Pedogenese

Die Pedogenese oder Bodenbildung bezeichnet den Prozess der Entstehung von Böden. Im Zuge der Bodenentwicklung kommt es zur Ausbildung und Veränderung von Bodenhorizonten bzw. deren Abfolgen, den Bodenprofilen. Man bezeichnet diesen Prozess auch als Profildifferenzierung, da die Bodenprofile in der Regel mit ihrer Entwicklung an Komplexität zunehmen.

Der Begriff der Bodenentwicklung umfasst dabei die Prozesse der Bodenbildung und stellt diese in einen allgemeinen Rahmen. Typische Stadien der Bodenentwicklung werden in der Bodenkunde als Bodentypen klassifiziert.

Faktoren der Bodenbildung

Allgemein werden in der Bodenkunde fünf Faktoren unterschieden, aus deren Einfluss die Bodenbildung resultiert. Dabei kommen trotz unterschiedlicher Gewichtung immer alle Faktoren gleichzeitig zum Tragen:

Diese fünf Faktoren werden nach den englischen Begriffen (climate, organics, relief, parent material und time) auch als clorpt-Konzept bezeichnet.

Seit einiger Zeit wird zusätzlich zu diesen fünf Faktoren der Einfluss des Menschen als sechster Faktor angesehen. Durch menschliche Tätigkeiten werden mittlerweile weltweit Böden durch Tiefbaumaßnahmen, Erosionsbeschleunigung, Bodenbearbeitung oder Zufuhr technogener Materialien wie Müll beeinflusst.

Die folgende Tabelle zeigt typische Beispiele, in denen ein Bodentyp von einem Faktor der Bodenbildung dominiert wird.

Entscheidender Faktor Bodentyp Typische Bedingungen/Orte
Zonale Böden
Klima Ferralsol

Cryosol

Terra rossa

Schwarzerde

Immerfeuchte Tropen

Tundra, Hochgebirge

Mittelmeerklima

Steppenklimate

Azonale Böden
Lebewesen Moorboden Hochmoore, Niedermoore
Relief flachgründige Böden

Auenböden

Gleye

Hänge

breite Flusstäler

Senken mit hohem Grundwasserspiegel

Ausgangsmaterial Podsol

Pelosol

kalkarmes Lockermaterial wie Sand

hohe Tongehalte

Zeit Podsol

Regosol

älterer Standort auf Sand

sehr junger Standort auf Sand

Menschliche Aktivität Tiefumbruchboden

Plaggenboden

Reduktosol

Boden nach Tiefpflügen

Boden nach Plaggendüngung

Müllhalden

Bodenbildungsprozesse

Bei den folgenden Prozessen der Bodenbildung sind verschiedene Bodenbildungsfaktoren beteiligt. Dabei wird zwischen Transformation (stoffliche Veränderung) und Translokation (räumliche Veränderung) unterschieden.

Transformation

Die Prozesse der stofflichen Veränderung im Boden stehen nie für sich alleine. Es handelt sich vielmehr um aufbauende und abbauende Prozesse, die gegeneinander arbeiten.

Translokation

Bei der Translokation gehen Stoffe in Lösung (Mobilisierung) und ändern anschließend ihre Position.

Bedeutung für die Bodenansprache

Überwiegend genetische Bodenklassifizierungen wie die Deutsche Bodensystematik orientieren sich bei der Einteilung der Bodentypen an den (in der Vergangenheit vollzogenen) Bodenbildungsprozessen. Sie sind oft sehr exakt, setzen aber ein hohes Basiswissen über Böden voraus und sind für Laien schwer verständlich. Überwiegend diagnostische Bodenklassifizierungen wie das US-amerikanische System basieren fast nur auf vorhandenen Merkmalen. Sie können daher ohne jegliche Kenntnis der Bodengenese angewendet werden. In einigen Systemen wie der internationalen Bodenansprache WRB werden sowohl genetische als auch diagnostische Merkmale genutzt.

Bodenentwicklungsreihen

Wenn die bodenbildenden Faktoren und Prozesse bekannt sind, kann nach genauer Betrachtung eines Standorts auch ohne nähere Untersuchung entschieden werden, welche Bodentypen in Frage kommen und höchstwahrscheinlich vorliegen. Da die Faktoren Klima, Relief, Ausgangsmaterial und Zeit in Kombination nur bestimmte Entwicklungen zulassen, wird von Bodenentwicklungsreihen (Sequenzen) gesprochen. In bestimmten Regionen kommen immer die gleichen Böden vor (Bodenvergesellschaftung).

Zeitliche Entwicklungsreihen (Chronosequenzen)

Unter bestimmten Klimaverhältnissen machen Böden auf verschiedenen Ausgangsmaterialien immer eine vergleichbare Entwicklung durch, an deren Ende die Klimaxböden stehen. In ihnen laufen nach wie vor bodenbildende Prozesse ab, diese führen aber nur noch zu einer Vertiefung der Merkmale und nicht mehr zur Umwandlung in andere Bodentypen. Im Folgenden sollen einige Chronosequenzen schematisch aufgeführt werden, die typisch für Mitteleuropa sind:

Sandstein: Gestein → Syrosem → Ranker → Braunerde → Parabraunerde → Podsol

Sand: Sand → Lockersyrosem → Regosol → Braunerde → Parabraunerde → Podsol

Kalkstein (tonhaltig): Gestein → Syrosem → Rendzina → Terra fusca

Tonstein (kalkarm): Gestein → Syrosem → Ranker → Pelosol → Pseudogley

Löss (mergelig): Löss → Lockersyrosem → Pararendzina → Braunerde (feuchter) oder Schwarzerde (trockener) → Parabraunerde → Podsol → Pseudogley

Meeressedimente: Watt → Rohmarsch → Kalkmarsch → Kleimarsch → Altmarschböden wie Knickmarsch, Dwogmarsch oder Organomarsch

Landschaftliche Entwicklungsreihen (Reliefsequenzen)

In Mitteleuropa finden sich je nach Landschaft typische Böden.

Altmoränen-Landschaft

Flusslandschaften der Auen

In zunehmender Entfernung zum Fluss Gley und Niedermoor

Schichtstufenlandschaft der Mittelgebirge

Meeressedimente (Marschland):

Klimatische Entwicklungsreihen (Klimasequenzen)

Obwohl das Klima in Mitteleuropa insgesamt recht ähnlich ist, sind Einflüsse auf die Bodenentwicklung auch kleinräumig nachweisbar.

Ein Beispiel ist die Bodenentwicklung in den deutschen Bördenlandschaften. Die dortigen Böden entstanden auf Löss, der während der letzten Eiszeit vor den Mittelgebirgen angeweht wurde. Sie sind noch so jung, dass sie nicht ihr Klimaxstadium (Pseudogley) erreicht haben. Je feuchter es nach Westen hin wird, desto weiter haben sie sich entwickelt.

Als weiteres Beispiel kann die Entstehung von Podsolen (Klimaxstadium auf Sand) genannt werden. Im regenreichen Nordwesten Deutschlands ist die Podsolierung bereits weit fortgeschritten. Ganz im Osten ist es deutlich trockener. Dort liegen auf gleich alten Sanden noch verstärkt Braunerden vor.

Siehe auch

Literatur

Allgemein
Spezielle und angrenzende Themen

Einzelnachweise

  1. ↑ Tote Bakterien machen Böden fruchtbar. www.pflanzenforschung.de. Abgerufen am 31. Januar 2013.