Bobby Sherman

Bobby Sherman (1969)

Robert Cabot Sherman Jr. (* 22. Juli 1943 in Santa Monica, Kalifornien; † 24. Juni 2025 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger und Schauspieler, der in den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren in den USA ein Jugendidol war. Er hatte eine Reihe erfolgreicher Singles, davon vier Top-10-Hits zwischen 1969 und 1970 auf dem Höhepunkt seiner Karriere, insbesondere im Jahr 1969 den Millionenseller Little Woman. Sherman verließ Mitte der 1970er-Jahre das Showgeschäft und arbeitete als Rettungssanitäter und Hilfssheriff, trat jedoch gelegentlich bis in die späten 1990er-Jahre weiterhin auf.

Leben

Sherman wurde als Sohn von Juanita Verne „Nita“ Choate, geborene Freeman, und des Milchverkäufers Robert Cabot Sherman Sr. im kalifornischen Santa Monica geboren. Er wuchs im Stadtteil Van Nuys von Los Angeles zusammen mit seiner Schwester Darlene Yvonne auf und besuchte die Birmingham High School, an der er erfolgreich American Football spielte. Im Abschluss studierte er Kinderpsychologie am Pierce College. Bereits während seiner Schulzeit kam er mit dem Gesang in Berührung.

Nach einer kurzen Beziehung mit der Komikerin Vicki Lawrence im Jahr 1969, heiratete Sherman am 26. September 1971 Patricia Anne „Patti“ Carnel, mit der er in erster Ehe bis September 1977 verheiratet war und mit der er die Söhne Christopher Noel und Tyler hatte. Carnal war später die dritte Ehefrau von David Soul, mit dem sie drei Söhne hatte. Sherman und Soul spielten Brüder in der Fernsehserie Here Come the Brides in den späten 1960er-Jahren.

Seine zweite Ehefrau, Brigitte Poublon, heiratete er am 18. Juli 2010 in Las Vegas. Zusammen gründeten sie die Brigitte & Bobby Sherman Children’s Foundation (BBSC). Ziel der Stiftung ist es, motivierten Schülern in Ghana eine hochwertige Ausbildung und ein Musikprogramm zu bieten sowie ihnen Werkzeuge für ein Hochschulstudium zur Verfügung zu stellen.

Im März 2025 wurde öffentlich bekannt, dass bei Sherman Nierenkrebs im vierten Stadium diagnostiziert wurde. Er starb zwei Monate später, im Alter von 81 Jahren, in seinem Haus in Los Angeles an den Folgen seiner Erkrankung. Er wurde von seiner Frau, seinen beiden Söhnen und sechs Enkeln überlebt.

Karriere

Musik

Sherman, der laut eigenen Angaben sechzehn Musikinstrumente beherrschte, nahm mehrere Platten für Decca Records sowie andere Musiklabel auf.

Zwischen 1962 und 1976 veröffentlichte Sherman 107 Songs, 23 Singles und zehn Musikalben; sieben seiner Songs wurden Top-40-Hits. Er erhielt sieben Goldene Singles, eine Platin-Single und fünf Goldene Alben. 1969 unterschrieb er bei Metromedia Records und veröffentlichte die Single Little Woman, die Platz 3 der Billboard Hot 100 Charts erreichte und neun Wochen in den Top 20 blieb; in Kanada erreichte sie sogar den zweiten Platz. Sie verkaufte sich über eine Million Mal und wurde im Oktober 1969 von der RIAA mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Weitere Hits waren das von Tom Bahler geschriebene Julie, Do Ya Love Me, Easy Come, Easy Go, Jennifer, La La La (If I Had You) und das von Alan O’Day geschriebene The Drum. Einige dieser Lieder wurden von Jackie Mills produziert, dem damaligen Produzenten der Brady Bunch Kids. In Kanada erreichte Hey, Mister Sun Platz 19, Cried Like a Baby den zehnten Platz und Waiting at the Bus Stop Platz 31. La, La, La, Easy Come, Easy Go und Julie, Do Ya Love Me verkauften sich jeweils über eine Million Mal und brachten Sherman weitere Goldene Schallplatten ein. Julie, Do Ya Love Me war Shermans einziger Eintrag in den UK Singles Chart, wo das Lied im November 1970 Platz 28 erreichte. Das Lied konkurrierte dort mit der Coverversion der Band White Plains, die Platz 8 erreichte.

