Birgit Jensen

Birgit Jensen (* 1957 in Würzburg) ist eine zeitgenössische deutsche Künstlerin. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf. Für ihre Malerei verwendet sie vor allem das Siebdruck-Verfahren. Ihre Bildsprache bewegt sich zwischen Abbild und Abstraktion.

Ausbildung und Werdegang

Birgit Jensen studierte an der Hochschule der Künste Berlin von 1976 bis 1982 bei Wolfgang Petrick. Nach ihrer Ernennung zur Meisterschülerin 1982 erhielt sie ein Stipendium des DAAD für einen einjährigen Aufenthalt in Italien. Die Mailänder Galerie Bruna Soletti zeigte zwischen 1982 und 1985 ihre in dieser Zeit entstandenen Arbeiten. Seit 1985 lebt und arbeitet Jensen in Düsseldorf, unterbrochen von einem anderthalbjährigen Aufenthalt in London, wo sie in einem Space Studio in Deborah House arbeitete (1989–1990). 1992 wurde Birgit Jensen mit dem Förderpreis für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf ausgezeichnet. Im Jahr 2000 erhielt sie ein Arbeitsstipendium vom Kunstfonds e.V., Bonn. Außer ihrer Tätigkeit im Bereich Malerei realisiert sie mehrere Kunst-am-Bau-Projekte, wie zum Beispiel 2014 Synästhetischer Raumkörper im Innenhof des Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie, Darmstadt, in dem die beiden künstlerischen Medien Bildende Kunst und Musik (Komposition: Wilhelm Geveler) miteinander kombiniert sind. Eine weitere Arbeit befindet sich im Plenarsaal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt in Berlin (seit 2002). Neben ihrer bildnerischen Arbeit ist Birgit Jensen als Initiatorin von Künstlerprojekten kuratorisch tätig. Von 2003 bis 2012 organisierte sie zusammen mit Markus Ambach die monatliche Veranstaltungsreihe WG/3ZI/K/BAR im Jacobihaus des Künstlervereins Malkasten in Düsseldorf. Ihre verschiedenen Arbeitsbereiche flossen 2017 in ihr Projekt FLUGBLÄTTER / FLYING LETTERS. Hierzu befragte Jensen mehr als 130 weltweit agierende Bildende Künstler, „wie sie sich in einer Welt mit ihren aktuellen rasanten Veränderungen in den globalen gesellschaftlichen Abläufen, mit ihren Spannungen und Konflikten als Künstler verorten.“ Die Antworten von rund 150 Kollegen und Kolleginnen wurden seitdem in verschiedenen Ländern präsentiert und 2019 in einem Buch dokumentiert.

Seit 2018 wird Birgit Jensen vertreten durch die Hosfelt Gallery in San Francisco, USA. Jensen arbeitete u. a. mit den Galerien Bruna Soletti Arte Contemporanea in Mailand, Italien, Studio Cavalieri in Bologna, Italien, Sfeir-Semler in Kiel, Michael Cosar in Düsseldorf, Lehr Zeitgenössische Kunst in Köln und Berlin. Birgit Jensen ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund (von 2008 bis 2012 auch Vorstandsmitglied). Birgit Jensen ist verheiratet mit dem Künstler und Mitbegründer der Shigeko Kubota Video Art Foundation (NYC) Jochen Saueracker.

2025 erhielt Birgit Jensen den Kunstpreis der Künstler der Großen Kunstausstellung NRW in Düsseldorf.

