
Bindu Goswami (Hindi बिंदु गोस्वामी; geboren 19. September 1893 in Ayodhya, Britisch-Indien; gestorben 1. Dezember 1964 in Vrindavan, Indien) war ein indischer Sprachgelehrter, Schriftsteller, Dichter und Musiker, sowie ein spiritueller Redner der Bhakti-Tradition. Bekannt ist er unter dem Namen Bindu Ji, sein vollständiger Name ist Goswami Shri Bindu Ji Maharaj.



Bindu Goswami wurde (nach dem Hindukalender) am 19. September 1893 in Ayodhya, dem Geburtsort des Gottes Rama, geboren. Sein Geburtstag fiel auf den hinduistischen Feiertag Radhashtami. Bindu Ji wuchs als Einzelkind brahmanischer Eltern auf. Er verbrachte seine Kindheit in Ayodhya und wurde in den Schriften des Hinduismus unterwiesen. Er studierte besonders intensiv das Ramayana, das Bhagavatapurana, die Bhagavad Gita und die Puranas. Sein außergewöhnliches Gedächtnis ermöglichte ihm, viele der gelesenen Texte wörtlich zu zitieren. Er erwarb umfassende Sprachkenntnisse in Sanskrit, Hindi und Englisch. Auch die lokalen Sprachen und Dialekte beherrschte er, darunter Urdu, Braj-Bhakha, Awadhi und Bhojpuri.
Die spirituelle Linie Bindu Ji’s gründet sich letztendlich auf die Lehren von Tulsidas und auf Swami Shilamani Ji Maharaj, der den Gott Rama in Form eines Babys (Lal Saheb) verehrte und um 1750 aus einer einfachen Strohhütte den Tempel Darbar Shri Lal Sahab nahe dem Palasttempel Kanak Bhawan in Ayodhya gründete und aufbaute. Swami Sri Sita Sharanji, seinerzeit der Hauptguru dieses Tempels, pflegte persönlichen Kontakt mit Bindu Goswami, der sein Anhänger war. Während einer feierlichen Zeremonie ernannt er Bindu Goswami zu seinem Nachfolger (in der Tradition von Tulsidas). Dieser führte ab dem Zeitpunkt mehrere Ehrentitel (Goswami Shri Bindu Ji Maharaj). Seiner Abstammungslinie (Guru Parampara) folgten Balakram Goswami (Goswami Shri Balak Ram Sharan „Bindupad“) und später Yashendu Goswami (Goswami Shri Yashendu ji Maharaj).
Zunächst studierte Bindu Goswami an der University of Allahabad und anschließend an der Banaras Hindu University in Varanasi. Bindu Ji gründete 1919 den Prem Dham Ashram in Vrindavan und 1924 die Organisation Akhil Bharatiya Manas Sammelan in Varanasi. Jährlich fanden Zusammenkünfte und Lesungen statt, die sich dem Studium und der Verbreitung der Ramcharitmanas von Tulsidas widmeten.
Bindu Ji steht in der Tradition der Dichter und Sänger Tulsidas, Surdas, Kabir und Raidas. Er machte sich einen Namen als Geschichtenerzähler und Autor. Er veröffentlichte mehr als 10 Bücher. Als Redner sprach er bevorzugt über die Ramcharitmanas, ein episches Gedicht von Tulsidas, geschrieben in Awadhi. Bindu Ji hielt nicht nur Reden, sondern fügte auch gesungene Verse von Tulsidas, sowie gesungene eigenen Verse ein. Diese melodische Verbindung aus theologischer Rede und hingebungsvollem Gesang (Bhakti) war zu Bindu Ji’s Zeit ein völlig neuartiger Ansatz in der Sprechkunst und erfreute sich aufgrund seiner Musikalität einer großen Beliebtheit. Er verehrte Rama und Krishna gleichermaßen, besonders auch Shri Bihari Ji (Radha-Krishna).
Eines seiner wichtigsten Werke ist Mohan Mohini, eine Sammlung von Texten und Liedern, die in den 1960ern veröffentlicht und weithin bekannt wurde. Diese Verse werden bis heute in Tempeln, bei Kirtans und in privaten Haushalten bei Pujas gesungen oder rezitiert. Ghasel (Zweizeiler) verfasste Bindu Ji sowohl in Hindi als auch in Urdu und brachte so klassische Tiefe in die Volkssprache. Die von ihm veröffentlichten Urdu-Ghasel beinhalten immer eine religiöse Komponente. Inhaltlich stehen Gottesliebe, Hingabe und Schlichtheit im Vordergrund; die Sprache ist klar und eindringlich. Bindu Jis Lieder vermitteln Botschaften, die zutiefst von Menschlichkeit geprägt sind. Sie zeugen von einem ausgeprägten sozialen und moralischen Bewusstsein. Der indische Dichter Harivansh Rai Bachchan und viele andere beziehen sich in ihrer Arbeit auf die Poesie von Bindu Ji. Namhafte Bhajan-Sänger im ganzen Land (z. B. Anup Jalota) nahmen seine Verse in ihr Repertoire auf.
Bindu Ji Maharaj war in der Unabhängigkeitsbewegung aktiv. Durch patriotische Theaterstücke, Gedichte und Artikel kritisierte er die britische Herrschaft. In einem seiner Bücher bezeichnete er die britische Regierung als Regierung von Ravana, wofür er von den britischen Kolonialherren kurzzeitig inhaftiert wurde. Schließlich wurde er selbst freigelassen und das Buch verboten. Mahatma Gandhi schätzte Bindu Ji sehr und lud ihn zweimal zu Vorträgen ein. Auf Gandhis Wunsch hin verfasste er die Schriften Rashtriya Ramayana und Ram Rajya, die seine Vision von Gerechtigkeit, Religion und Gemeinwohl für Indien darlegen. Erzählt wird, aufgrund seiner Popularität hätte Nehru ihm nach der Unabhängigkeit Indiens angeboten, in die Politik zu gehen. Mit den Worten „Ich bin keine politische Person; ich bin spirituell und möchte spirituell bleiben“, lehnte Bindu Ji ab.
Bindu Ji wurde krank. Als sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechterte, bat er seinen Sohn Balakram, ihn vom Krankenhaus in Delhi zu seinem Ashram in Vrindavan zu bringen. Dort verlebte er seine letzten Stunden, bis er am 1. Dezember 1964 verstarb.





Seit 1965 findet eine jährliche Gedenkveranstaltung zum Geburtstag von Bindu Ji statt. Dabei handelt es sich um eine Ram Katha, bei der Geschichten über das Leben, die Tugenden und die göttlichen Spiele des Gottes Rama (Lila) erzählt werden; verbunden mit Musik und melodischen Bhajans. Im Jahr 2026 wurde die fünftägige Veranstaltung von Purnendu Goswami geplant und realisiert.
Zu jedem wichtigen Jahrestag sprechen traditionell mehrere prominente Redner und ein Hauptredner:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goswami, Bindu |
| ALTERNATIVNAMEN | Bindu Ji; Goswami Shri Bindu Ji Maharaj |
| KURZBESCHREIBUNG | indischer Sprachgelehrter, Schriftsteller, Dichter und Musiker sowie spiritueller Redner der Bhakti-Tradition |
| GEBURTSDATUM | 19. September 1893 |
| GEBURTSORT | Ayodhya, Uttar Pradesh |
| STERBEDATUM | 1. Dezember 1964 |
| STERBEORT | Vrindavan, Mathura (Distrikt) |