Sherman tourte ausgiebig durch die Vereinigten Staaten und hatte auch weltweite Auftritte: Er gab regelmäßig Konzerte vor ausverkauften Hallen von den späten 1960er- bis Mitte der 1970er-Jahre. Laut eigener Aussage, war „das Kreischen […] so laut, dass er einen Hörverlust erlitt.“

Film und Fernsehen

Anfang der 1960er-Jahre lernte Sherman den vier Jahre älteren Schauspieler und Sänger Sal Mineo kennen, der zu dieser Zeit mit der Schauspielerin Jill Haworth verlobt war. Beide befreundeten sich und Mineo schrieb Sherman 1962 die Lieder Nobody’s Sweetheart und I Wanna Hear It from Her und arrangierte deren Aufnahmen. Außerdem schenkte er Sherman ein Schlagzeugset, nachdem er selbst das Schlagzeugspielen für seine Rolle als Gene Krupa im Film Jazz-Ekstase gelernt hatte. Nachdem Haworth beide im Bett erwischt hatte, löste sie die Verlobung und trennte sich.

1964 bat Mineo Sherman mit seiner Band auf der Premierenfeier der Los-Angeles-Premiere des Films Die größte Geschichte aller Zeiten im Cinerama Dome aufzutreten, die am 17. Februar 1965 stattfand. Mineo hatte in dem Film Urija, den Hethiter verkörpert. Anwesende Premierengäste wurden auf ihn aufmerksam, darunter die Schauspielerinnen Natalie Wood und Jane Fonda, und sie vermittelten ihm einen Agenten. Sherman unterschrieb und erhielt später eine Rolle in der Tanz- und Musiksendung Shindig! auf ABC, wo er Haussänger und Mitglied des Ensembles wurde und eigene Hits, aber auch Lieder anderer Künstler interpretierte. Laut einer anderen Erzählung wurde er bei einer Strandparty zum Unabhängigkeitstag entdeckt, zu der ihn seine damalige Freundin mitgenommen hatte. Er „sprang spontan auf die Bühne und sang mit der Band“. Unter den Gästen waren neben Mineo weitere Prominente wie Jane Fonda und Natalie Wood, die sein Talent erkannten: „Wir denken, du bist sehr talentiert. Wirst du gemanagt?“, fragten sie ihn. Innerhalb einer Woche arrangiert Wood ein Treffen mit MGM und einen Agenten für ihn.

Vom 25. September 1968 bis zum 18. September 1970 war er in der wöchentlich ausgestrahlten Fernsehserie Here Come the Brides zu sehen. Dort spielte er den jüngsten Bruder, Jeremy Bolt, einen schüchternen, stotternden Holzfäller. Im Jahr 1970 erhielt Sherman mehr Fanpost als jeder andere Künstler im US-amerikanischen Fernsehnetzwerk von ABC, außerdem war er regelmäßig Thema in Jugendzeitschriften und Gast in Talkshows. Zu dieser Zeit nahm er auch regelmäßig an Formaten wie American Bandstand mit Dick Clark und Where the Action Is teil: er war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als er von Mineos damaligem Lebensgefährten Courtney Burr erfuhr, dass es seinem Freund und ehemaligen Mentor Sal Mineo aufgrund fehlender Angebote finanziell schlecht ging, ließ Sherman seinen Manager 3.000 US-Dollar (inflationsbereinigt etwa 23.618 US-Dollar im Jahr 2023) an ihn überweisen – den Gegenwert des Schlagzeugs, das er einst als Geschenk erhalten hatte.

Im März 1971 trat er in einer Folge von Die Partridge Familie auf, die als Pilotfolge für die Fernsehserie Getting Together gedacht war; diese wurde schließlich ab September 1971 ausgestrahlt, aber bereits nach 14 Folgen wieder eingestellt. Im selben Jahr, am 6. September 1971, trat Sherman beim Ohio State Fair gemeinsam mit dem bekannten Bandleader und Trompeter Doc Severinsen auf. Zusätzlich war er in einem Fernseh-Werbespot für das California Milk Advisory Board zu sehen. Sherman trat zudem in einer Folge von Honey West mit dem Titel The Princess and the Paupers als entführtes Bandmitglied auf und war in der The Monkees-Folge Monkees at the Movies zu sehen, in der er einen eingebildeten singenden Surfer namens Frankie Catalina spielte und das Lied The New Girl in School interpretierte, das sich auf der B-Seite von Jan & Deans Dead Man’s Curve befindet. Die Figur von Catalina war Frankie Avalon nachempfunden.

