinbrun: Sie kommt von Syrien und Jordanien bis zum Irak vor.
Schneeweiße Hyazinthe (Bellevalia nivalisBoiss. & Kotschy, Syn.: Bellevalia pieridis(Holmboe) Feinbrun): Sie kommt in Zypern und Syrien vor.
Bellevalia olivieri(Baker) Wendelbo, Syn.: Bellevalia latifoliaFeinbrun: Sie kommt von der südöstlichen Türkei und dem Irak bis zum westlichen und zentralen Iran vor.
Bellevalia paradoxa(Fisch. & C.A.Mey.) Boiss., Syn.: Bellevalia pycnantha(K.Koch) Losinsk.: Sie kommt von der östlichen Türkei, Transkaukasien und dem Irak bis zum westlichen und nördlichen Iran vor.
Bellevalia pelagicaC.Brullo, Brullo & Pasta: Sie ist ein Endemit auf Lampione. Sie wird aber auch als Synonym zu Bellevalia dubia(Guss.) Schult. & Schult.f. gestellt.
Bellevalia pseudofominiiÖzhatay & E.Kaya: Sie kommt in der Türkei vor. Sie wurde 2014 erstbeschrieben.
Bellevalia pseudolongipesKarabacak & Yildirim: Sie kommt in der Türkei vor. Sie wurde 2014 erstbeschrieben.
Bellevalia rixiiWendelbo: Sie kommt in der östlichen Türkei vor.
Pseudomuscari forniculatum(Fomin) Garbari, Syn.: Bellevalia forniculata(Fomin) Deloney, Muscari forniculatumFomin: Sie kommt in der Türkei vor.
Quellen
S. I. Ali: Flora of Pakistan. 214: Hyacinthaceae. University of Karachi, Department of Botany, Karachi 2005, Bellevalia, S. 2 (online bei efloras.org und bei Tropicos).
Bellevaliaim Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
Einzelnachweise
↑ Beispielsweise schon bei Gustav Heynhold: Nomenclator botanicus hortensis: Oder, Alphabetische und synonymische Aufzählung der in den Gärten Europa's Cultivirten Gewächse, nebst Angabe ihres Autors, ihres Vaterlandes, ihrer Dauer und Cultur. Band 2. Arnoldische Buchhandlung, Dresden und Leipzig 1846, S. 64, (Vorschau)in der Google-Buchsuche.
↑ Hasan Yıldırım, Yusuf Altıoğlu, Bilal Şahin, Serdar Aslan: Bellevalia chrisii sp. nov. (Asparagaceae) from eastern Anatolia, Turkey. In: Nordic Journal of Botany. Band 33, Nr. 1, 2015 (E-Publikation am 28. März 2014), S. 45–49, DOI:10.1111/njb.00469.
↑Osman Karabacak, Hasan Yildirim, Esra Martin: Bellevalia koyuncui sp. nova (Asparagaceae): a new species from South Eastern Anatolia, Turkey. In: Phytotaxa.203, Nr. 1 2015, S. 81, DOI:10.11646/phytotaxa.203.1.9.
↑Mehmet Erkan Uzunhisarcikli, Hayri Duman, Serkan Yilmaz: A new species of Bellevalia (Hyacinthaceae) from Turkey. In: Turkish Journal of Botany. Band 37, Nr. 4, 2013, S. 651–655, DOI: 10.3906/bot-1209-29.
↑ Cristian Brullo, Salvatore Brullo, S. Pasta: Bellevalia pelagica (Hyacinthaceae), a new species from the Islet of Lampione (Pelagian Archipelago, Sicily). In: Edinburgh Journal of Botany. Band 66, Nr. 1, 2009, S. 65–75, doi:10.1017/S0960428609005265.
↑Osman Karabacak, Hasan Yildirim, Esra Martin: Bellevalia pseudolongipes sp. nov. (Asparagaceae): a new species from southeastern Anatolia, Turkey. In: Phytotaxa. Band 188, Nr. 4, 2014, S. 209–217, DOI:10.11646/phytotaxa.188.4.3.
↑ A. Jafari, A. A. Maassoumi: A New Species of Bellevalia (Liliaceae/Hyacinthaceae) from Iran. In: Edinburgh Journal of Botany. Band 65, Nr. 3, 2008, S. 469–473, doi:10.1017/S0960428608005027.