
Der Blutschink (bisweilen auch Blutschinke, Blutsching, Bluatschink, Bluetschinke oder Plutschinke genannt) ist ein dämonischer Wassergeist. Der Begriff leitet sich wahrscheinlich von „Blut“ und „Schinken“ (Schenkel, Fuß, im Tiroler Dialekt Schinken = Füße) ab, womit der Blutschink also der „Blutfuß“ wäre. Er ist nur in Tirol und einigen kleineren Regionen Oberitaliens, wie Palai im Fersental und Pladen, bekannt.
Richard Beitl vermutet, dass die Bezeichnung Blutschink sich aus einem slawischen Wort entwickelt hat: Der błudnik sei ein Wasserdämon der slawischen Sage und entspreche in der deutschen Natursage dem Irrlicht. Das abgeleitete Verb błudźić bedeute etwa ‚verführen, ertränken, ersticken‘, im Obersorbischen ist die Bedeutung błudźić = ,irren, umherirren‘. Ursprünglich hätten kärntnerische Alpenslawen bei ihrer Ansiedlung diese Sagengestalt mitgebracht, als das Wort allerdings nicht mehr verstanden wurde, entwickelte es sich durch volksetymologische Umdeutung weiter. Die auffallend begrenzte regionale Bekanntheit des Blutschinks stütze ebenfalls diese These.
Der Blutschink wird wie folgt beschrieben: Der Oberleib gleicht einem kohleschwarzen, zotteligen Bären, die Beine jedoch sind, wenn auch sehr stark, menschlich und nackt (teils mit riesigen Krallen und mit Flügeln beschrieben). Zudem sind seine Beine blutrot, er soll förmlich triefen vor lauter Blut. Andere Beschreibungen des Aussehens deuten auf ein drachenähnliches Wesen, ein wildes Tier oder einen wilden Mann mit blutrotem Oberkörper hin. Gerade wegen seiner Gewohnheit, Menschen zu fressen, wird dieser Dämon gefürchtet. Dabei soll er seinen Opfern erst das Blut aussaugen und sie danach fressen. Angeblich soll er sich nur in und um Gewässer herum aufhalten, wobei in Südtirol auch der Glaube verbreitet ist, dass er in Bohnen- und Mohnäckern auf Kinder lauert, um diese zu verschlingen. Den Sagen nach wird der Blutschink ins Paznauntal verortet, wo er in einer furchterregenden dunklen Wildnis in einem Gebirgssee leben soll. In Oberkärnten wird der Blutschink abweichend als Mann mit blutigem Gesicht, im grünen Gewand und mit einer Kette beschrieben. Er soll die Kinder in die Möll ziehen, wenn sie Steine in den Fluss werfen. Weitere Sichtungen gehen auf das Jahr 1847 zurück, wo die Gestalt als wilder Mann mit blutrotem Oberkörper auf dem Neuraut in Wilten sein Unwesen trieb.