Das Bochumer Maiabendfest ist ein Brauchtumsfest in Bochum, das einer Legende nach im Mittelalter von Engelbert III. von der Mark gestiftet wurde, weil die Bochumer Bürger ihn bei der Großen Dortmunder Fehde unterstützt hatten. Sicher ist, dass das Maiabendfest eine Tradition von mehreren Jahrhunderten hat. Es wird seit 1968 alljährlich am letzten Wochenende im April, am „Vorabend zum Mai“, gefeiert.
Jeder „unbescholtene Bürger“ kann Mitglied werden. Die Mitgliedschaft ist nicht an den Wohnort gebunden. Auch juristische Personen können die Mitgliedschaft erwerben. Der Gesellschaft stehen ein Junggesellenhauptmann mit Junggesellenadjutant vor sowie Hauptleute für die vier Kompanien.
Das Maiabendfest findet am letzten Wochenende im April statt, am „Vorabend zum Mai“. War es bis weit in die 1960er ein beliebtes, stark besuchtes Volksfest, ging in den folgenden Jahrzehnten die Popularität zurück. Mit der Ausrichtung eines Volksfestes auf dem Boulevard steigerte sich wieder die Bekanntheit und die Besucherzahlen.
Das Maiabendfest geht von Donnerstag bis Sonntag. Dabei finden auf dem Boulevard ein vielfältiger Markt sowie ein Zapfenstreich und der erste Festumzug statt. Samstags ist der Festzug nach Harpen. Sonntags ist dann Familientag.
Seit 1968 findet der Ausmarsch nach Harpen an letzten Samstag im April statt.
Dieser Hauptteil des Festes erfolgt so (Stand 2013): Nach der Sammlung auf dem Rathausvorplatz erfolgt der Auszug durch die „Beckporte“ in Richtung Harpen. Hier, im Bockholt, findet ein Festakt sowie das Ausgraben der Eiche durch den Junggesellenhauptmann und die Junggesellen statt. Diese wird auf den Schultern der Junggesellen zurückgetragen. Auf dem Hin- und Rückweg kommen weitere Festgruppen zu dem Zug; eine Zusammenkunft aller Beteiligten erfolgt auf dem Kirmesplatz an der Castroper Straße. Danach zieht der gesammelte Festzug durch die Beckporte wieder in die Stadt ein und über die Kortumstraße zum Denkmal des Grafen Engelbert III. Von dort erfolgt der Abschluss auf dem Boulevard mit einem Festakt und dem Verkauf des Baumes.
Um die Verlegung der Statue des Grafen Engelbert gab es längere Diskussionen. Dieses war unter anderem durch häufige logistische Probleme für den Festzug durch die Innenstadt (Baustellen, Sicherheit etc.) begründet. Mit dem Jahr 2020 wurde das Denkmal des Grafen Engelbert zur Beckporte / Propsteikirche verlegt. Der Zug (Stand 2024) zieht nun sowohl durch die Beckporte ein als auch grüßt dann den Stifter des Festes (beides wichtige Bestandteile des Umzugs). Danach geht der Festzug über die Bongardstraße mit einer Abnahme der Parade.
Der Mythos des Bochumer Maiabendfestes ist eng mit der Geschichte der Großen Dortmunder Fehde und der Rolle des Engelbert III. von der Mark verbunden.
Nach der Legende brachten die Bochumer das von den Dortmundern gestohlene Harpener Vieh zurück, da sie den Harpener Bauern im Falle eines Angriffes Hilfe versprochen hatten. „Junge, do kass di drop verloten!“ (Junge, darauf kannst du dich verlassen) soll der Schultheiß der Bochumer zum Sprecher der Harpener gesagt und daraufhin ein Dutzend Männer auf die Jagd nach den Dortmundern geschickt haben, die das Vieh zurückholen sollten. Dies gelang ihnen angeblich durch eine List, und zwar dadurch, dass sie mit lautem Pfeifen die in einer Hütte rastenden Dortmunder in den Glauben versetzten, sie würden angegriffen, woraufhin die Dortmunder panisch aus der Hütte flüchteten und das Vieh zurückließen. Aus dieser Legende stammen sowohl der Zusatz „Junge, da kannst dich drop verloten“ aus dem „Bochumer Jungenlied“, als auch der Pfiff am Ende des Liedes. Als Anerkennung für diese Heldentat hat Graf Engelbert III. ihnen das Privileg verliehen, alljährlich vor dem 1. Mai einen Baum aus den gräflichen Waldungen im Bockholt im Stadtteil Harpen schlagen, um aus dessen Erlös das Maiabendfest zu feiern.
