Bindheimit

Bindheimit
Bindheimit-Kristalle, Größe ca. 1 bis 2 mm von der Schlackenhalde Letmathe
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2013 s.p.

IMA-Symbol

Bhe

Chemische Formel Pb2Sb2O6(O,OH)
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Dana

IV/C.08
44.01.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol kubisch-hexakisoktaedrisch 4/m 3 2/m
Raumgruppe Fd3m
Gitterparameter a = 10,40 Å
Formeleinheiten Z = 6
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5
Dichte (g/cm3) 4,6 bis 7,3
Spaltbarkeit fehlt
Bruch; Tenazität muschelig bis erdig
Farbe grauweiß, braun, grünlichgelb, gelb
Strichfarbe gelblichweiß
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Harzglanz, matt bis erdig
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,84 bis 1,87

Bindheimit (veraltet auch Antimonbleispath, Antimonsaures Bleioxyd oder Bleiniere) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Oxide und Hydroxide. Es kristallisiert im kubischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Pb2Sb2O6(O,OH) und entwickelt überwiegend traubige, knollige oder erdige Aggregate oder krustige Überzüge von grauweißer, brauner, grünlichgelber oder gelber Farbe.

Etymologie und Geschichte

Erstmals gefunden wurde Bindheimit im Jahre 1800 in der Blei-Silber-Zink-Lagerstätte bei Nertschinsk, Region Transbaikalien (Russland) und beschrieben von Dietrich Ludwig Gustav Karsten. Er benannte das Minerale zu Ehren von Johann Jacob Bindheim (1740–1825), einem deutschen Chemiker, der die erste chemische Analyse dieses Minerals erstellte.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bindheimit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „M2O3- und verwandte Verbindungen“, wo er gemeinsam mit Partzit, Roméit, Stetefeldtit und Stibiconit in der „Stibiconit-Reihe“ mit der Systemnummer IV/C.08 steht.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten „Lapis-Mineralienverzeichnis“ und in der seit 2001 gültigen und von der IMA bis 2009 aktualisierten 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik hat der Bindheimit jeweils keinen Eintrag.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Bindheimit die System- und Mineralnummer 44.01.01.02. Das entspricht der Klasse der „Antimonate, Antimonite und Arsenite“ und dort der Abteilung „Antimonate“. Hier findet er sich in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 44.01.01, in der auch Stibiconit, Roméit, Monimolit, Stetefeldtit, Bismutostibiconit und Partzit eingeordnet sind.

Bildung und Fundorte

Bindheimit ist ein typisches Sekundärmineral, dass sich in der Oxidationszone von Blei-Antimon-Lagerstätten bildet. Begleitminerale sind Boulangerit, Cerussit, Galenit, Pyrit, Quarz, Zinkenit und andere.

Neben seiner Typlokalität Nertschinsk (Ostsibirien) wurde Bindheimit in Russland noch im Ural gefunden. Weitere Fundorte sind unter anderem die Provinz Constantine in Algerien; New South Wales (Kingsgate, Talingaboolba, Broken Hill, Silverton), Tasmanien (Dundas) und Western Australia (Kununurra, Pilbara) in Australien; La Paz und Potosí in Bolivien; Minas Gerais in Brasilien; die Regionen Antofagasta und Atacama in Chile; Du’an in China; Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Fichtelgebirge), Hessen (Odenwald, Taunus), Niedersachsen (St Andreasberg), Nordrhein-Westfalen (Sauerland, Siegerland), Rheinland-Pfalz (Eifel), Sachsen-Anhalt (Wolfsberg), Sachsen (Callenberg) und Thüringen (Greiz) in Deutschland; Elsass, Auvergne-Rhône-Alpes, Okzitanien und Provence-Alpes-Côte d’Azur in Frankreich; Attika in Griechenland; England und Wales in Großbritannien; County Wicklow in Irland; Lombardei, Sardinien und Toskana in Italien; Honshū in Japan; Centre Hastings (Ontario) in Kanada; Baja California Sur und Durango in Mexiko; Erongo in Namibia; Kärnten (Friesach – Hüttenberg, Gurktaler Alpen, Hohe Tauern), Niederösterreich (Eichberg), Salzburg (Radstädter Tauern), Steiermark (Niedere Tauern) und Tirol (Obernberg am Brenner) in Österreich; Ancash in Peru; Aveiro und Beja in Portugal; Kreis Maramureș in Rumänien; Lappland und Värmland in Schweden; Graubünden und Tessin in der Schweiz; Banská Bystrica, Košice und Žilina in der Slowakei; Aragonien, Kastilien-La Mancha und Katalonien in Spanien; Mpumalanga in Südafrika; das Gissar-Tal in Tadschikistan; Böhmen in Tschechien; Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén, Komitat Fejér und Komitat Heves in Ungarn; sowie Alaska (Aniak), Arizona (Cochise, Pima, Santa Cruz), Arkansas (Gillham), Colorado (Leadville), Idaho, Kalifornien (Santa Cruz), Montana (Beaverhead, Granite), Nevada, New Mexico, North Carolina, South Dakota (Silver City), Utah, Virginia und Washington (Adams Mountain) in den USA.

Kristallstruktur

Bindheimit kristallisiert im kubischen Kristallsystem in der Raumgruppe mit dem Gitterparameter a = 10,40 Å sowie sechs Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Siehe auch

Literatur

Commons: Bindheimite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  3. 1 2 3 4 Webmineral – Bindheimite (engl.)
  4. 1 2 3 American Mineralogist Crystal Structure Database – Bindheimite (engl., 1955)
  5. 1 2 3 Bindheimit bei mindat.org (engl.)
  6. ↑ Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 5. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2008, ISBN 3-921656-17-6.
  7. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason und Abraham Rosenzweig: Danas New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, 1997, ISBN 0-471-19310-0 (englisch).
  8. ↑ MinDat – Localities for Bindheimite
  9. ↑ American Mineralogist Crystal Structure Database – Bindheimite (engl., 1955)