Bilegger

Ein Bilegger rechts in der Ecke der Döns (beheizbarer Wohnraum)

Als Bilegger (Niederdeutsch: bileggen für dazulegen, nachheizen, Hochdeutsch: „Beilegerofen“) wurde ein Ofen in Bauernhäusern Norddeutschlands aus etwa dem 16. Jahrhundert bezeichnet.

Der Bilegger wurde üblicherweise an der Wand zwischen Döns oder Pesel („Gute Stube“) und der Küche aufgestellt und stellt praktisch die Rückseite eines normalen Zimmerofens dar, der von der Küche aus befeuert werden konnte. Der Rauch zog durch den Küchenschornstein ab und der Wohnraum blieb auf diese Art rauchfrei. Als Brennmaterial diente unter anderem Strandholz, Torf oder auch getrockneter Kuhdung. Die im Wohnraum sichtbare Ofenplatte war meist mit Reliefs von biblischen Szenen verziert. In Friedrich Ernst Peters’ Roman Der heilsame Umweg (1938) findet sich die Beschreibung eines solchen Reliefs:

"Der Guss des alten Beilegers zeigte an allen drei Seiten plastischen Schmuck. An der Stirnseite standen Adam und Eva rechts und links von einem Baum, um dessen Stamm sich eine unwahrscheinlich mächtige Schlange ringelte. Es war so, als wolle der Beileger von der nicht mehr gutzumachenden Tatsache des Sündenfalls ausgehend, mit seinen Seitenwänden in der strengeren Sprache früherer Zeiten den Menschen sagen, wohin der eine rechte und wohin alle anderen Wege führen. Denn rechts war die Auferstehung abgebildet und links die ewige Verdammnis. Die Bilderpredigt des Ofens gab Anlass zu mancherlei Gespräch, zu moralisierenden und leichtfertig-aufgeklärten Reden ..."

Eine weitere Besonderheit der Bilegger galten die abschraubbaren Messingknöpfe, die so genannten „Tubben“, welche als Handwärmer genutzt wurden. Des Weiteren diente ein „Stulp“ (Messingglocke) dazu, Essen auf dem Ofen warm zu halten.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden die Bilegger nicht mehr gemauert, sondern aus Gusseisen hergestellt und kamen auf geschmiedeten Ständern montiert zunächst entweder aus dem Harz oder dem Siegerland. Mit der Gründung der Carlshütte in Rendsburg 1827 wurden Bilegger auch innerhalb der Region hergestellt.

Gusseiserne Bilegger kann man in verschiedenen norddeutschen Museen und historischen Bauernhäusern besichtigen, z. B. im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Wilstermarscher Zimmer), im Museum Museumsberg Flensburg (Bauernstuben), im Freilichtmuseum Molfsee, im Königspesel auf Hallig Hooge und im Altfriesischen Haus in Keitum auf Sylt.

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilegger – Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Abgerufen am 2. Juni 2024.
  2. ↑ Volltext Der heilsame Umweg