Bohunicien

Die namengebenden Fundstelle in Bohunice

Das Bohunicien ist eine sogenannte „Übergangsindustrie“ zwischen Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum im östlichen Mitteleuropa. Es ist nach dem Fundplatz Bohunice benannt, einem Stadtteil von Brünn in Tschechien. Es wird auf etwa 43.000 bis 35.000 Jahre vor heute datiert und ist damit etwa zeitgleich dem westeuropäischen Châtelperronien und Aurignacien.

Es fanden sich Blattspitzen, Spitzen, Schaber und Kratzer, gezähnte Stücke und Klingen. Oft, aber nicht ausschließlich, wurde die Levalloistechnik verwendet, die vor allem vom Neandertaler genutzt wurde. Die Verbindung zwischen Levalloistechnik und jungpaläolithischem Klingenabbau zeigt Merkmale beider Traditionen.

Eine weitere wichtige Fundstelle ist der Stránská skála am Stadtrand von Brünn, wie die meisten anderen Fundorte in Mähren gelegen. Weitere Funde sind auch entlang eines schmalen Korridors über Ungarn bis in die Ukraine bekannt. Die Freilandfundstelle "Herrnsaal" bei Kelheim in Bayern erbrachte das bislang westlichste Bohunicien-Inventar.

Literatur

Commons: Bohunicien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Thorsten Uthmeier, Andreas Pastoors, Neda Rahimzadeh, Marcel Weiß: Bayerische Archäologie 4/2024. Hrsg.: Roland Gschlößl. Verlag Friedrich Pustet, Mainburg 2024, ISBN 978-3-7917-4031-7, Frühe Homo sapiens sapiens 450 km weiter westlich als gedacht, S. 28–29.