Al-Bīrūnī

Abu Reyhan Biruni
ابوریحان بیرونی
Bildnis Bīrūnīs auf einer UdSSR-Briefmarke von 1973
Geboren 4. September 973
Kath, Choresmien
Gestorben 9. Dezember 1048
Ghazna, Ghaznawiden
Epoche Blütezeit des Islam
Fachgebiete Astronomie, Mathematik, Geodäsie, Pharmakologie, Mineralogie, Geschichte, Geographie, Vergleichende Religionswissenschaft, Indologie
Akademischer Lehrer Abu Nasr Mansur
Bekannt für Die Chronologie der alten Völker, Kitab al-Hind, Canon Mas'udicus, Kitāb al-Dschamāhir, Kitāb at-Tafhīm, Kitāb as-Saidana

Abu Raihan Muhammad ibn Ahmad al-Biruni (ابوریحان بیرونی Abū-Reyhān Bīrūnī; أبو الريحان محمد بن أحمد البيروني Abū Raiḥān Muḥammad b. Aḥmad al-Bīrūnī; * 4. September 973 in Kath, Choresmien, Choresmien (Usbekistan heute); † 9. Dezember 1048 in Ghazna (Afghanistan heute)), kurz Biruni oder al-Biruni, war ein choresmischer Universalgelehrter iranischer Herkunft aus der Blütezeit des Islam. Er war in Physik, Mathematik, Astronomie und den Naturwissenschaften bewandert und tat sich darüber hinaus als Historiker, Chronologe und Sprachwissenschaftler hervor. Er wird als erster Anthropologe und als eine der Gründerfiguren der vergleichenden Religionswissenschaft, der Geodäsie und der Indologie bezeichnet.

Al-Bīrūnī verbrachte das erste Vierteljahrhundert seines Lebens in seiner Heimat Choresmien und hielt sich nach dem Sturz der Afrighiden im Jahr 995 an den Höfen von Buchara, Tabaristan und Gurgandsch auf. Um das Jahr 1000 vollendete er sein erstes bedeutendes Werk, al-Āthār al-bāqiya ʿan al-qurūn al-chāliya („Die zurückgebliebenen Spuren vergangener Jahrhunderte“), über historische und wissenschaftliche Chronologie. Ab 1017 lebte er als Hofastrologe Mahmuds von Ghazni in Ghazna und begleitete diesen auf dessen Feldzügen auf den indischen Subkontinent; das daraus hervorgegangene Kitāb al-Hind (Tārīch al-Hind), um 1030 abgeschlossen, ist jenes Werk, auf dem sein Ruf als Indologe hauptsächlich beruht.

Al-Bīrūnī befasste sich mit nahezu allen Wissenschaften seiner Zeit und wurde für seine Forschungen auf zahlreichen Wissensgebieten reich belohnt. Herrscherhäuser und andere einflussreiche Kreise der Gesellschaft finanzierten seine Forschungen und traten mit konkreten Vorhaben an ihn heran. Er war selbst einflussreich, wurde aber seinerseits von Gelehrten anderer Völker beeinflusst, etwa von den Griechen, von denen er sich anregen ließ, als er sich der Philosophie zuwandte. Als begabter Sprachkundiger beherrschte er neben seiner choresmischen Muttersprache auch Persisch, Arabisch und Sanskrit; zudem verfügte er über Kenntnisse des Griechischen, Hebräischen und Syrischen. Für seine Zeit schrieb er bewundernswert unparteiisch über Sitten und Glaubensvorstellungen verschiedener Völker; seine wissenschaftliche Objektivität trug ihm in Anerkennung seiner bemerkenswerten Beschreibung Indiens im frühen 11. Jahrhundert den Ehrennamen al-Ustādh („der Meister“) ein.

Leben und Werk

Darstellung der Mondphasen in Abhängigkeit von der Stellung der Sonne aus einem astronomischen Werk al-Bīrūnīs
Die vier Himmelsrichtungen und die politische Einteilung Irans nach al-Bīrūnī

Jugend und Jahre in Choresmien

Das erste Vierteljahrhundert seines Lebens verbrachte Abū r-Raiḥān Muḥammad ibn Aḥmad in Choresmien, wo er schon in jungen Jahren von dem Gelehrten Abu Nasr Mansur ausgebildet wurde und sich mit Rechtswissenschaft, Theologie, Grammatik, Mathematik, Astronomie, Medizin und Philosophie befasste. Als die von Kath aus herrschende Afrighiden-Dynastie, welcher al-Bīrūnī nahestand, 995 von den Mamuniden aus Gurgandsch gestürzt wurde, verließ er das Land und ging an den Hof des Samaniden Mansur II. nach Buchara. Hier wirkte zu dieser Zeit auch der vor allem als Mediziner und Philosoph bekannte Avicenna, mit dem al-Bīrūnī, nachdem er um 997 einen programmatischen Briefwechsel eingeleitet hatte – viele Jahre lang zusammenarbeitete und den er auch in seiner „Chronologie“ erwähnte.

