Bernhard Hirt (* 1971) ist ein deutscher Anatom, Hochschullehrer, Arzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) und Kopf- und Halschirurgie. Er gilt als ein Pionier der modernen klinischen Anatomie und wurde mit dem Anton-Waldeyer Preis ausgezeichnet. Seit 2015 hat er einen Lehrstuhl für Anatomie an der Eberhard Karls Universität in Tübingen. Er ist Direktor des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik und etablierte dort ein internationales chirurgisches Forschungs- und Trainingszentrum, an dem rund 150 Medizintechnologie-Unternehmen und jährlich rund 3000 Chirurgen praktizieren.
Nach dem Abitur studierte Bernhard Hirt von 1992 bis 1999 Medizin in Tübingen. Sein Praktisches Jahr absolvierte er an der LMU München und der UCSF San Francisco. Bis zu seiner Promotion am Anatomischen Institut der Universität Tübingen im Jahre 2000, die er mit der Note Summa cum laude abschloss, arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Anatomischen Instituts.
Ab dem Jahr 2001 arbeitete er als Arzt in Weiterbildung an der HNO-Klinik Tübingen. 2007 erhielt er den Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und arbeitete als Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Tübingen. Im Jahre 2011 erhielt er zusätzlich den Facharzt für Anatomie.
Seit 2008 leitet er die Klinische Anatomie der Universität Tübingen. Nach seiner Habilitation in Anatomie im Jahr 2012 erhielt er 2014 den Ruf zu einer W2-Professur an der HHU Düsseldorf. Diese gab er 2015 zugunsten einer W3-Professur an der Universität Tübingen auf. Seit 2015 ist er außerdem Studiendekan der Vorklinik an der Universität Tübingen.
Bernhard Hirt ist im Rahmen einer akademischen Ausgründung Co-Gründer des Start-Up-Unternehmens LICIT Solutions in Tübingen, das sich auf die Entwicklung neuartiger Biozid-Wirkstoffe spezialisiert hat. Bis 2024 hatte er dort die Position des CEO inne.
Bernhard Hirt tritt als Gründungsmitglied und Vereinsvorsitzender des Vereins „Initiative Erinnerungsort Gräberfeld X e.V.“ aktiv für die Aufarbeitung der Geschichte der Anatomie im Nationalsozialismus ein. Der Verein zeigt mit der Ausstellung und Publikation „Entgrenzte Anatomie“, wie die Tübinger Anatomie im Nationalsozialismus von der NS-Justiz und Verfolgungspolitik profitierte, indem sie die Körper von Opfern für Forschung und Lehre nutzte. Anhand von Objekten, Dokumenten und Interviews beleuchtet sie die Entwicklung der Disziplin vor, während und nach 1933 und stellt kritische Fragen nach Verantwortung, Kontinuitäten und Brüchen.
Bernhard Hirt ist Gründer der "Sectio chirurgica", einem Format, das Anatomie und Live-Chirurgie unmittelbar erfahrbar macht. Es verbindet vorklinisches Grundwissen mit klinischer Expertise und wird im Wintersemester jeweils donnerstags live aus dem Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik gestreamt.
Als Gründer und Leiter der “Sectio chirurgica” wurde er mit dem Ars legendi-Preis für exzellente Hochschullehre - Fakultätenpreis des Medizinischen Fakultätentages und des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft ausgezeichnet.
Im Jahr 2025 veröffentlichten die Medimeisterschaften Tübingen die Single ‚Sectio Chirurgica‘ (feat. irgendwas ist immer), die anschließend auf gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify und Apple Music erschien.
Bernhard Hirt ist Initiator der Veranstaltungsreihe “Einschnitte/Einblicke”, die seit 2016 regelmäßig stattfindet. Das Format soll Kontakte zwischen Kliniken, Ärztlichen Direktoren und Oberärzten sowie Unternehmen in der MedTech-Branche herstellen, die live neue Ansätze diskutieren, moderiert von Bernhard Hirt.
Die Forschungsschwerpunkte von Bernhard Hirt sind die minimalinvasive Chirurgie und die Schädelbasischirurgie. Im Bereich der molekularen Forschung untersucht er u. a. die Neurosensorik.
Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit entwickelte und patentierte eine biozide Wirksubstanz Aminolipin, die ein neuartiges Wirkprinzip verfolgt und u. a. als formaldehydfreie Konservierungslösung für biologische Materialien und anatomische Präparate geeignet ist.
Aminolipin ist eine formaldehydfreie Fixierungs- und Konservierungssubstanz, die am Institut für Klinische Anatomie und Zellanalytik der Universität Tübingen unter Leitung von Bernhard Hirt entwickelt wurde. Ziel der Forschung ist es, eine gesundheitlich unbedenkliche Alternative zu Formaldehyd zu schaffen, das in der Anatomie und Pathologie weit verbreitet, jedoch als krebserregend eingestuft ist. Aminolipin weist neben fixierenden Eigenschaften auch eine antimikrobielle Wirkung auf und ermöglicht die langfristige Konservierung biologischer Materialien. Im Gegensatz zu Formaldehyd gilt es als nicht flüchtig, nicht hautschädlich sowie weder mutagen noch genotoxisch.
In der praktischen Anwendung eignet sich Aminolipin insbesondere für die anatomische Ausbildung und chirurgische Trainings, da es eine realitätsnahe Haptik und die Beweglichkeit von Gelenken erhält. Studien belegten zudem eine breite Wirksamkeit gegen Bakterien, Pilze und verschiedene Viren.
Die Weiterentwicklung von Aminolipin wird seit 2022 durch das Förderprogramm GO-Bio des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt. Nachweise zur Wirksamkeit und Sicherheit zu erbringen und die Ausgründung eines Start-ups vorzubereiten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hirt, Bernhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher HNO-Arzt und Anatom |
| GEBURTSDATUM | 1971 |