Bernhard Loibner

Bernhard Loibner Live at Klub Moozak, Vienna 2019
Bernhard Loibner Live im Klub Moozak, Wien 2019

Bernhard Loibner (* 22. Juni 1965 in St. Veit an der Glan, Kärnten) ist ein österreichischer Komponist, Musiker elektronischer Musik und Medienkünstler.

Leben

Er wuchs in Villach auf, wohin seine Eltern kurz nach seiner Geburt übersiedelt waren. Sein Vater war Unfallchirurg, seine Mutter Krankenschwester und seit der Geburt ihrer Kinder Hausfrau. Er hat einen älteren Bruder. Seine Matura absolvierte er am BORG Klagenfurt, danach übersiedelte er 1985 nach Wien. Dort studierte er erst Tontechnik und absolvierte ab 1986 auch ein Studium der Datentechnik an der TU Wien das er 1990 abschloss.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit arbeitete er als IT-Spezialist in verschiedenen Medienunternehmen. Die Jahre 1998/99 verbrachte er in London wo er für die Economist Group arbeitete. Nach der Rückkehr nach Wien war er von 2000 bis 2002  als Universitäts-Assistent für visuelle Medien bzw. Digitale Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien beschäftigt . Seither ist er Lehrer an der HTL Donaustadt und absolvierte dafür ein Lehramtstudium.

Poster des multimedialen Projektes "Personenrufe" von All Quiet On The Western Front, 1992

Wirken

Video Frame aus der audio-visuellen Komposition "Meltdown" (2007)
Video Frame aus der audio-visuellen Komposition "Meltdown" (2007)

Nach frühen Versuchen in diversen Rockbands begann er Mitte der 1980er Jahre als E-Bassist mit seiner Band All Quiet on the Western Front ein Crossover aus Elektronik, Rockmusik und improvisierter Musik zu spielen. Die Gruppe veröffentlichte 1990 ein Album auf Vinyl und CD. Durch den Kontakt zu Heidi Grundmann und dem ORF Kunstradio wurde sein Interesse an Medienkunst geweckt und er entwickelte erst mit All Quiet On The Western Front und später u.a. mit dem Schriftsteller Robert Woelfl und dem US-amerikanischen Medienkünstler Tom Sherman Arbeiten in angrenzenden Medien z.B. Radiostücke, Klanginstallationen oder Projekte in elektronischen Medien.

Sein musikalisches Schaffen war in den Anfängen stark von der Arbeit mit Sampling geprägt. In den frühen 2000er Jahren begann seine Auseinandersetzung mit Computermusik und der visuellen Programmiersprache Max/Msp, mit der er neben Sample-basierten auch zunehmend synthetische Klangerzeuger programmierte und für seine Kompositionen und Konzerte einsetzte. Ab Mitte der 2000er Jahre weitete er sein Schaffen auf die visuelle Ebene aus und komponierte und veröffentlichte audio-visuelle Werke. Programmierung und Komposition versteht er dabei als ineinandergreifenden Prozess.

Seit den 2020er Jahren hat er die computerbasierte Klangerzeugung weitgehend für die Arbeit mit analogen modularen Synthesizern getauscht. Damit ist auch die Auseinandersetzung mit frei improvisierter Musik verstärkt in seinen Fokus gerückt.

Zu Loibners künstlerischen Arbeiten gehören, neben Livekonzerten elektronischer Musik, sowohl Kompositionen für zeitgenössischen Tanz und Theater als auch Video, Film und Radio. Seine experimentelle elektronische Musik und audiovisuellen Stücke wurden bei zahlreichen Konzerten, Aufführungen und bei Filmfestivals gespielt.

Zu seinen Gemeinschaftswerken gehören Arbeiten des Duos „Nerve Theory“, das mit dem US-amerikanischen Videokünstler Tom Sherman in den Bereichen Klang, Video und Stimme tätig ist, sowie gemeinsame Konzerte mit Didi Bruckmayr unter dem Pseudonym "Bruckner", dem Duo "KnuRRhahn, dem Saxophonisten Michael Fischer, dem Vienna Improvisers Orchestra und anderen. Auftragsarbeiten umfassen Filmmusiken für die Regisseurin Mara Matuschka und andere Performances.

Im Jahr 2009 wurde ihm das österreichische Staatsstipendium für Komposition zuerkannt.