998 zog er nach Tabaristan und lebte am Hof des Ziyariden Qabus (Qābūs ibn Wuschmagīr), wo um 1000 die „Chronologie“ entstand, bevor er in seine Heimat zurückkehrte und dort sieben Jahre lang zum Gurgandschischen Gelehrtenkreis um Khwarazm-Schah Mamun II. gehörte. Offenbar hatte er zuvor mit den Mamuniden Frieden geschlossen; die Beobachtung einer Mondfinsternis am 24. Mai 997 in Kath zeigt, dass er Choresmien schon eher wieder besucht haben muss. Al-Bīrūnī hatte damals mit Abu'l-Wafa verabredet, dass dieser das Ereignis in Bagdad beobachtet; durch einen Vergleich der notierten Eintrittszeiten des Erdschattens konnten sie die Differenz in den geographischen Längen von Kath und Bagdad bestimmen. Er beschäftigte sich in dieser Zeit mit Astronomie, Geschichte und Kartografie.

Am Hof der Ghaznawiden und Reisen nach Indien

1017 eroberte der Ghaznawidensultan Mahmud von Ghazni Choresmien und nahm al-Bīrūnī, Abu Nasr Mansur ibn Iraq und andere als seine Gefangenen mit nach Ghazna, wo al-Bīrūnī den größten Teil seines weiteren Lebens verbrachte. In der Folgezeit wirkte er dort als Hofastrologe und erhielt von Mahmud finanzielle Zuwendungen für astronomische Aufgaben. Die Beobachtung einer Sonnenfinsternis am 8. April 1019 in Lamghan nördlich von Kabul zeigt, dass er sich zumindest im Herrschaftsbereich Mahmuds frei bewegen konnte. Er bestimmte auch die genaue geographische Breite von Kath.

Ab 1022 beherrschte Mahmud Teile von Nordindien; al-Bīrūnī begleitete ihn auf diesen Feldzügen. Er war der erste islamische Wissenschaftler, der sich mit der brahmanischen Wissenschaft beschäftigte, und berichtete darüber umfassend im Kitāb al-Hind. Zahlreiche arabische und griechische Werke übersetzte er ins Sanskrit, darunter die Elemente des Euklid. 1023 ermittelte er mit einem von ihm erfundenen neuen Messverfahren den Radius der Erdkugel zu 6339,6 km, was dem heutigen Wert am Äquator von 6378,1 Kilometern recht nahe kommt. Zudem konstruierte er das erste Pyknometer, mit dem er die Dichte (das spezifische Gewicht) unterschiedlicher Materialien bestimmte. Al-Bīrūnī starb um 1050 in Ghazna.

Ehrungen

Al-Bīrūnī (Iranische Briefmarke, 1973)

Eine moderne Stadt im Bereich von al-Bīrūnīs Geburtsort wurde 1958 ihm zu Ehren in Beruniy umbenannt. Die Universität Schiraz benannte ihr astronomisches Observatorium Abu Reihan Observatorium. Die Internationale Astronomische Union (IAU) ehrte ihn durch die Benennung des Mondkraters Al-Biruni. Ferner ist er Namensgeber für die Insel Biruni Island in der Antarktis.

Schriften

Al-Bīrūnī schrieb etwa 146 Bücher mit geschätzten 13.000 Seiten Umfang und tauschte sich mit Kollegen wie Avicenna (Ibn Sina) per Briefverkehr aus. Etwa ein Fünftel seines Werkes ist erhalten geblieben, darunter:

Literatur

Commons: Abu Rayhan al-Biruni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Bosworth 2000.
  2. ↑ Yano 2013.
  3. ↑ Ahmed 1984, S. 9–10.
  4. ↑ Yano 2013.
  5. ↑ Den Beinamen „al-Bīrūnī“ hat er erst später bekommen, wahrscheinlich wegen seiner skeptischen Haltung. Die Anhänger des griechischen Skeptikers Pyrrhon, die Pyrrhoneer, hießen arabisch Bīrūnīyūn.
  6. ↑ Gotthard Strohmaier: Avicenna. Beck, München 1999, ISBN 3-406-41946-1, S. 43–56.
  7. ↑ Digitalisat Edition bei Wikisource
  8. ↑ Digitalisat des ersten Bandes, Digitalisat des zweiten Bandes
  9. ↑ Digitalisat des Neudrucks 1923
Personendaten
NAME Bīrūnī, al-
ALTERNATIVNAMEN Bîrûnî, Abu al-Raihân Muhammad ibn Ahmad al-
KURZBESCHREIBUNG persischer Mathematiker, Wissenschaftler und Geschichtsschreiber
GEBURTSDATUM 4. September 973
GEBURTSORT Kath, Chorasan, Afrighidenreich (heute Usbekistan)
STERBEDATUM 9. Dezember 1048
STERBEORT Ghazni, Chorasan, Ghaznawidenreich (heute Afghanistan)