Sherman war Gast in zahlreichen Musik- und Varietéshows wie The Barbara McNair Show (1971), wo er sich selbst auf der akustischen Gitarre begleitete. Im Jahr 1971 moderierte er das Bobby Sherman Special, in der Gäste wie The 5th Dimension mit ihrer Single Light Sings auftraten und gemeinsam mit Sherman Dave Masons Feeling Alright coverten. Zudem interpretierte er Rod McKuens Love’s Been Good To Me und präsentierte ein Medley seiner Hits, bestehend aus Little Woman, Easy Come, Easy Go, Julie Do Ya Love Me, Cried Like A Baby und The Drum. Als Gast sang er am 29. September 1972 Marching to the Music in der The Sonny and Cher Comedy Hour. Bekannt war er auch für seine Interpretation von Make Your Own Kind of Music.

Neben zahlreichen Musikformaten war er auch in Fernsehserien wie Notruf California, FBI, Twen-Police, Ellery Queen, Mord ist ihr Hobby und Frasier zu sehen. Außerdem trat er in Shows wie The Ed Sullivan Show, KTLA Morning News, Visiting with Huell Howser auf PBS, Good Day LA, The Rosie O’Donnell Show, Good Morning America und The Tonight Show mit Johnny Carson und später Jay Leno auf. Er war auch in den US-amerikanischen Fernsehsendern- bzw. formaten 20/20, VH1, Entertainment Tonight, extra sowie weiteren Fernsehsendungen zu Gast. 1986 war Sherman festes Ensemblemitglied der Fernsehserie Sanchez of Bel Air.

Obwohl Shermans Schauspielkarriere hauptsächlich im Fernsehen stattfand, trat er auch in zwei Filmen auf. 1975 spielte Sherman die Hauptrolle im Familienfilm He Is My Brother, unter der Regie von Edward Dmytryk. 1983 spielte Sherman zusammen mit dem Teenager-Idol Fabian Forte die Handlanger des Bösewichts im Kultfilm Get Crazy, unter der Regie von Allan Arkush.

Im deutschen Sprachraum wurde Sherman unter anderem von Rainer Brandt, Norbert Gescher, Florian Halm, Stefan Krause, Andreas von der Meden, Knut Reschke, Stefan Staudinger, Joachim Tennstedt und Elmar Wepper synchronisiert.

Rückzug aus dem Showgeschäft

1974 hatte Sherman einen Gastauftritt in der am 19. Januar 1974 ausgestrahlten Folge Fools der Fernsehserie Notruf California von Jack Webb (Staffel 3, Folge 17) und fand darin eine neue Berufung. Er zog sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück und wurde Rettungssanitäter. Er engagierte sich zunächst ehrenamtlich beim Los Angeles Police Department (LAPD) und arbeitete mit Sanitätern zusammen. Als ausgebildeter Rettungssanitäter trat Sherman 1988 schließlich dem LAPD als Spezialbeamter bei und bildete Polizeianwärter in Herz-Lungen-Wiederbelebung (CPR) und Erste Hilfe aus. In den 1990er Jahren wurde er technischer Reservepolizist beim Los Angeles Police Department, eine Position, die er bis mindestens 2017 innehatte. Über ein Jahrzehnt lang war er als medizinischer Ausbildungsoffizier an der Polizeiakademie von Los Angeles tätig und unterrichtete Tausende von Polizisten in Erster Hilfe und Wiederbelebung. 1999 wurde er zum Reservepolizisten des Jahres des LAPD ernannt und im selben Jahr Reserve-Deputy-Sheriff beim County Sheriff’s Department von San Bernardino, wo er die Ausbildung neuer Deputies in Notfallmaßnahmen fortsetzte. 2010 ging er auch dort in den Ruhestand.

Comeback

1998, nach fast 25-jähriger Abwesenheit von der Bühne, trat Sherman bei der Teen Idol Tour mit Peter Noone und Davy Jones auf. Micky Dolenz ersetzte Davy Jones auf der Tour im Jahr 1999. Sherman gab sein letztes Solokonzert am 25. August 2001 in Lincoln, Rhode Island. Obwohl er sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, trat er weiterhin bei Firmen- und Wohltätigkeitsveranstaltungen auf. Am 23. Januar 2005 wurde er auf Platz 8 der “TV’s 25 Greatest Teen Idols” des Magazins TV Guide gewählt. In einem Interview verriet die Schauspielerin Michelle Pfeiffer, dass Sherman ihre erste Kindheits-Schwärmerei war.

