American Mutoscope and Biograph Company

Die American Mutoscope and Biograph Company, ab 1909 Biograph Company, war ein US-amerikanisches Unternehmen der frühen Filmindustrie. Sie ging aus der im Dezember 1895 von William K. L. Dickson, Herman Casler, Henry Norton Marvin und Elias Bernard Koopman gegründeten American Mutoscope Company hervor. Das Unternehmen stellte das von Casler entwickelte Mutoskop her und produzierte die dafür bestimmten Aufnahmen. Daneben entwickelte es ein eigenes System zur Aufnahme und Projektion bewegter Bilder.

Geschichte

William Kennedy Laurie Dickson hatte seit dem Ende der 1880er Jahre in den Laboratorien von Thomas Edison maßgeblich an der Entwicklung des Kinetographen zur Aufnahme und des Kinetoskops zur Betrachtung bewegter Bilder gearbeitet. Am 2. April 1895 schied er aus Edisons Unternehmen aus.

Im Dezember 1895 gründete Dickson gemeinsam mit Herman Casler, Henry Norton Marvin und Elias Bernard Koopman die American Mutoscope Company. Zweck des Unternehmens war zunächst die Herstellung und Vermarktung des von Casler entwickelten Mutoskops sowie die Produktion der dafür benötigten Aufnahmen. Beim Mutoskop betrachtete jeweils eine Person eine Folge fotografischer Einzelbilder, die auf Karten befestigt waren und beim Drehen einer Kurbel rasch nacheinander sichtbar wurden. Casler und Dickson arbeiteten gemeinsam an der Weiterentwicklung des Geräts. Die Gesellschaft beschränkte sich nicht auf das Mutoskop. Sie produzierte eigene kurze Filme und richtete in New York ein Dachstudio ein, dessen Konstruktion eine Ausrichtung nach dem für die Aufnahmen benötigten Tageslicht erlaubte. Daneben entwickelte das Unternehmen mit dem Biograph ein System zur Projektion bewegter Bilder vor einem Publikum. 1899 wurde der Firmenname entsprechend in American Mutoscope and Biograph Company geändert. 1909 wurde er zu Biograph Company verkürzt.

Zu diesem Zeitpunkt gehörte die Herstellung von Filmen bereits seit mehr als einem Jahrzehnt zur Geschäftstätigkeit des Unternehmens. 1908 begann D. W. Griffith für Biograph zu arbeiten, zunächst als Schauspieler und anschließend als Regisseur. Bis zu seinem Ausscheiden 1913 entstand dort ein großer Teil seiner frühen Regiearbeiten; zu den wichtigen Mitarbeitern der Filmproduktion gehörte auch der Kameramann Billy Bitzer.

Zum Ensemble der Biograph gehörten zeitweise zahlreiche später bekannte Filmschaffende, darunter Mary Pickford, Lionel Barrymore, Mack Sennett, Lillian Gish und Mabel Normand. Lillian Gish begann 1912 bei Biograph ihre Filmkarriere; Mabel Normand wechselte 1911 nach ersten Filmauftritten bei Vitagraph zum Unternehmen.

Nach der Einstellung der regulären Filmproduktion in den 1910er Jahren bestand die Biograph Company als Unternehmen weiter. Als Unternehmen bestand die Biograph Company jedoch noch bis 1928 fort.

Firmenzeichen

Anfang 1908 führte die American Mutoscope and Biograph Company als Warenzeichen die von einem Kreis umschlossenen Buchstaben „AB“ ein. Das Zeichen wurde zunächst unter anderem in Anzeigen, auf Plakaten und auf den Titelkarten der Filme verwendet. Wie andere US-amerikanische Filmgesellschaften integrierte Biograph das Firmenzeichen zudem sichtbar in die aufgenommenen Szenen, etwa als Schild oder Wandzeichen innerhalb der Kulissen. Diese Praxis diente dazu, die Herkunft eines Films auch dann kenntlich zu machen, wenn bei unerlaubt hergestellten Kopien die ursprüngliche Titelkarte entfernt worden war. Seit 1909 verlangten außerdem die Lizenzvereinbarungen der Motion Picture Patents Company, dass das Warenzeichen des jeweiligen Lizenznehmers in mindestens einer Szene eines Films sichtbar abgebildet wurde.

Szene aus Old Isaacs, the Pawnbroker (1908), Logo der American Mutoscope & Biograph Company rechts vom Türpfosten
Commons: American Mutoscope and Biograph Company – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Shift to Projectors and the Vitoscope. In: Inventing Entertainment: The Early Motion Pictures and Sound Recordings of the Edison Companies. Library of Congress, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 Photographic History Collection: Early Cinema: Mutoscopes. In: National Museum of American History. Smithsonian Institution, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ American Mutoscope and Biograph Company. In: Science Museum Group Collection. Abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  4. ↑ Today in History – April 28 - Billy Bitzer and the Biograph. Library of Congress, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Lillian Gish Papers. Library of Congress, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Brent E. Walker: Mabel’s Blunder. (PDF) National Film Preservation Board, Library of Congress, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  7. ↑ Richard Abel: The Red Rooster Scare. Making Cinema American, 1900–1910. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1999, ISBN 978-0-520-21478-1, S. 93.
  8. ↑ Eileen Bowser: The Transformation of Cinema, 1907–1915. University of California Press, Berkeley/Los Angeles/London 1994, ISBN 978-0-520-08534-3, Kapitel 9: „Trademarks, Titles, Introductions“. (englisch) S. 137