Birgit Dieker studierte Germanistik an der Technischen Universität Berlin und Kunsterziehung an der Hochschule der Künste Berlin. Ihr Studium der Bildhauerei schloss sie als Meisterschülerin bei Michael Schoenholtz ab. Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien. Ihre Kunstwerke wurden in nationalen und internationalen Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Dieker lebt und arbeitet in Berlin, sie ist Mutter einer Tochter.
Werk
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„Technische Perfektion, sinnliche Materialität und kompositorische Ausgewogenheit“ zeichnen das überwiegend skulpturale Werk von Birgit Dieker aus, so Ellen Heider in ihrem Aufsatz „Die Autopsie des Schönen“. Diekers Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf den menschlichen Körper. Für ihre Arbeit verwendet die Bildhauerin zum einen dem menschlichen Körper nahe Materialien, wie Textilien, Leder, Haare oder Zähne und zum anderen Materialien wie Wachs, Acrystal, Bitumen oder Gegenstände des Alltags wie Klempnerrohre, Geweihe, Motorradanzüge, Bojen, Rettungsringe, Taue oder Schaufensterpuppen. Damit deckt Dieker ein breites Spektrum an künstlerischen Techniken und Materialien ab. Bei ihrer Arbeit setzt sie entweder ganze Körper oder einzelne Gliedmaßen und Organe davon in ein Spannungsfeld zwischen biologischer Bestimmung und gesellschaftlicher Prägung. Sie bezieht dabei medizinische, psychologische, anthropologische und kulturwissenschaftliche Aspekte ein.
„Ihre Skulpturen zeugen von einer schonungslosen Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, den sie in seine Einzelteile zerlegt, verfremdet oder metamorphisiert.“ Für ihre „fragmentierten Figuren oder Organe“ greift sie seit 2006 auch auf gebrauchte Kleidungsstücke und Stoffe zurück. Diese verarbeitet sie zu Köpfen, Büsten und überlebensgroßen Figuren. Durch die selbstverständliche, alltägliche Körperbezogenheit dieses Materials mit seinen Gebrauchsspuren, durch seine charakteristische Stofflichkeit, seine Muster und seine Qualitäten hat es schon von sich aus ein stark assoziatives Potential.
Bei Dieker wird Kleidung als „zweite Haut“ zu einer „Grenzmetapher“ zwischen Innen und Außen, menschlicher Individualität und Welt, äußerer Form und innerem Zustand. In vielen dieser Werke bricht Dieker die Körper geradezu auf. Sie verfolgt damit das Ziel, deren „Identität“ auf den Grund zu gehen. Arbeiten wie diese baut sie in aufwendiger Feinarbeit aus unzähligen dünnen Stofflagen auf, die sie sorgfältig miteinander vernäht, bis das gewünschte Volumen erreicht ist. Im Anschluss daran legt sie mit Messer und Schere das Innere der Figur frei. Sorgfältig gesetzte, tiefe Einschnitte, Löcher und Abschälungen zeigen die gewachsene Struktur. Auf diese Weise macht sie psychische Abgründe sichtbar. Sie sieht darin „die Suche nach einem Selbst, das unter den vielen Schichten von Erfahrungen und Geschichten verhüllt ist, eine Art ‚Herausschälung‘“. In ihrer Arbeit bezieht Dieker sich unter anderem auf Sylvia Plath.
2009–2012: Niet Normaal – Difference on Display, Diversity in Art, Science & Society, Beurs van Berlage, Amsterdam, Kleisthaus, Berlin, The Bluecoat, Liverpool
In aller Munde – Das Orale in Kunst und Kultur. Ausstellungskatalog. Hrsg.: Uta Ruhkamp, Kunstmuseum Wolfsburg, Hatje Cantz Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-7757-4799-8.
Empowerment. Kunst und Feminismen. Ausstellungskatalog. Hrsg.: Andreas Beitin, Katharina Koch, Uta Ruhkamp, Kunstmuseum Wolfsburg, Verlag_ Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2022, ISBN 978-3-8389-7233-6.