Diese Erzählung soll Teil einer mündlichen Überlieferung sein. Max Seippel war der erste, der im Jahr 1881 die mündliche Überlieferung der Stiftung des Maiabendfestes mit der Dortmunder Fehde in Zusammenhang brachte.

Diese Legende ist historisch nicht haltbar. Es existieren seit der Zeit von Seippel verschiedene Theorien von Historikern und Heimatkundlern über die Entstehung des Maiabendfestes. Die Dortmunder Chronik von Dietrich Westhoff berichtet für den 17. September 1388, den Tag des angeblichen Viehraubs, nur von einem Raubzug gegen Kamen. In keiner Form werden dort Bochumer Junggesellen erwähnt. Auch Franz Darpe widerlegt anhand von einigen Fakten die Beteiligung von Bochumer Bürgern generell an der Fehde, lediglich zur Heerfolge verpflichteter Amtsadel lässt sich aus Bochum nachweisen.
Von keinem der Kritiker wird allerdings die Tatsache bestritten, dass das Maiabendfest eine Tradition von mehreren Jahrhunderten hat.
Das Maiabendfest wurde erstmals 1790 von Carl Arnold Kortum beschrieben. Es fand nach seinen Aufzeichnungen seit undenklichen Jahren am 1. Mai statt. Das Einholen des Baumes wurde als eine wilde Unordnung und sonderbaren Gebrauch beschrieben, weswegen die Abholzung des Baumes seit ca. 20 Jahren bereits gegen eine Geldrente ausgetauscht worden sei. Der Ursprung des Brauches soll einer Sage zufolge auf die Zeiten des ersten Grafen Cobbo (ca. 9. Jahrhundert) stammen.
1769 war der Anspruch auf den Maibaum vom inzwischen preußischen Landesherren gestrichen und durch eine Geldrente ersetzt worden. 1882 wurde der „uralte Brauch“ nach Harpen auszuziehen, wieder aufgenommen und besteht trotz einiger Unterbrechungen bis heute. Die Bäume, die aus Harpen ins Stadtgebiet gebracht wurden, sind bis 1995 im Bochumer Stadtpark eingepflanzt worden. Seit 1996 erwerben Bochumer Firmen den Baum. Dieser wird dann in der Regel in der Innenstadt gepflanzt und die Spender werden auf Tafeln an drei Stellen in der Innenstadt vermerkt.
Der Ausmarsch nach Harpen fand seit der Wiederaufnahme am 30. April statt, ungeachtet des Wochentags. Wenn allerdings der 30. April auf einen Sonntag fiel, wurde der Ausmarsch am 29. April, am Samstag, abgehalten. Durch die Polizeiverordnung zur Heilighaltung der Sonn- und Feiertage von 1897 der Provinz Westfalen war unter anderem ein Ausschank von Getränken sowie Musik, Paraden und Ähnlichem erst nach dem Haupt- und Nachmittagsgottesdienst erlaubt.
In manchen aktuellen Publikationen wird erwähnt, dass das Maiabendfest jedes Jahr stattgefunden hat, außer in Kriegszeiten. Allerdings fand im Zweiten Weltkrieg das Fest bis wenigstens 1943 statt, wenn auch teils in wesentlich kleinerem Rahmen. „Die Tradition des Bochumer Maiabendfestes ist allezeit hochgehalten worden, auch in Kriegszeiten. Wie im ersten (sic) Weltkriege, so wird auch in diesem schweren Ringen um Deutschlands Zukunft der Brauch der Pflanzung des Maibaumes geübt werden.“ Interessanterweise wird in diesem Artikel aus der NS-Zeit nicht auf das Verbot zur Zeit der französischen Besetzung, also dem Erbfeind, während der Ruhrbesetzung eingegangen. Das Fest wurde 1923 ganz verboten, und in den beiden folgenden Jahren nur in einem kleinen Rahmen gestattet. In einem Artikel zum 580. Maiabendfest wird auf die letzten 80 Jahre des Festes eingegangen. In der Zeit ist es 14 Mal nicht gefeiert worden, darunter unter anderem 1890 wegen des Bergarbeiterstreiks (wahrscheinlich ist 1889 gemeint), 1904 wegen der Pockenepidemie, 1915–1919 und 1940–1947 wegen der Kriegszeiten und der nachfolgenden Notzeiten.
1928 fand die erstmalige Kranzniederlegung an der Grablege des Grafen Engelbert III. in der Stiftskirche Fröndenberg statt. Ab den April 1933 hatten die Schulkinder am Maiabendfest schulfrei.
