Ektoplasma (von altgriechisch ἐκτός ektos „außen“ und πλάσμα plásma „Gebildetes“) bezeichnet eine hypothetische Substanz, die bei Medien aus dem Körper austreten und sich zu sichtbaren Formen verdichten soll.
Der Begriff wurde vom französischen Physiologen und Nobelpreisträger Charles Richet eingeführt und später von Forschern wie Gustave Geley, Albert von Schrenck-Notzing, William J. Crawford und Harry Price übernommen. Der Ausdruck ist von dem bereits früher in der Biologie verwendeten Begriff Ektoplasma abgeleitet, wurde jedoch in der Parapsychologie in einem anderen Sinn verwendet.
Richet definierte Ektoplasma als eine vom Organismus abgesonderte, formbare Substanz, die sich in abgedunkelten Räumen zu Gesichtern, Händen oder Körperteilen verdichten könne. Beschrieben wurden grauweiße, rosafarbene, schaumige oder fadenförmige Gebilde, die als lichtempfindlich gelten und sich bei normaler Beleuchtung zurückziehen oder auflösen.
Die Bezeichnung ist eine Fehltrennung des biologischen Begriffs „Ektoplasma“ (äußere Schicht des Cytoplasmas), wurde in der parapsychologischen Literatur jedoch unabhängig davon verwendet.
Zu den im historischen Kontext beschriebenen Erscheinungen zählen neben Materialisationen auch sogenannte Apporte sowie spontane Objektbewegungen.
In der historischen Forschung wurden Ektoplasma und die damit in Verbindung gebrachten Phänomene oft als zusammengehöriger Komplex untersucht. Forscher wie Richet, Geley, Schrenck-Notzing und Crawford betrachteten die vermeintliche Substanz als Grundlage für Telekinese, Apporte sowie akustische Effekte (Klopfgeräusche, Schritte).
In der späteren parapsychologischen Forschung führte der amerikanische Parapsychologe William G. Roll den neutralen Begriff RSPK (Recurrent Spontaneous Psychokinesis) ein, um solche gemeinsam auftretenden spontanen Ereignisse wertfrei zu beschreiben. Während Roll vor allem eine Häufung von RSPK-Phänomenen bei Jugendlichen beschrieb, berichtete der deutsche Arzt Friedrich Schwab bereits in den 1920er-Jahren über ähnliche Erscheinungen in hormonellen Umbruchphasen wie den Wechseljahren.
In späteren Untersuchungen, insbesondere in Brasilien durch Autoren wie den Psychiater Luciano Munari und den Ingenieur Matthieu Tubino, wurde das Augenmerk auf körperliche und psychische Belastungszustände gerichtet. Diese wurden als Ausdruck eines „ektoplasmatischen Potentials“ gedeutet.
Berichtete Symptome im Zusammenhang mit ektoplasmatischen Prozessen umfassen nach diesen Autoren:
Diese Zuschreibungen gelten heute als Teil historischer oder grenzwissenschaftlicher Deutungsmuster und werden wissenschaftsgeschichtlich eingeordnet.
Richet führte den Begriff Ende des 19. Jahrhunderts ein. Zwischen 1910 und 1930 führten Forscher wie Geley in Paris, Schrenck-Notzing in München und Schwab in Berlin umfangreiche Sitzungsreihen mit physikalischen Medien durch. William J. Crawford und Harry Price untersuchten vergleichbare Phänomene in England.
Kritiker wiesen früh auf methodische Schwächen und Täuschungen hin. Die Society for Psychical Research (SPR) deckte zahlreiche Fälschungen auf, bei denen Medien Materialien wie Mull, Gaze, Papier oder Tierorgane verwendeten, um ektoplasmatische Strukturen vorzutäuschen. Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor das Thema in der westlichen Wissenschaft weitgehend an Bedeutung.
In Brasilien wurde die Thematik weiterverfolgt. Autoren wie Munari und Tubino entwickelten Modelle, nach denen Ektoplasma ein Ausdruck eines erweiterten physiologischen Prozesses sei, der mit Stressphysiologie und psychosomatischen Mustern in Verbindung stehe.
In Berichten von Richet, Schrenck-Notzing und Geley wurden schaumartige, fadenförmige oder gallertartige Gebilde beschrieben. Auf historischen Fotografien sind häufig schleier- oder membranartige Formen zu sehen, die von Körperöffnungen ausgehen. Schrenck-Notzing und Geley setzten zur Dokumentation aufwendige Verfahren mit bis zu sieben gleichzeitig betriebenen Kameras ein.
In religionsgeschichtlicher Hinsicht werden gelegentlich Parallelen zu antiken Konzepten wie Äther, Pneuma oder vitalistischen Lebenskräften gezogen.
Einige Autoren diskutieren biblische Berichte als mögliche frühe Beschreibungen ähnlicher Manifestationen, darunter die „schreibende Hand“ (Dan 5,5 EU), die Heilung der blutflüssigen Frau (Mk 5,25–34 EU) oder Berichte über Materialvermehrungen. Diese Vergleiche dienen der kulturgeschichtlichen Einordnung und werden nicht als empirische Belege gewertet.
In der modernen Popkultur hat der Begriff meist keinen Bezug mehr zu den historischen Forschungsberichten. Bekannte Beispiele sind:
Historische Forschung
Moderne Interpretationen und RSPK-Forschung