Bolsi (auch: Bolsi I, Bolssi) ist ein Dorf in der Landgemeinde Torodi in Niger.
Geographie
Das Dorf befindet sich rund 65 Kilometer nordwestlich des urbanen Zentrums von Torodi, des Hauptorts der gleichnamigen Landgemeinde und des gleichnamigen Departements Torodi, das zur Region Tillabéri gehört. Zu den Siedlungen in der näheren Umgebung von Bolsi zählen Alfassi im Nordwesten, Bossey Bongou im Nordosten, Mamassi im Osten, Kourfa im Südosten sowie Kakou, Déba und Kokoloko im Südwesten.
Bolsi liegt auf einer Höhe von 243m. Das Dorf ist Teil der Übergangszone zwischen Sahel und Sudan. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt hier zwischen 500 und 600mm.
Geschichte
Bolsi wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Gourmantché besiedelt, die aus Namaro von Songhai verdrängt worden waren.
Die Region Tillabéri und insbesondere das Departement Torodi waren ab 2019 verstärkt der Gefährdung durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen ausgesetzt. Diese äußerte sich in Angriffen, Morden, Entführungen, Plünderungen und Einschüchterungen. Anfang 2021 kam eine solche Gruppe nach Bolsi, um den diensthabenden Sanitäter zur Krankenbehandlung heranzuziehen. Da dieser abwesend war, forderten die Angreifer die Bevölkerung auf, bis zu ihrer Rückkehr das Dorf zu verlassen. Drei Tage später hatten die Einwohner dem nicht Folge geleistet, woraufhin die Kriminellen zehn Menschen aus dem Dorf, vor allem Buben, entführten. Attacken bewaffneter Gruppen auf mehrere Dörfer lösten im Februar 2022 eine Fluchtbewegung von über 2000 Menschen aus Bolsi und 14 weiteren Siedlungen in der Gegend in den Departementshauptort Gothèye aus. Mitglieder der Terrororganisation Dschamāʿat Nusrat al-Islām wa-l-Muslimīn töteten am 13. Mai 2022 in Bolsi fünf Personen, darunter den Ortsvorsteher. Daraufhin flohen erneut Dorfbewohner aus Bolsi in andere Orte. Eine 2025 durchgeführte Untersuchung der nigrischen Regierung mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen stufte Bolsi als einen der 1285 Orte in Niger ein, die in Hinblick auf die Ernährungssicherheit äußerst verwundbar waren.
Bevölkerung
Bei der Volkszählung 2012 hatte Bolsi 1768 Einwohner, die in 175 Haushalten lebten. Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 1461 in 155 Haushalten und bei der Volkszählung 1988 belief sich die Einwohnerzahl auf 921 in 102 Haushalten.
Wirtschaft und Infrastruktur
In Bolsi wird ein Wochenmarkt abgehalten. Hier werden unter anderem Kalebassen gehandelt, die in der Umgebung des Dorfes hergestellt werden. Der Markttag ist Donnerstag. Mit einem Centre de Santé Intégré (CSI) ist ein Gesundheitszentrum im Ort vorhanden. Es gibt eine Schule.
↑Julien Rechenmann:Catalogue des stations gravimétriques réoccupables en Afrique Occidentale. Mesures effectuées de 1953 à 1965. ORSTOM, Bondy 1966, S.74 (web.archive.org[PDF; abgerufen am 14.April 2024]).
↑Damien Hauswirth, Hassane Yayé, Abdoulaye Sambo Soumaila, Badamassi Djariri, Issaka Lona, Malam Boukar Abba:Appui à la formulation concertée de la SPN2A pour la République du Niger. Identification et évaluation des options d’agriculture intelligente face au climat prioritaires pour l’adaptation face aux changements climatiques au Niger. Volume 2: Annexes. Ministère de l’Environnement, de la Salubrité Urbaine et du Développement Durable / Ministère de l’Agriculture et de l’Elevage / Conseil National de l’Environnement pour un Développement Durable / Haut-Commissariat à l’Initiative 3N / AFD / Facilité Adapt’Action / Baastel – BRL – ONFI, Niamey / Brüssel 2020, S.7 (spn2a.org[PDF; abgerufen am 7.Juli 2024]).
↑Christian Santoir:Le long chemin des Gurmaaƃe. La dérive migratoire des Peuls du Gurma burkinabé. In Zusammenarbeit mit Germain Guiré und Sékou Sy. Institut de recherche pour le développement (IRD), Ouagadougou 1998, S.3 (horizon.documentation.ird.fr[PDF; abgerufen am 15.Juli 2024]).
↑Boubacar Bondabou:Endémie onchocerquienne au Niger. Prospection dans la vallée du bas-Goroubi. Dissertation. Faculté de médecine, Université de Montpellier, Montpellier 1984, S.16–17 (indexmedicus.afro.who.int[PDF; abgerufen am 14.Juli 2024]).
↑Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S.255 (web.archive.org[PDF; abgerufen am 2.April 2023]).
↑Dissirama Sabine Attama, Rita Dorigo, Toyé Amina Kiepin:Programme de Formation Modulaire en faveur de l’Artisanat Rural: Rapport de la mission d’identification dans la région de Gothèye et dans le Liptako Gourma. RESEDA, Niamey April 1994, S.10 (web.archive.org[MS WORD; abgerufen am 16.Juli 2024]).
↑Niger DSS.In:Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS).Ministère de la Santé Publique, République du Niger,archiviertvomOriginalam8.Januar 2023;abgerufen am 14.April 2024(französisch).