Werk

Birgit Jensens Malerei basiert auf der bildnerischen Analyse der heutigen digital geprägten Rezeptionsgewohnheiten. Diesen begegnet sie mit den formalen Mitteln der traditionellen künstlerischen Drucktechniken. In ihren Bildern fungiert der stufenlose Übergang zwischen Abbildhaftigkeit und Abstraktion sowohl als malerisches Abstraktionselement als auch als „Link“ in die Welt der massenhaft reproduzierten Bilder. Durch das Überlagern verschiedener Druckrasterformen, -winkelungen und -frequenzen werden gewollte Muster erzeugt und in monochrome oder vielfarbig schimmernde Kompositionen übertragen (Moiré-Bilder, 1996–1999). Die Auseinandersetzung mit architektonischen Strukturen führt ab 1998 zur Beschäftigung mit Stadtansichten (1998–2009). Als Ausgangsmaterial dienen die Lichter nächtlicher Megastädte wie zum Beispiel Los Angeles. Die Reduktion der Lichtpunkte auf geometrische Formkonstellationen, die an Pixel erinnern, greift die vertikalen und horizontalen Konstruktionslinien der Architektur auf. Gleichzeitig verweist die formale Abstraktion des städtischen Clusters auf die Wahrnehmbarkeit des Urbanen, in der weniger das einzelne Gebäude oder die Stadt selbst Gegenstand ist, sondern vielmehr Fragen der Wahrnehmung, der Betrachtersituierung, der Kongruenz oder Divergenz von Strukturen oder Texturen. Allgemein bekannte Ansichten von touristischen Orten werden ab 2009 in eigens entwickelte Texturen und Raster überführt und reflektieren unser durch die Medien geprägtes Realitätsbewusstsein (2009–2012). Ausgangsmaterial der Serie der Sternenbilder (2013–2015) sind Weltraum-Fotografien. Virtuelle Sternkonstellationen und Störfelder werden durch analoge Aktionen erzeugt. Die Bildmotive oszillieren zwischen wissenschaftlichem Erkenntnismodell und informeller Geste. In ihren Landschaftsbildern seit 2015 untersucht Birgit Jensen die Bedeutung von Ideal und Transzendenz. In Anlehnung an den Japanischen Holzschnitt des 19. Jahrhunderts entstehen abstrakte Farbräume. In der Kombination mit zum Teil gerasterten und mit Siebdruck auf die Leinwand übertragenen Landschaftselementen thematisieren sie die Verschiebung weg vom Natürlichen und Physischen hin zum Gemachten und Virtuellen. Birgit Jensen hinterfragt die einer kontinuierlichen Veränderung unterliegenden Paradigmen der Wahrnehmung. Zur aktuellen Serie MONDE: Der Mond – als oft große, einfarbige, runde Scheibe – und seine Reflexion ist ein sich wiederholender Bezugspunkt. Was auf den ersten Blick aussieht wie eine idyllische Naturansicht, ist gleichzeitig das Resultat konstruierter Bildräume und malerischer Manipulation. Diese spiegelt das menschliche Eingreifen in die Natur ebenso wider wie die Inszenierung des Erhabenen. Die deutliche Sichtbarkeit der Rasterungen, die allein der Bildlogik gehorchenden Farbigkeiten und die Montage von – vereinfachten, abstrahierten – Elementen unterschiedlicher Herkunft erzeugen zusammen suggestive, aber künstliche Atmosphären. Sie wecken in den Betrachtenden Erinnerungen – an äußere oder innere, an natürliche oder digitale Welten.

Lehrtätigkeit

Von 1994 bis 1996 lehrte Birgit Jensen an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse für die Integration von Bildender Kunst und Architektur von Christian Megert. 2004 bis 2005 betreute sie im Rahmen einer Vertretungsprofessur die Klasse für Malerei an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Ab 2007 folgte ein Forschungsprojekt zum Thema „Digitale Medien in Verbindung mit klassischen Drucktechniken“ an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 2006 hat sie einen Lehrauftrag an der Hochschule Düsseldorf im Fachbereich Kommunikationsdesign inne. 2015 betreute sie zusammen mit Silke Leverkühne ein Projekt namens Painted Dreams and Abstract Greens an der Universität zu Köln.

Einzelausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Kuratorische Projekte

FLUGBLÄTTER / FLYING LETTERS – ein Projekt von Birgit Jensen, seit 2017.

WG/3ZI/K/BAR – Ein Haus für Künstler, Gäste, Freunde, 2003–2012.
Organisatorin und Kuratorin (mit Markus Ambach) der monatlichen Veranstaltungsreihe WG/3ZI/K/BAR im Jacobihaus des Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf.

