Benjamin Carter Hett

Benjamin Carter Hett, auch B.C. Hett, (* 1965 in Rochester, New York) ist ein US-amerikanischer Historiker und Professor am Hunter College der City University of New York.

Leben

Hetts akademische Ausbildung erfolgte zunächst an der University of Alberta, wo er 1987 den Bachelor-Abschluss (B.A.) in politischen Wissenschaften machte. 1990 erwarb er an der University of Toronto nach einem Studium der Rechtswissenschaften den akademischen Grad des Juris Doctor (J.D.) Er arbeitete anschließend vier Jahre lang als Jurist, ehe er 1995 ebenfalls an der University of Toronto den Master of Arts (M.A.) in moderner europäischer Geschichte erlangte.

Hett wurde 2001 bei David Blackbourn an der Harvard University promoviert mit einer Studie zu Justizprozessen in Berlin um 1900, für die er 2002 mit dem Harold K. Gross Prize für die beste geschichtswissenschaftliche Dissertation des Jahres der Harvard University ausgezeichnet wurde. Die Arbeit wurde auch von Frank Bösch in H-Soz-u-Kult gelobt. Sie habe „viele Vorzüge“ und stelle eine „lesenswerte Studie zur Sozial- und Kulturgeschichte des Gerichtsraumes“ dar. Seit 2003 lehrt er am Hunter College der City University of New York (CUNY). Von 2003 bis 2008 als Assistant Professor, von 2008 bis 2012 als Associate Professor und seit August 2012 als ordentlicher Professor.

Für seine Biographie zu Hans Litten, 2008 unter dem Titel Crossing Hitler publiziert, erhielt Hett den Ernst Fraenkel Prize in Contemporary History.

Hetts Anfang 2014 erschienene Monografie Burning the Reichstag. An investigation into the Third Reich's enduring mystery, die 2016 als erweiterte deutsche Ausgabe unter dem Titel Der Reichstagsbrand. Wiederaufnahme eines Verfahrens erschienen ist, erfuhr sowohl Zustimmung als auch Kritik. Uwe Soukup beispielsweise sieht in seiner ausführlichen Rezension in dem Band eine überzeugende Präsentation von Indizien und Argumentation gegen die These vom Alleintäter Marinus van der Lubbe beim Reichstagsbrand 1933. Der britische Historiker Richard J. Evans hingegen attestiert in seiner umfassenden Besprechung von Hetts Monografie zwar auch eine breite Quellen- und Literaturbasis, sie sei zudem gut geschrieben; doch er kritisiert, dass sie nicht als ausgewogene geschichtswissenschaftliche Studie, sondern eher als einseitig gegen die Alleintäterthese gerichtete Anklageschrift verfasst sei. Fritz Tobias werde von Hett in die Ecke des Rechtsextremismus gestellt und die einschlägige Arbeit von Sven Felix Kellerhoff, Der Reichstagsbrand: Die Karriere eines Kriminalfalls, würde kaum erörtert.

Ian Kershaw äußerte gegenüber dem Tagesspiegel, dass er in seiner Hitler-Biografie die Ausführungen zum Reichstagsbrand nach Lektüre dieses Buchs „heute anders schreiben würde“ und lobte Hetts Studie als eine „peinlich genaue Untersuchung“. Das Werk wurde von der Central European History Society (CEHS) mit dem Hans Rosenberg Book Prize für das beste in Nordamerika erschienene englischsprachige Buch zur europäischen Geschichte ausgezeichnet.

Werke

Überarbeitete und erweiterte Fassung in deutscher Sprache: Der Reichstagsbrand. Wiederaufnahme eines Verfahrens. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2016, ISBN 978-3-498-03029-2.

Einzelnachweise

  1. ↑ Seite der John Simon Guggenheim Memorial Foundation zu Benjamin Hett (Memento des Originals vom 4. Dezember 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. ↑ Frank Bösch: Rezension zu: Hett, Benjamin Carter: Death in the Tiergarten. Murder and Criminal Justice in the Kaiser's Berlin. Cambridge/Mass. 2004, in: H-Soz-u-Kult, 5. Juli 2006.
  3. ↑ Fraenkel Prize in Contemporary History (Memento vom 11. März 2017 im Internet Archive)
  4. ↑ Uwe Soukup: Der Brand (Memento des Originals vom 13. Januar 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 11. Mai 2014, S. 8; ders.: Brennende Fragen, in Tagesspiegel, 2. Januar 2015, mit ausführlicher Sachdarstellung online; weiterhin Wigbert Benz: Rezension von: Benjamin Carter Hett, Burning the Reichstag. In: Archiv für Sozialgeschichte (online), 14. Oktober 2014; Sean O’Grady : Burning the Reichstag by Benjamin Carter Hett, book review. In: The Independent. 14. Februar 2014; Robert Swan: Burning the Reichstag: An Investigation into the Third Reich’s Enduring Mystery. In: Washington Independent. Review of Books, 11. März 2014.
  5. ↑ Sven Felix Kellerhoff: Reichstagsbrand. Die Karriere eines Kriminalfalls. be.bra, Berlin 2008, ISBN 3-89809-078-7.
  6. ↑ Richard J. Evans: The Conspiracists. In: London Review of Books. Vol. 36, No. 9, 8. Mai 2014. Auf den Seiten des London Review dazu findet sich im Anschluss an den Artikel je eine Entgegnung von Carter Hett und eine von Alexander Bahar und Wilfried Kugel gegen Evans (online)
  7. ↑ Uwe Soukup: Brennende Fragen. In: Tagesspiegel, 2. Januar 2015.
  8. ↑ Hans Rosenberg Book Prize 2014 (Memento vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)
  9. ↑ Süddeutsche Zeitung: Männer, die in Kriege ziehen. Abgerufen am 9. Januar 2022.
Personendaten
NAME Hett, Benjamin Carter
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Historiker und Autor
GEBURTSDATUM 1965
GEBURTSORT Rochester, New York, Vereinigte Staaten