Boerhavia

Boerhavia

Boerhavia diffusa, Illustration von Francisco Manuel Blanco

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Wunderblumengewächse (Nyctaginaceae)
Gattung: Boerhavia
Wissenschaftlicher Name
Boerhavia
L.

Die Boerhavia sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Wunderblumengewächse (Nyctaginaceae).

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Boerhavia-Arten sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Viele Arten verholzen zumindest an ihrer Basis. Sie bilden lange seilartige oder spindelförmige Pfahlwurzeln aus. Die unverzweigte, zwischen den Arten sehr variable Sprossachse kann kriechend, herabhängend, kletternd oder aufrecht sein. Bei einigen Arten sind die Internodien klebrig.

Bei den gestielten, gegenständig angeordneten Laubblättern sind die Blätter eines Paares verschieden groß. Die Gestalt der Spreite variiert stark über die Arten und kann sehr dünn, oder dick und fleischig sein. Die Form ist symmetrisch oder asymmetrisch.

Generative Merkmale

Die end- oder seitenständigen Blütenstände sind gestielt oder nicht klar, durch eine fortlaufende diffuse Verzweigung, gestielt. Auch die Gestalt des Blütenstands variiert stark über die einzelnen Arten, er ist häufig breit cymoid oder in der Form eines Thyrsus. Endständige Blütenstände können zymoid, rispig, ährig, schirmrispig oder kopfig sein. Ein bis drei schlanke, lanzettförmige und durchscheinende Tragblätter stehen unter jeder Blüte.

Die Blüten sind zwittrig. Es ist nur ein Kreis verwachsener Blütenhüllblätter vorhanden. Die radiärsymmetrische oder leicht zygomorphe Blütenhülle ist glockenförmig oder breit röhrenförmig, und oberhalb des Fruchtknotens eingeschnürt. Die Blütenröhre erweitert sich abrupt in vier oder fünf Lappen. Jede Blüte enthält zwei bis acht Staubblätter, die aus der Blüte herausragen können. Bei einigen Arten ist der Griffel länger als die Staubblätter, überragt sie also. Die kopfige Narbe ist schildförmig gewölbt.

Die Früchte sind wie bei den Wunderblumengewächsen typisch Anthokarp (Scheinfrucht), das heißt Früchte, bei denen die Blütenhülle den Fruchtknoten eng umschließt und damit zu einem Teil desselben wird. Sie sind eiförmig bis ellipsoid und oft sehr variabel. Häufig sind sie drei- oder fünfrippig oder -flügelig.

Standorte

Boerhavia-Arten sind in den ganzen Tropen und Subtropen sowie in den warmen Gebieten der gemäßigten Zonen heimisch. Boerhavia-Arten gedeihen oft auf sandigen Böden.

Boerhavia repens
Boerhavia acutifolia
Habitus und Laubblätter Boerhavia coccinea
Blütenstand von Boerhavia coccinea
Boerhavia diffusa
Boerhavia erecta
Habitus von Boerhavia intermedia

Systematik

Die Gattung Boerhavia wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1. Auflage, Seite 3 und 1754 Genera Plantarum 5. Auflage, Stockholm, Seite 9 aufgestellt. Die Gattung Boerhavia ist nach dem niederländischen Mediziner und Botaniker Herman Boerhaave (1668–1738) benannt, der sich allerdings mit doppel-a schreibt. Viele Autoren, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, haben die Schreibung Linnés nach Boerhaavia korrigiert, Boerhaavia Mill., orth. var. Diese Schreibweise hat sich aber nicht durchgesetzt.

Die Gattung Boerhavia gehört zur Tribus Nyctagineae in der Familie Nyctaginaceae.

Die Gattung Boerhavia ist morphologisch sehr variabel, entsprechend schwierig gestaltet sich auch die Abgrenzung gegenüber verwandten Gattungen. Francis Raymond Fosberg zum Beispiel stellt die Gattungen Anulocaulis, Commicarpus und Cyphomeris zu den Boerhavia, dieser Ansicht wird aber im Allgemeinen nicht mehr gefolgt.

Auch innerhalb des Artniveaus variieren die einzelnen Pflanzen stark. Vor allem die Arten in der Sonora-Wüste und der pantropische Boerhavia diffusa – Boerhavia coccinea-Komplex sind oft so verschieden, dass sie sich kaum einordnen lassen.

Die Gattung Boerhavia enthält 20 bis 40 Arten. Hier eine Auswahl:

Nicht mehr zur Gattung Boerhavia gehört:

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Boerhavia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 24. Oktober 2018.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Boerhavia im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 17. September 2017.
  3. ↑ N. A. Harriman: Synopsis of New World Commicarpus (Nyctaginaceae). In: Sida. Band 1, 1999, S. 678–684.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Richard W. Spellenberg: Nyctaginaceae.: Boerhavia Linnaeus., S. 17–25 – textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 4: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1. Oxford University Press, New York und Oxford, 2003, ISBN 0-19-517389-9.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Boerhavia bei Tropicos.org. In: Vascular Plants of the Americas. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  6. 1 2 3 Boerhavia – Datenblatt bei Flora of the Hawaiian Islands, Version 1.3, 12. April 2012.
  7. 1 2 3 4 Boerhavia bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  8. 1 2 3 4 5 6 7 8 M. Struwig, S. J. Siebert: A taxonomic revision of Boerhavia (Nyctaginaceae) in southern Africa. In: South African Journal of Botany, Volume 86, Mai 2013, S. 116–134, doi:10.1016/j.sajb.2013.02.172.
  9. 1 2 3 4 5 Dequan Lu, Michael G. Gilbert: Nyctaginaceae.: Boerhavia Linnaeus., S. 430 – textgleich online wie gedrucktes Werk. In: Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003, ISBN 1-930723-27-X.
  10. ↑ S.-H. Chen, M.-J. WU: A taxonomical study of the genus Boerhavia (Nyctaginaceae) in Taiwan. In: Taiwania, Volume 52, Issue 4, 2007, S. 332–342.
Commons: Boerhavia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien