Klempner

„Der Klempner“. Aus: Was willst du werden? Bilder aus dem Handwerkerleben (um 1880)
Klempner verlegten ein neues Stehfalzdach auf der Storkyrkan in Stockholm, 1903

Klempner, Spengler, Flaschner und Blechner sind Berufsbezeichnungen für Handwerker, die feine Bleche bearbeiten und zu Bauteilen im Bauwesen oder zu Handelswaren verarbeiten. In weiten Teilen Süddeutschlands (vor allem in Altbayern), in der Schweiz und Österreich ist Spengler die offizielle Bezeichnung für diesen Handwerksberuf.

Der Beruf ist eine klassische Männerdomäne. 2017 lag der Frauenanteil bei Ausbildung und Berufsausübung in den DACH-Ländern bei 0,7 Prozent.

Umgangssprachlich werden auch Gas-, Heizungs- und Wasserinstallateure als Klempner bezeichnet, da Klempner ursprünglich nicht nur Dachrinnen und Regenfallrohre fertigten, sondern auch Rohrleitungen aus Blei und Kupfer verlegten. Der Ausbildungsberuf zum Installateur wird in Deutschland als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bezeichnet.

Etymologie und Bezeichnungen

Ein Klempner bei der Arbeit (1949)

Der Begriff Klempner wurde vermutlich umgestaltet aus dem älteren Klemperer, Klamperer, oberdeutsch Klampfer, Klampferer. Klempern bedeutet „Blech hämmern“, klampen (aus mnd. klammern) bedeutet „(mittels Falztechnik) fest verbinden“.

Der Begriff Spengler geht zurück auf eine der ursprünglichen Tätigkeiten dieser Handwerker, die Herstellung von Spangen und Beschlägen.

Die Be- und Verarbeitung von Metallen hat im Klempnerhandwerk eine lange Tradition. Auf die metallverarbeitenden Tätigkeiten deuten die Berufsbezeichnungen hin:

Die Begriffe Klempner und Spengler haben (über verschiedene sprachliche Umwege) die alten Bezeichnungen Blechschmied und Spangenmacher ersetzt.
Flaschner fertigten früher aus Metall Feld- und Pulverflaschen und andere Gefäße, während
Blechner mit Blech arbeiteten – wie auch heute noch.

Im europäischen Sprachraum finden sich jeweils vergleichbare Bezeichnungen, zum Beispiel ferblantier, zingueur oder couvreur in Frankreich, sheet metal worker im englischen Sprachraum, plåtslagare in Schweden und blikkenslager (gelegentlich auch kobber- og blikkenslager) in Norwegen. Alle Bezeichnungen beinhalten den Begriff „Blech“, französisch zingueur sogar das Material „Zink“.

Klempner werden regional unterschiedlich benannt:

Berufsbild

Tätigkeitsbereiche

Klempner verkleiden Dächer mit Zink- und Kupferblech, hier die Turmhaube des Dresdner Residenzschlosses
Eine Krone aus patiniertem Kupferblech als Firmenzeichen eines Betriebs in München
Zierklempner fertigen kunsthandwerkliche Gegenstände wie diese Tischlampe Ende der 1930er Jahre, Bandelier National Monument

Die Klempnerei umfasst die Bearbeitung von Feinblech aus Eisen oder NE-Metallen (meist Zink, Kupfer, Aluminium, beschichtetes Stahlblech und Blei) zur Herstellung von Dacheindeckungen, Dachentwässerungen und Lüftungsanlagen, früher auch Flaschen und anderen Behältern und sonstige Haushaltswaren.

Die Aufgabe des Klempners ist hauptsächlich das Verkleiden von Dachflächen, Fassaden und Schornsteinen mit Blechen sowie die Montage von Regenrinnen. Benötigte Bauteile stellt er teilweise von Hand oder maschinell selber her. Weitere Aufgaben sind das Erstellen und die Montage von Passteilen aus Metallprofilen, Feinblechen und Kunststoffen für Rohre, Kanäle und Geräte der Lüftungstechnik, sowie die Wartung und Reparatur von Klempnereierzeugnissen.

Eine Übergangsform zum Kunsthandwerk ist die Zierklempnerei bzw. Galanteriespenglerei, die blechernen ornamentalen Zierrat zur Verwendung am Bau herstellt (etwa Wetterhähne und Giebelspitzen).

Klempner, Bauklempner und Isolierklempner gelten in Deutschland als Mangelberuf für Facharbeiter und stehen auf der Positivliste für ausländische Facharbeiter aus Nicht-EU-Staaten.

Ausbildung

In der Grundausbildung werden grundlegende Tätigkeiten/Kenntnisse wie das Weichlöten, Hartlöten, Bördeln, Schweifen, Falzen, Kanten, Messen, Technisches Zeichnen, fachbezogene Mathematik, Werkstoffkunde usw. vermittelt. Der Auszubildende soll das Konstruieren, Montieren und Reparieren von Metallblechen beherrschen.

Deutschland

Die gesamte Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre und wurde 2017 in Deutschland durchschnittlich mit folgender Staffelung vergütet: Jahr 1 mit 630 €, Jahr 2 mit 641 €, Jahr 3 mit 716 € und im vierten Jahr mit 753 €. Neben dem direkten Berufseinstieg bestehen nach der Ausbildung weitere Qualifikationsmöglichkeiten wie ein Meisterabschluss, ein Techniker-Abschluss sowie diverse Studiengänge.

Österreich

In Österreich bezeichnet Spengler einen Lehrberuf mit dreijähriger Berufsausbildung, Lehrabschlussprüfung und Möglichkeit zur Weiterbildung zum Meister. Durch die Verwandtschaftsregelung wird die Ausbildung als Spengler auf Teile der Lehrzeit in anderen (verwandten) Lehrberufen angerechnet, etwa bei der Karosseriebautechnik, Installationstechnik und Sonnenschutztechnik.

Weibliche Spengler gelten entgegen Männern als Schwerarbeiter im Sinne der Schwerarbeitsverordnung und der dazu ergangenen Berufsliste. Dienstgeber haben das Vorliegen von Schwerarbeit bei Frauen ab dem vollendeten 35. Lebensjahr (Männer ab dem 40. Lebensjahr) selbständig der Krankenversicherung zu melden (§ 5 Schwerarbeitsverordnung).

Schweiz

In der Schweiz nennt man den Beruf Bauspengler. Folgende Ausbildungsmöglichkeiten bestehen:

  1. Spengler EFZ (Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis): 3 Jahre Ausbildungszeit
  2. Spengler EBA (Eidgenössisches Berufsattest): 2 Jahre Ausbildungszeit

Arbeitstechniken und Werkzeuge

Klempner verwenden eine Vielzahl von Arbeitstechniken zur Blechbearbeitung, die sich teilweise mit Tätigkeiten von Installateuren, Karosseriebauern, Lüftungsbauern, Dachdeckern und Silberschmieden überschneiden.

Messen und Anreißen

Entgraten, Säubern, Oberflächenbehandlung

Schneiden

Geschnitten wird Blech traditionell mit verschiedenen Blechscheren für gerade oder nach links oder rechts gekurvte Schnitte. Spezielle Blechscheren heißen Universal-Schere, Berliner-Schere, Figuren-Schere, (Figuren-)Loch- und Rundloch-Schere, Durchlauf-Schere (Pelikan-Schere), Bandeisen-Schere, Profil-Schere sowie Dachdeckerschere.

Komplizierte Ausschnitte können mit dem manuellen oder elektrischen Knabber vorgenommen werden, der mit einer beweglichen Zunge feine Streifen aus dem Blech schneidet. Noch genauere Ausschnitte können mit dem elektrischen (Profil-)Nibbler vorgenommen werden, der einen auf- und abfahrenden Schneidzahn besitzt. Kurvenschnitte in dickeren Blechen können mit der elektrischen Stichsäge ausgeführt werden.

Teilstationäre Schneidgeräte mit manuellem oder elektrischem Antrieb sind die Rollen- bzw. Hebel-Blechschere, die (Excenter-)Tafelschere, die (Durchlauf-)Schlagschere und der (Dach-)Rinnencutter.

Gerade Schnitte in dickem Blech werden in der stationären Schlitz- und anderen elektrisch betriebenen Blechscheren vorgenommen. Scheibenschneider bzw. Zirkelschneider werden für kreisförmige Ausschnitte eingesetzt. Größere Bohrungen werden mit Schäl- und Stufenbohrern hergestellt.

Umformen von Blechen

Abkanten, Kanten, Biegen
Ein Blech entlang einer geraden Linie umbiegen.
Falzen
Eine Blechkante (mehrfach) umbiegen, um eine stabile und glatte Kante herzustellen oder um zwei Bleche miteinander zu verbinden.
Bördeln
Einen schmalen Rand an Blechen oder Rohren umlegen oder aufstellen, oft zum Verbinden oder Versteifen.
Schweifen
Den Rand eines Blechs durch Hämmern oder Walzen aufweiten. Durch das Schweifen eines abgekanteten Rands erhält das Blech eine Wölbung.
Absetzen
Einen Absatz in Form einer flachen Stufe am Rand eines Blechs herstellen, um zwei Bleche in der Höhe bündig überlappen zu können.
Sicken
Eine rinnenförmige Vertiefung oder Erhebung in ein Blech einrollen oder einschlagen. Oft um die Stabilität und Steifigkeit zu erhöhen.
Kragenziehen
Einen Dorn so durch ein Blech treiben, dass sich auf der Rückseite ein vorstehender Ring (Kragen) bildet.
Aushalsen
Eine Bohrung in einem Rohr mit einem speziellen Werkzeug so aufweiten, dass sich ein Kragen bildet. Bei Wasserrohren aus Kupfer können so Abzweige hergestellt werden.
Einziehen
Ein Rohr an einem Ende verjüngen (verengen).
Aufweiten
Den Durchmesser eines Rohrs an einem Ende vergrößern, um beispielsweise ein anderes Rohr mit gleichem Durchmesser hineinzustecken.

Durch das Treiben, also dem Strecken von Blech, können Schalen, Schüsseln, Töpfe und Halbkugeln hergestellt werden. Neben Treibhämmern mit gewölbten oder kugelförmigem Kopf werden zum Treiben, Setzholz (breiter Flachmeißel), Klopfholz, Banane und Amboß verwendet.

Biegen und Falzen

Falzzange

Für feinere Arbeiten werden Spitzzange, Spengler-Rundzange und Spengler-Flachzange eingesetzt.

Spenglerzangen mit größeren Arbeitsbreiten sind die Deckzange und eine Vielzahl von Falzzangen: gerade, gekröpft, gewinkelt, Eckfalzzange, Uni-Falzzange.

Besondere Arbeiten werden mit Rohr-Einziehzange, Falzöffnungszange und Wulstenbeißzange ausgeführt.

Biegewerkzeuge für geradlinige Falzen und Kanten größerer Länge sind:

  • Traufenschließer, Winkelfalzschließer
  • Traufenkanter – große Arbeitsbreite
  • Zweihandkanter
  • Doppelfalzer
  • Faltendrücker
  • Falzschließer

Zum Bearbeiten von dickeren Blechen und zum Herstellen von gebogenen und bombierten Formen werden verschiedene Eisen und Meißel eingesetzt:

  • Quetschfalzeisen
  • Schaleisen, Eckschaleisen
  • Doppelfalzeisen
  • Falzmeißel

Zur Verwendung mit dem (Einheits-)Amboss:

  • Stiftamboss
  • Umschlageisen
  • Bördeleisen
  • Klempner-Faust
  • Sickenstock, Schweifstock (Schweifhorn), Sperrhaken, Trichtersperrhaken

Biegegeräte gibt es mit manuellem oder elektrischem Antrieb. Kleinere Geräte werden ebenso wie abgerundete Biegebacken im Schraubstock eingespannt oder auf Tischen oder Ständern montiert.

  • (Hand-)Schwenkbiegemaschine, Bauabkant-Maschine, Rundmaschine, Sickenmaschine
  • Wulstgerät
  • Winkelbiegeapparat,
  • Handbiegegerät

Freihändiges Arbeiten findet oft am Amboss und am Schraubstock (mit Schutzbacken) statt.