LADEN-GEDAN, 2007–2010.
Organisatorin und Kuratorin des Ausstellungsprojekts LADEN-GEDAN im Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf (mit Joung-en Huh)

Werke in öffentlichen Sammlungen

Kunst am Bau

Bibliographie (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Birgit Jensen – Video-Portrait auf PPPortrait, 2013
  2. ↑ Christian Krausch: Der aufwändige Prozess des Rituals. Bemerkungen zu den Arbeiten von Birgit Jensen, Kunstforum International, Das Magische II, Band 164, 2003
  3. ↑ Space Studio, Deborah House, London
  4. ↑ Förderpreise für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf
  5. ↑ Kunstfonds e.V., Bonn, Arbeitsstipendien (Memento des Originals vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Veranstaltungsreihe WG/3ZI/K/BAR im Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf
  7. ↑ Projekt FLUGBLÄTTER/FLYING LETTERS
  8. ↑ Birgit Jensen bei der Hosfelt Gallery, San Francisco
  9. ↑ Galerie Sfeir-Semler, Kiel
  10. ↑ Galerie Michael Cosar, Düsseldorf
  11. ↑ Galerie Lehr, Köln
  12. ↑ Birgit Jensen, Biografie
  13. ↑ Birgit Jensen beim Deutschen Künstlerbund
  14. ↑ Website von Jochen Saueracker
  15. ↑ DIE GROSSE Kunstausstellung NRW 2025 - Preisträgerinnen
  16. ↑ Text von Jens Peter Koerver zu den Moiré-Bilder von Birgit Jensen in: Katalog Birgit Jensen, Kunstverein Region Heinsberg, Kunst & Co, Flensburg 2001.
  17. ↑ Text von Thomas W. Rieger zu den Städte-Bilder von Birgit Jensen in: Katalog „Heimspiel“ (Hrsg.): Museum im Kulturspeicher Würzburg, 2005, ISBN 3-928155-50-4.
  18. ↑ Text von Dirk Steimann zu den Bildern von 2009–2013 von Birgit Jensen
  19. ↑ Die Sternen-Bilder von Birgit Jensen sind auf ihrer Webseiten an mehreren Stellen zu sehen
  20. ↑ Marlene Lauter: Labyrinth Konkret … mit Nebenwegen und Claudia Lichte: Gedanken zur Bedeutung des Labyrinths in der Abendländischen Kunst. In: Labyrinth Konkret … mit Nebenwegen. Katalog, Museum im Kulturspeicher Würzburg, 2018, ISBN 978-3-928155-65-6.
  21. ↑ Alexandra König: Ausstrahlung - Stichprobe Steinzeit, Bild und Ton. In: Ausstrahlung - Stichprobe Steinzeit, Bild und Ton. Birgit Jensen, Jörg Steinmann. Katalog Museum Ratingen, 2015, ISBN 978-3-926538-34-5.
  22. ↑ Siehe Text von Susanne Wedewer-Pampus im Katalog Birgit Jensen – MONDE, erschienen zur gleichnamigen Ausstellung im Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich, 2020, ISBN 978-3-00-064997-4
  23. ↑ Birgit Jensen an der Hochschule Düsseldorf
  24. ↑ Projekt 'Painted Dreams and Abstract Greens', Universität zu Köln
  25. ↑ Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich e.V.
  26. ↑ Leverkusen.com, Presse: Birgit Jensen, MONDE, 20. Juni - 19. Juli 2020
  27. ↑ 'having been cheated out of some marvellous experience', Atelier Schloss Jägerhof, Düsseldorf, 2019
  28. ↑ Pictura, Dordrecht, NL
  29. ↑ 'Ausstrahlung - Stichprobe Steinzeit, Bild und Ton. Birgit Jensen und Jörg Steinmann', Museum Ratingen, 2015
  30. ↑ Birgit Jensen im Maxhaus, Düsseldorf, 2015 (Programmheft des Maxhauses, 3 2015, PDF)
  31. ↑ Kunstverein Villa Wessel, Iserlohn, Ausstellungsrückblick
