Bolivar ist ein 1954 veröffentlichtes Konzertstück des britischen Komponisten und Dirigenten Eric Cook für Soloposaune, das in Fassungen mit Klavier oder Blasorchester gespielt wird. Das virtuose Werk ist nach Simón Bolívar benannt und zeichnet dessen heroisches Bild mit prägnanten Tanzrhythmen, kräftigen Klangwirkungen und einer solistischen Kadenz nach.
Cook schrieb Bolivar Anfang der 1950er-Jahre zunächst für Soloposaune und Konzertblasorchester; seine eigene Fassung für Posaune und Klavier erschien 1954 bei Boosey & Hawkes in London. Eine von Norman Richardson eingerichtete Blasorchesterfassung wurde 1955 in London veröffentlicht. Bertrand Moren schuf spätere Fassungen für Posaune mit Blasorchester und mit Klavier, die Editions Marc Reift verlegte. Eine weitere Bearbeitung von Elisabeth Shafer gelangte in das Repertoire des Blechbläserquintetts Seraph Brass.
Die Klavierfassung beginnt mit der Tempobezeichnung Allegro moderato bei einer punktierten Halben von 60 Schlägen pro Minute und bewegt sich zwischen Drei-Viertel- und Sechs-Achtel-Takt. Formal gliedert sich das einsätzige Stück in eine kurze Einleitung, einen A-Teil, einen kontrastierenden B-Teil mit Kadenz, die Reprise des A-Teils und eine Coda. Das Hauptthema steht in D-Dur; harmonische Kontraste entstehen durch Es-Dur als neapolitanischen Gegenklang, eine Modulation nach B-Dur und einen Wechsel nach d-Moll. Die Kadenz beginnt in Takt 93 und endet in Takt 113, bevor die Reprise zur abschließenden Coda führt, in der Soloposaune und Begleitung ein Frage-und-Antwort-Spiel entfalten. Kennzeichnend sind lateinamerikanisch gefärbte Rhythmen, markante Klangblöcke, elegant geführte Sololinien und Lippentriller im Hauptthema und in der Kadenz; der Hauptrhythmus wurde zudem als Sevillana charakterisiert. Für Morens Blasorchesterfassung gibt der Verlag eine Spieldauer von 3 Minuten und 23 Sekunden sowie einen mittleren Schwierigkeitsgrad an.
Bolivar etablierte sich als beliebtes Schaustück der Posaunenliteratur und wurde auch auf andere Instrumente und Blechbläserbesetzungen übertragen. Das Posaunenquartett der St. Louis Symphony nahm das Werk 2009 in ein Konzert an der Washington University in St. Louis auf. Im April 2024 spielten der Posaunist Peter Moore und die Pianistin Zeynep Özsuca die Klavierfassung in der Londoner Wigmore Hall.