Carin Boalt

Carin Boalt

Carin Margareta Boalt, geb. Åkerman (* 19. April 1912 in Vårdinge parish, Schweden; † 28. April 1999 in Nedre Ullerud parish, Värmland, Schweden) war eine schwedische Architektin und Hochschullehrerin. 1964 wurde sie als erste Professorin an der Technischen Universität Lund (LTH) berufen und war die erste Professorin an einer schwedischen Technischen Universität. Von 1944 bis 1956 leitete sie die Forschung an dem Vorgänger der schwedischen Verbraucherschutzbehörde.

Leben und Werk

Boalt war die Tochter von Lydia Emilia Åkerman und Karl Alfred Isidor Åkerman. Nach ihrem Schulabschluss 1931 begann sie ein Zoologiestudium an der Universität Stockholm. Sie erhielt 1934 den Bachelor-Abschluss und 1935 ihren Master-Abschluss. Im selben Jahr heiratete sie ihren Kommilitonen Hans Gunnar Rudolf Boalt, von dem sie 1957 geschieden wurde. Beide arbeiteten einige Jahre lang als Vertretungslehrer an verschiedenen Landschulen. 1936 belegte sie einen Kurs in Ernährungswissenschaft an der Universität Stockholm und erhielt anschließend zwei Wochen nach der Geburt ihres ersten Kindes 1937 eine Anstellung beim Kooperativa Förbundet. Hier leitete sie eine Studie zu Ernährungsgewohnheiten. Kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes nahm sie im Dezember 1939 eine Stelle als Assistentin von Ernst Abramsson an, der Leiter des neu gegründeten Statens institut för folkhälsa (Staatliches Institut für öffentliche Gesundheit) in Tomteboda war. Nach der Gründung des Hemmen-Forschungsinstituts (heute Schwedische Verbraucherschutzbehörde) 1944 übernahm sie dessen Leitung bis 1957. Im Rahmen ihres Studiums der Statistik und Soziologie arbeitete sie 1958 und 1959 am Forschungsprojekt 1000 husmödrar der schwedischen Statistikbehörde. Von 1960 bis 1961 war sie am Schwedischen Nationalen Institut für Bauforschung tätig. 1963 legte sie an der Universität Lund das Lizenziatsexamen ab, mit einer Abschlussarbeit über das Innovationspotenzial in schwedischen Haushalten.

In den folgenden Jahren arbeitete sie bis 1964 als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Soziologie in Stockholm, wo sie für Lehrveranstaltungen zu den Themen Familie und Wohnen zuständig war. Zeitgleich war sie für das SIB tätig. Viele der Studien- und Forschungsprojekte, an denen sie arbeitete, befassten sich mit der Evaluierung neu errichteter Wohngebäude.

Boalt war von 1964 bis 1977 Professorin für funktionales Design an der neu gegründeten Technischen Hochschule in Lund, welche 1964 von der Universität Lund unabhängig wurde. Sie war dafür verantwortlich, dass zukünftige Architekten hinsichtlich der vielfältigen funktionalen Anforderungen an Wohnhäuser ausgebildet wurden. Neben ihrer Professur übernahm Boalt zahlreiche weitere Aufgaben und engagierte sich auch nach ihrer Pensionierung weiterhin sozial. Jahrzehntelang war sie in Hilfsprojekten tätig, unter anderem für die SIDA (Schwedische Agentur für Internationale Entwicklungszusammenarbeit) in Tansania. Ein weiteres ihrer Projekte befasste sich mit behinderten Jugendlichen in Sri Lanka.

Boalt starb 1999 im Alter von 87 Jahren in Stockholm.

Forschung

Boalt konzentrierte sich in ihrer Forschung zunächst auf Fragen der Ernährung. Während der Krisenzeit der 1930er Jahre war das Wissen über die Bedeutung einer gesunden Ernährung allgemein gering, und dieses Thema rückte in den Mittelpunkt der Arbeit am Statens institute för folkhälsan (Staatliches Institut für Volksgesundheit), wo sie mehrere Jahre tätig war.

Ernährung und Haushaltsgewohnheiten standen in engem Zusammenhang mit den Entwicklungen im Wohnungsbau. Boalt, eine der Gründerinnen und Leiterinnen des 1944 gegründeten und später als Konsuminstitutet bekannten Hemmens Forskningsinstituts, untersuchte systematisch die funktionalen Aspekte des Wohnumfelds. Die Bedürfnisse von Frauen und Kindern standen dabei im Mittelpunkt. Die wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse des Hemmens Forskningsinstituts etablierten die schwedische Konsumforschung international. Sie bildeten zudem einen wichtigen Bestandteil der Wohnungssoziologie, die in der Nachkriegssozialplanung und Wohlfahrtspolitik eine bedeutende Rolle spielte.

Ehrungen (Auswahl)

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Commons: Carin Boalt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Carin Boalt – första kvinnliga professorn vid en teknisk högskola | 150 år med kvinnor vid akademin. Abgerufen am 17. August 2026 (schwedisch).
  2. ↑ Boalt, Carin (1912–1999), första kvinnliga professorn vid LTH – Kulturportal Lund. Abgerufen am 17. August 2026 (sv-SE).
  3. ↑ IVA’s memorial tributes. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  4. ↑ 110 (Vem är Vem? / Skåne, Halland, Blekinge 1966). Abgerufen am 17. August 2026 (schwedisch).
  5. ↑ skbl.se - Carin Margareta Boalt. Abgerufen am 17. August 2026 (englisch).
  6. ↑ Görel SvahnTextGörel Svahn: Efter protesterna: Carin Boalt får väg uppkallad efter sig. 13. August 2022, abgerufen am 17. August 2026 (schwedisch).
Personendaten
NAME Boalt, Carin
ALTERNATIVNAMEN Boalt, Carin Margareta (vollständiger Name); Åkerman, Carin Margareta (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG schwedische Architektin und Hochschullehrerin
GEBURTSDATUM 19. April 1912
GEBURTSORT Vårdinge parish, Schweden
STERBEDATUM 28. April 1999
STERBEORT Nedre Ullerud parish, Värmland, Schweden