Diskografie

Singles

Alben (LPs)

Kompilationen (LPs)

Compact Disks

Filmografie (Auswahl)

Commons: Bobby Sherman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Bobby Sherman. Internet Movie Database, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  2. ↑ Bobby Sherman in The Movie Database (englisch), abgerufen am 2. Oktober 2025.
  3. ↑ Bobby Sherman bei Fernsehserien.de, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  4. ↑ Bobby Sherman Turns 73: A Look Back at His Career and Where He’s Been for the Past 30 Years. inquisitr.com, archiviert vom Original am 1. März 2024; abgerufen am 2. Oktober 2025 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. ↑ ili/spot/mbo: Zufall machte ihn berühmt: Ex-Teenie-Idol Bobby Sherman ist tot. In: web.de (Spot on News). 25. Juni 2025, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  6. 1 2 3 4 Kathy Orloff: Bubble Gum Bobby and Micro-Boppers, 8. November 1970, S. Ten (englisch). 
  7. ↑ Brigitte & Bobby Sherman Children’s Foundation - Founders. In: Bbscfoundation.org. Archiviert vom Original am 22. August 2017; abgerufen am 27. Oktober 2017 (englisch).
  8. ↑ Who We Are. In: Brigitte and Bobby Sherman Children’s Foundation. Abgerufen am 26. Juni 2025 (englisch).
  9. ↑ Mission Statement. In: Brigitte & Bobby Sherman Foundation. Abgerufen am 6. November 2017 (englisch).
  10. ↑ Bobby Sherman, ’60s teen heartthrob, diagnosed with stage 4 cancer In: USA Today, 28. März 2025. Abgerufen am 24. Juni 2025 (englisch). 
  11. ↑ Bobby Sherman in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  12. ↑ Chris Willman: Bobby Sherman, Heartthrob Singer and TV Actor of the 1970s, Dies at 81 In: Variety, 24. Juni 2025 (englisch). 
  13. ↑ Emily Langer: Bobby Sherman, teen idol who made fans swoon, dies at 81 In: The Washington Post, 24. Juni 2025 (englisch). 
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  15. ↑ David Roberts: British Hit Singles & Albums. 19. Auflage. Guinness World Records Limited, London, UK 2006, ISBN 1-904994-10-5, S. 496 (englisch).
  16. ↑ David Roberts: British Hit Singles & Albums. 19. Auflage. Guinness World Records Limited, London, UK 2006, ISBN 1-904994-10-5, S. 599 (englisch).
  17. ↑ Bobby Sherman. In: classicbands.com. (englisch).
  18. 1 2 3 Cyn Felthousen-Post: Groovy Teen Idol Bobby Sherman. In: Groovy History. Archiviert vom Original am 16. Januar 2024; abgerufen am 2. Oktober 2025 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  19. ↑ Tavo Amador: Too short: the life of Sal Mineo. In: Bay Area Reporter. 13. Januar 2011, archiviert vom Original am 1. April 2011; abgerufen am 8. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
  20. 1 2 Lawrence Laurent: Bobby Sherman Bridges Age Gap, 13. August 1971, S. 27 (englisch). 
  21. ↑ Brooks, Tim und Marsh, Earle, The Complete Directory to Prime Time Network TV Shows 1946–present, Ballantine Books, 1979, Seite 260
  22. ↑ Fintan McDonagh: Edward Dmytryk: Reassessing His Films and Life. McFarland, 2021, ISBN 978-1-4766-8092-7, S. 270 (englisch).
  23. ↑ Peter Sobczynski: Just Another Step on the Journey, Man!: 1983’s Underrated NYE Comedy, Get Crazy. In: RogerEbert.com. 30. Dezember 2021, abgerufen am 23. Juni 2024 (englisch).
  24. ↑ Bobby Sherman. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 2. Oktober 2025.
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  32. ↑ Joel Whitburn: Christmas in the Charts 1920–2004. Record Research, 2004, ISBN 0-89820-161-6 (englisch).
Personendaten
NAME Sherman, Bobby
ALTERNATIVNAMEN Sherman, Robert Cabot Jr. (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Sänger und Schauspieler
GEBURTSDATUM 22. Juli 1943
GEBURTSORT Santa Monica, Kalifornien, Vereinigte Staaten
STERBEDATUM 24. Juni 2025
STERBEORT Los Angeles, Kalifornien, Vereinigte Staaten