
Sir Benjamin Collins Brodie, 1. Baronet (* 8. Juni 1783 in Winterslow, Wiltshire; † 21. Oktober 1862 in Broome Park, Betchworth, Mole Valley, Surrey) war ein britischer Chirurg und Pathologischer Anatom.
Benjamin Collins Brodie war das vierte Kind und der dritte Sohn von Peter Bellinger Brodie (1742–1804) und dessen Frau Sarah Collins (1755–1847).
Brodie wurde von seinem Vater an Literatur, Griechisch und Latein herangeführt. 1801 zog er nach London und begann das Studium der Medizin. In London nahm er an Vorlesungen von John Abernethy, 1801 und 1802 an Vorlesungen von Wilson an der Windmill Street School of Anatomy. Im Frühjahr 1803 wurde er dort am St. George’s Hospital Schüler von Everard Home. Auch der Anatom William Hunter gehörte zu seinen Lehrern. 1805 wurde Brodie Hauschirurg, später Demonstrator der Anatomie. Ab 1808 war er am St. George’s Hospital als Assistenzchirurg für 14 Jahre und Dozent tätig. 1809 begann er privat zu praktizieren. 1819 wurde er Professor für vergleichende Anatomie und Physiologie in London, 1822 Chirurg am St. George’s Hospital und 1828 auch Leibchirurg des Königs. 1832 wurde Brodie leitender Chirurg. Im selben Jahr wurden seine Vorlesungen über urologische Themen veröffentlicht, 1837 mit Illustrationen seine Vorlesungen über Nervenschäden.
1816 heiratete er Anne Sellon (1797–1861), mit der er vier Kinder hatte, darunter Sir Benjamin Collins Brodie, 2. Baronet.
Ab 1811 wurden seine Experimente mit dem von ihm woorara genannten Curare veröffentlicht. Für die Chirurgie waren vor allem seine Arbeit Pathological and surgical observations on diseases of the joints (1818) über Gelenkerkrankungen von großem Einfluss. 1836 beschrieb Brodie ein von Carl Caspar von Siebold als „Hinken“ bezeichnetes Krankheitsbild erstmals als Gelenkneuralgie. 1850 erschien die 5. Auflage seiner Schrift Pathological and surgical observations on diseases of the joints mit der ersten klinischen Beschreibung des typischen Krankheitsbildes der Spondylitis ankylosans (Kapitel 12, Abschnitt 4, S. 353 ff.).
Brodie starb an einer durch einen Reitunfall aus dem Jahr 1834 verursachte schmerzhafte Schultererkrankung. Er wurde auf dem Kirchfriedhof von Betchworth beigesetzt.
Er war ab 1805 Mitglied, ab 1844 Präsident des Royal College of Surgeons of England, von 1858 bis 1861 erster gewählter Präsident des General Medical Council. Am 18. Februar 1810 wurde Brodie als Mitglied („Fellow“) in die Royal Society gewählt, die ihm 1811 die Copley-Medaille verlieh. Von 1858 bis 1861 war er Präsident der Royal Society. 1844 wurde er in die Académie des sciences und 1855 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Er wirkte zudem von 1839 bis 1840 als Präsident der Royal Medical and Chirurgical Society of London.
Am 30. August 1834 wurde ihm der erbliche Adelstitel Baronet, of Boxford in the County of Suffolk and of Saville-row in the City of Westminster, verliehen.
Nach Brodie sind der Brodie-Abszess und der Brodie-Tumor benannt.
Bücher
Zeitschriftenbeiträge
Gesammelte Schriften
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brodie, Benjamin Collins |
| ALTERNATIVNAMEN | Brodie, Sir Benjamin Collins, 1. Baronet |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Chirurg und Anatom |
| GEBURTSDATUM | 8. Juni 1783 |
| GEBURTSORT | Winterslow, Wiltshire |
| STERBEDATUM | 21. Oktober 1862 |
| STERBEORT | Broome Park, Betchworth, Mole Valley, Surrey |