Benedict Stilling

Benedict Stilling

Benedict Stilling, auch Benedikt Stilling (* 16. März 1810 in Kirchhain, Westfalen; † 28. Januar 1879 in Kassel) war ein deutscher Chirurg und Neuroanatom.

Leben

Benedict Stilling wurde als Sohn und erstes Kind von Jakob Benedict Stilling, 1770 geboren als Jakob Benedict, einem Kaufmann, und Veilchen Samuel (* 1786) geboren. Er erhielt unter anderem durch den Philosophen und protestantischen Theologen Karl Wilhelm Justi Privatunterricht in Latein und Griechisch. Von 1828 bis 1832 studierte Stilling Medizin in Marburg. Seit 1831 assistierte er dort an der Chirurgischen Klinik. 1832 wurde er promoviert. 1833 arbeitete er bei Christoph Ullmann (1772–1849), beendete dann jedoch zunächst seine akademische Karriere und arbeitete ab 1834 als erster jüdischer Landgerichtswundarzt beim Kasseler Landgericht.

Als er 1840 zwangsversetzt werden sollte, kündigte er und ging zunächst nach Paris, wo er mit verschiedenen berühmten Ärzten seiner Zeit zusammentraf, z. B. mit Claude Bernard, Charles-Édouard Brown-Séquard und Jean-Martin Charcot. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in verschiedenen Städten (neben Paris auch in London, Edinburgh und Wien), kehrte aber stets nach Kassel zurück, wo er auch starb.

Stilling schuf neue Operationsmethoden, entwickelte anatomische Techniken, schuf mit seinen Forschungen über das Rückenmark Grundlagen für die moderne Neuroanatomie und untersuchte das Gehirn. Er führte 1837 die erste Ovariotomie in Deutschland durch, zur Vermeidung innerer Blutungen extraperitoneal, seine Publikation darüber erschien 1841. Lange Zeit war er der einzige in Deutschland, der diese Operation beherrschte. Er entwickelte 1842 die Gefriermethode und war damit einer der Pioniere der Mikrotomentwicklung. Nach Stilling ist der Stilling-Kanal benannt, ein schmaler Gang im Glaskörper des Auges zwischen dem blinden Fleck und der Augenlinse.

Der Pathologe Heinrich Stilling und der Ophthalmologe Jakob Stilling waren seine Söhne. Im Jahr 1865 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt.

Schriften (Auszüge)

Literatur

Commons: Benedict Stilling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Hessisches Staatsarchiv Marburg: Best. 305a, A I 2, Nr. 13/14/16 (Zivilstandsprotokoll der Stadt Kirchhain)
  2. ↑ Bernd Ottermann: Benedict Stilling (1810–1879): Landgerichtswundarzt zu Cassel. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 4, 1986, S. 253–287; hier: S. 253–255.
  3. ↑ Bernd Ottermann (1986), S. 255–258
  4. ↑ Bernd Ottermann (1986)
  5. ↑ Gerhard Aumüller: Benedict Stillings (1810–1879) Untersuchungen über das Rückenmark - ein Wendepunkt in der neuroanatomischen Forschung. In: Medizinhistorisches Journal. Band 19, 1984, S. 53–69.
  6. ↑ amuseum.de (PdF; 736 kB)
  7. ↑ Mitgliedseintrag von Benedict Stilling bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 12. September 2022.
Personendaten
NAME Stilling, Benedict
ALTERNATIVNAMEN Stilling, Benedikt
KURZBESCHREIBUNG deutscher Chirurg und Neuroanatom
GEBURTSDATUM 16. März 1810
GEBURTSORT Kirchhain, Westfalen
STERBEDATUM 28. Januar 1879
STERBEORT Kassel