Seine Musik und seine Videos wurden auf CD und DVD veröffentlicht und bei zahlreichen Live-Konzerten und Screenings vorgestellt u.a. Ars Electronica Linz, Elektra Montreal, Steirischer Herbst, Music Unlimited Wels, Moers Festival, Kortfilmfestival Leuven, File Sao Paolo.

Diskografische Informationen

Einzelnachweise

  1. ↑ Takeover: who's doing the art of tomorrow = Wer macht die Kunst von morgen; [Ars Electronica 2001]. Springer, Wien New York 2001, ISBN 3-211-83629-2.
  2. ↑ JAHRESBERICHT DER HTL DONAUSTADT Schuljahr 2012/13. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  3. ↑ All Quiet On The Western Front - All Quiet On The Western Front. 1990, abgerufen am 24. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ KUNSTRADIO 13. Februar 1992. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  5. ↑ Transit # 2 : Materialien zu einer Kunst im elektronischen Raum. Abgerufen am 2. Mai 2026.
  6. ↑ Michael Ternai: mica-Interview mit Bernhard Loibner. In: mica - music austria. 10. Juni 2010, abgerufen am 9. Oktober 2026.
  7. ↑ oe1.orf.at: Zeit-Ton | DO | 26 08 2010 | 23:03. Abgerufen am 9. Oktober 2026.
  8. ↑ Christian Rösner: Sound-Surfer - Audiovisuelle Kompositionen und interpretierbare Assoziationsräume. 22. Januar 2005, abgerufen am 28. April 2026.
  9. ↑ Christian Rösner: Sound-Surfer - Eigene Signalnetzwerke als Kompositionsgrundlage. 7. Juni 2002, abgerufen am 9. Oktober 2026.
  10. ↑ Jazz Explorer: VIENNA IMPROVISERS ORCHESTRA - Unlimited 39, Alter Schlachthof, Wels, Austria, 2025-11-07. 26. November 2025, abgerufen am 23. Mai 2026.
  11. ↑ Screening 2006 – Page 2. Abgerufen am 17. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
  12. ↑ RADIO ZEITGLEICH - 107.7 FM (UKW). Abgerufen am 8. Mai 2026.
  13. ↑ Mnemonics. In: Internet Movie Database. 2006, abgerufen am 2. Mai 2026.
  14. ↑ InfoWar - Information. Macht. Krieg. Springer, Wien New York 1998, ISBN 3-211-83134-7.
  15. ↑ Bernhard Loibner/Tom Sherman aka Nerve Theory. In: TONSPUR für einen öffentlichen raum. Abgerufen am 8. Mai 2026 (deutsch).
  16. ↑ Ada Karlbauer: „Wir gehören zu keiner Szene. Wir sind eine ganz andere Baustelle.“- Bruckner im mica-Interview. In: mica - music austria. 24. November 2015, abgerufen am 14. Mai 2026.
  17. ↑ knuRRhahn | Blockflöten & Elektronik. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  18. ↑ ippenMusic: LOFI - Loibner Fischer @ !nterpenetration 2.5.4. 6. April 2025, abgerufen am 17. Mai 2026.
  19. ↑ VIO releases. In: viennaimprovisersorchestra.org. Abgerufen am 17. Mai 2026 (britisches Englisch).
  20. ↑ ID. Abgerufen am 17. Mai 2026.
  21. ↑ grants.at - Österreichs Datenbank für Stipendien. Abgerufen am 2. Mai 2026.
  22. ↑ Nerve Theory: Shades of Catatonia. In: Ars Electronica. 1998, abgerufen am 27. Mai 2026.
  23. ↑ ELEKTRA 2001. Abgerufen am 27. Mai 2026 (englisch).
  24. ↑ Bent Spoke 2 - steirischer herbst Archiv. Abgerufen am 8. Juni 2026.
  25. ↑ archiv - KV Waschaecht. Abgerufen am 27. Mai 2026.
  26. ↑ Moers Festival :: 2020 – 2023. Abgerufen am 27. Mai 2026.
  27. ↑ Kortfilmfestival Leuven - Mnemonics. Abgerufen am 27. Mai 2026 (flämisch).
  28. ↑ FILE | ELECTRONIC LANGUAGE INTERNATIONAL FESTIVAL. Archiviert vom Original am 17. Januar 2006; abgerufen am 27. Mai 2026.
Personendaten
NAME Loibner, Bernhard
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Komponist, Musiker elektronischer Musik und Medienkünstler
GEBURTSDATUM 22. Juni 1965
GEBURTSORT St. Veit an der Glan, Kärnten