In den 1950er Jahren war das Maiabendfest als Stadtfest sehr populär und gut besucht. Dieses wurde von der Stadt Bochum in dem Jahresfilm festgehalten. Für das Jahr 1968 wurde beschlossen, das Maiabendfest ab sofort immer am letzten Samstag im Mai zu feiern, um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Zum 600. Jubiläum 1988 wurde ein großes Stadtfest mit den Partnerstädten Bochums veranstaltet. Vertreter von Rat und Parteien sowie teilweise von den Partnerstädten beteiligen sich regelmäßig an dem Festzug. Seit einer Neuausrichtung des Festes 2010 findet auf dem Boulevard ein Jahrmarkt statt.
Zum 625. Jubiläum 2013 wurden zwei Stahltafeln eingeweiht, die das alte Stadttor „Becktor“ symbolisieren sollen. Diese sogenannte Beckporte hat in der Tradition die Bedeutung, dass die Maischützen vor Sonnenuntergang hier wieder nach Bochum eingezogen sein müssen. Ebenfalls 2013 wurde ein kleines stadtgeschichtliches Museum an der Großen Beckstraße eingeweiht.
Ausrichterin und Organisatorin ist die Bochumer Maiabendgesellschaft 1388. Sie wurde mit Genehmigung der britischen Militärregierung am 9. März 1948 gegründet und sorgt für die Bewahrung und Fortführung der Traditionen. Auch wenn es sich nicht um einen Schützenverein handelt, werden die Mitglieder traditionell als „Maischützen“ bezeichnet.
Die Mitgliedschaft in der Maiabendgesellschaft steht jedem „unbescholtenen Bürger“ offen und ist nicht an den Wohnort gebunden. Auch juristische Personen können Mitglied werden. Die Führung der Gesellschaft obliegt einem Junggesellenhauptmann, der von einem Junggesellenadjutanten unterstützt wird, sowie Hauptleuten, die die vier Kompanien anführen.
Herrmann Möller (1948), Heinz Ostmeier (1949–50), Werner Siepe (1951), Heinz Flake (1952), Willi Hölting (1953–57), Gustav Turowski (1958), Heinrich Herbsthoff (1959), Dieter Borgmann (1960–61), Heinz Tepel (1962), Jochen Menne (1963), Heinrich Herbsthoff (1964), Günther Pieper (1965–66), Peter Hübner (1967–68), Dirk Kramer (1969), Hans-Jürgen Blum (1970), Erich Mansfeld (1971), Heinz-Jürgen in der Beek (1972–76), Ludger Guntermann (1977), Ewald Fischer (1978–81), Ernst-Dieter Ludwig Pfeiffer (1982), Hans-Peter Münnich (1983), Ernst-Dieter Ludwig Pfeiffer (1984), Norbert Hagenböhmer (1985–88), Rainer Pilarczyk (1989–91), Michael Dröge (1992–94), Oliver Stang (1995–97), Jens Herbsthoff (1998–99), Thorsten Horn (2000–04), Klaus Liermann (2005–06), Stefan Vahldieck (2007–08), Jean-Pascal Lohof (2009–11), Thorsten Horn (2012), Dominik Braun (2013–17), Stephan Klünder (2018–19), Meiko Krämer (2020–Heute)
Die Eichen werden in der Regel in der Innenstadt gepflanzt. An drei Orten, an der Huestraße, an der Grabenstraße und am Platz am Kuhhirten, werden die Spender, in der Regel Firmen aus Bochum, benannt.
Folgende Spender sind vermerkt: Flasche Haushaltstechnik (1996), Fa. Baltz (1997), Ingenieurbüro Liermann (1998), Fa. Braun Druck Bochum (1999) Opel Werk Bochum (2000), Fa. Fischer und Söhne (2001), Sparkasse Bochum (2002), Privatbrauerei Moritz Fiege (2003), Brikhoff’s Brauerei (2004), Stadtwerke Bochum (2005), BP Deutschland (2006), Häusser Bau (2007), EGR EntwicklungsGesellschaft Ruhr-Bochum mbh (2008), Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH (2009), Fa. Heintzmann (2010), USB Bochum (2013), VfL Bochum (2014), Knappschaft Bahn See (2015), Katholisches Klinikum Bochum (2016), Augusta-Kranken-Anstalt Bochum (2017), kikkomann (2018), Bollmann Gruppe (2019), CDU Bochum (2022), WAZ Bochum (2023), Westfield Ruhr Park (2024), Leon Goretzka (2025)