Weiche Bleibleche können auch vor Ort mit Klopfholz, Setzholz und Treibhammer angepasst werden.

Dachrinnen werden mit Rinnen-Richtzange, Rinnen-Richtheber, Rinnen-Abbiegezange (zum Biegen der Rinnenhalter) und Rinnenstöckel angepasst.

Werkzeuge zum Umformen von Blechen

Neben den bei den Bearbeitungstechniken aufgeführten speziellen Werkzeugen werden verschiedene Hämmer zum Formen von Blechen eingesetzt:

  • Spenglerhammer
  • Falzhammer
  • Pinnhammer
  • Polierhammer mit kugeligem Kopf
  • Schlichthammer
  • Schweifhammer
  • Schonhammer
    • Holzhammer
    • Schonhammer mit Kunststoffeinsätzen
    • Aluminiumhammer
    • Kupferhammer
    • Klebschlaghammer – gefüllt mit einer plastischen Masse oder Sand und dadurch rückschlagfrei

Verbindungstechniken

Mit Bohrern, Lochzange, Revolverlochzange und Locheisen werden Löcher zum Einsetzen von Nieten hergestellt. Setzwerkzeuge für Nietverbindungen sind Setzkopf, Setzeisen, Handnietzange, Blindnietzange bzw. -pistole oder Scheren-Blindnietzange.

Dünne Bleche können ohne weitere Verbindungsmittel mit der (Profil-)Verbindungszange verbunden werden, die im Trockenbau eingesetzt wird. Etwas stärkere Bleche werden mit der Fügepresse verbunden. Dabei werden jeweils zwei kurze parallele Schlitze in übereinanderliegenden Blechen gestanzt. Die zwischen den Schlitzen verbleibenden Blechstreifen werden gemeinsam verformt, wodurch sich die Bleche formschlüssig miteinander verschränken.

Flache, spitze oder abgewinkelte Gripzangen dienen zum Fixieren von Blechen beim Löten und Schweißen.

Zum Löten werden (Automatik-)Lötkolben bzw. Weichlötgarnitur, Lot, Flussmittel und gegebenenfalls Hitzeschutzmatten eingesetzt.

Mit Tacker bzw. Hefter und Hammertacker lassen sich dünne Bleche auf Holz, zähen Kunststoffen und ähnlichen weichen Materialien befestigen.

Für großflächige Verbindungen können Bleche auch geklebt werden.

Siehe auch

Literatur

Commons: Klempner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Klempner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Allgemein:

Deutschland:

Bayern:

Österreich:

Schweiz:

Einzelnachweise

  1. ↑ Berufe im Spiegel der Statistik. Abgerufen am 10. März 2022.
  2. ↑ Günter Bergmann: Kleines sächsisches Wörterbuch. Bibliographisches Institut, Leipzig 1989.
  3. ↑ Der schönste Arbeitsplatz der Welt auf tuermerinvonmuenster.de (Martje Thalmann), abgerufen am 20. Januar 2022
  4. ↑ Beschreibung des Berufs Klempner beim BERUFENET der deutschen Bundesagentur für Arbeit
  5. ↑ Positivliste der Mangelberufe: Facharbeiter, abgerufen am 9. August 2015
  6. ↑ Ausbildung zum/zur Klempner/in. Abgerufen am 19. November 2017.
  7. ↑ Schwerarbeitsverordnung, BGBl. II Nr. 104/2006. RIS, 1. Januar 2007, abgerufen am 14. Oktober 2011.
  8. ↑ Verlegehinweise Schornsteinanschlüsse mit Bleiblechen für das Dachdecker- und Klempnerhandwerk – Verlegetechniken für Schornsteine, Gauben- und Wandanschlüsse (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2025. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.), Röhr + Stolberg GmbH, Krefeld
  9. ↑ Carl Hartmann: Populäres Handbuch der allgemeinen und speziellen Technologie, oder der rationellen Praxis des chemischen und mechanischen Gewerbwesens, nach den neuesten Ansichten und Erfindungen, im allgemein faßlichen Vortrage – Band 1, S. 454, Amelang Verlag, 1841