  32. ↑ 2012 (Memento des Originals vom 23. Juni 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  33. ↑ Kunstverein Duisburg
  34. ↑ Youtube-Video: Birgit Jensen zu ihrer Ausstellung im Kunstverein Duisburg, 2011
  35. ↑ St. Petri Lübeck
  36. ↑ Scenic, St. Petri, Lübeck, 2011
  37. ↑ Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, Ausstellungsrückblick
  38. ↑ Kunstverein Arnsberg, Ausstellungsarchiv
  39. ↑ Mischpoke e.V.
  40. ↑ 'di-lago': Mostra internazionale d'arte contemporanea a Villa Nigra, Miasino, 2019
  41. ↑ Kunstmuseum Solingen, Ausstellungsrückblick (Memento des Originals vom 16. April 2021 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  42. ↑ Juli 2018.html Labyrinth Konkret … mit Nebenwegen, Museum im Kulturspeicher, Würzburg, 2018
  43. ↑ Kunstverein Duisburg, Ausstellungsarchiv, Programm im Jubiläumsjahr 2017 (Memento des Originals vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  44. ↑ Haus der Kunst #1, Cantieri Culturali alla Zisa, Palermo
  45. ↑ Video auf Youtube: Birgit Jensen über ihre Arbeiten in der Ausstellung 'One Million Traces' im Kunstverein Duisburg, 2014
  46. ↑ Landschafts-Paraphrase, Galerie Münsterland, Emsdetten, 2005
  47. ↑ Birgit Jensen beim ZKM Karlsruhe
  48. ↑ Galerie Gladbeck
  49. ↑ Matthew Marks Gallery, New York City
  50. ↑ Kunstmuseum Heidenheim
  51. ↑ Karin Wendt: Gelöscht. Ein Kapitel deutscher Ausstellungsgeschichte. Artikel zu den beiden Ostsee-Biennalen in der Kunsthalle Rostock nach der Wende. Darin der Satz: „Birgit Jensen ermöglichte einen neuen Blick auf die Kunststeinplatten der Fassade der Kunsthalle.“
  52. ↑ Fotos der Ostsee-Biennale 1996, unten mit Birgit Jensen.
  53. ↑ landkunstleben - Kunstverein im östlichen Brandenburg
  54. ↑ Clay Street Press Gallery, Cincinnati
  55. ↑ Drifting and Digging: Birgit Jensen’s Flugblätter at Clay Street Press Gallery, AEQAI, November 24, 2019
  56. ↑ Flugblätter, Künstlerhaus Schloss Plüschow, 2019
  57. ↑ Flying Letters, Cross Lane Projects, Kendal, UK, 2019
  58. ↑ Flugblätter at Cross Lane Projects, Kendal, review by Sara Jaspan, the Fourdrinier, 2019
  59. ↑ Künstler Gut Loitz
  60. ↑ 9 Jahre WG/3ZI/K/BAR im Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf (Memento des Originals vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  61. ↑ Joung-en Huh
  62. ↑ Compilation Laden-Gedan 2007–2008, Ausstellung in der Rotunde im Hentrichhaus des Künstlerverein Malkasten, 3. Dez. 2008 bis 8. Jan. 2009 (Memento des Originals vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  63. ↑ Lichtinstallation von Birgit Jensen, Fraunhofer-Institut SIT, Darmstadt, seit 2014
  64. ↑ Peter O. Mahler Store, Berlin
  65. ↑ Glasmosaik von Birgit Jensen im Foyer des Arbeitsamt Meschede
  66. ↑ Lichtinstallation von Birgit Jensen an der Fridtjof-Nansen-Schule, Flensburg
  67. ↑ Aquarius Wassermuseum, Mülheim an der Ruhr
  68. ↑ WG/3ZI/K/BAR, Bookrelease im Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf, 23. Sep. 2014 (Memento des Originals vom 21. Februar 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
Personendaten
NAME Jensen, Birgit
KURZBESCHREIBUNG deutsche bildende Künstlerin
GEBURTSDATUM 1957
GEBURTSORT Würzburg