
Das Landesgymnasium Birkenruh war im 19. Jahrhundert eine berühmte Schule in der Nähe von Wenden im Gouvernement Livland des Russischen Kaiserreiches.
Der Pädagoge Albert Hollander erwarb 1826 das „Höfchen“ Birkenruh (lett. Bērzaine) am Stadtrand von Wenden und verlegte seine im Vorjahr gegründete Lehr- und Erziehungsanstalt dorthin. Hollander, der in Deutschland studiert und das Institut von Johann Heinrich Pestalozzi in Yverdon-les-Bains kennengelernt hatte, organisierte die Schule nach dessen Prinzipien. 1837 wurde sie zu einem Gymnasium erweitert. Hollander selbst leitete das Gymnasium bis 1861 und übergab es seinem Schwiegersohn Martin Löffler, der schon von 1839 bis 1846 Lehrer in Birkenruh gewesen war. Dessen Sohn Albert Löffler war von 1869 bis 1882 Direktor der Schule. Bis 1882 gab es insgesamt 212 Lehrer und 1166 Schüler.
Die Livländische Ritterschaft übernahm 1882 die Schule als Livländisches Landesgymnasium Kaiser Alexander II und errichtete das heutige Schulgebäude. Das Gymnasium hatte einen sehr guten Ruf und wurde von vielen später berühmten Deutsch-Balten besucht. Als ab 1892 in den Ostseegouvernements Deutsch als Unterrichtssprache verboten war, wurde das Gymnasium geschlossen. 363 Schüler hatten es besucht. Erst im Jahr nach der Russischen Revolution 1905 wieder eröffnet, bestand es bis 1915, als es im Ersten Weltkrieg endgültig geschlossen wurde.

Stand 1892
Im Gebäude befand sich während des Ersten Weltkriegs nach dem Großen Rückzug der russischen Armee 1915 bis 1917 der Stab der russischen 12. Armee. Das Gebäude wurde nach Kriegsende wieder für verschiedene Schulen benützt. Heute befindet sich dort eine Internats-Volksschule für asthmakranke Kinder.
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