
Der Bombay-Brief oder Jerrom-Brief ist ein bedeutendes philatelistisches Ganzstück. Es handelt sich um einen nach Bombay, dem heutigen Mumbai, adressierten Faltbrief, der mit zwei Exemplaren der Roten Mauritius frankiert ist. Die beiden Marken gehören zur sogenannten Post-Office-Ausgabe von Mauritius aus dem Jahr 1847 und werden in der von Jean-Baptiste Moens eingeführten Nummerierung als Exemplare XVIII und XIX geführt.
Der Brief zählt zu den bekanntesten erhaltenen Belegen mit Mauritius-Post-Office-Marken. Nach Angaben des Auktionshauses David Feldman sind nur wenige Briefe mit Marken dieser Ausgabe erhalten, darunter der Bombay-Brief mit zwei 1-Penny-Marken nach Bombay.
Der Bombay-Brief ist ein Faltbrief mit zwei postalisch verwendeten 1-Penny-Marken der Roten Mauritius. Die beiden Marken sind rechts oben nebeneinander aufgeklebt. Auffällig sind die im Vergleich zu anderen erhaltenen Mauritius-Post-Office-Marken breiten Ränder der beiden Exemplare.
Die Marken sind mit Entwertungen aus parallelen Balken versehen. Auf der rechten Marke befindet sich außerdem ein Teilabschlag einer „2“ in einem einfachen Kreis. Auf der Vorderseite des Briefes befindet sich ein gekrönter, doppelt gerahmter Rundstempel „MAURITIUS GPO“ mit dem Datum 4. Januar 1850.
Adressiert war der Brief an „Thos. Jerrom Esqr., Secretary to the Bombay Auxiliary Bible Society, The Esplanade, Bombay“. Nach Angaben der Briefmarken-Weltausstellung Praga 2018 wurde er am 4. Januar 1850 von Reverend L. Banks auf Mauritius an die Auxiliary Bible Society in Bombay gesandt.
Der Brief wurde 1897 von Charles Howard auf einem Basar in Bombay entdeckt. Howard erwarb ihn zusammen mit weiteren Briefen; die in der Literatur genannten Beträge für diesen Fund schwanken erheblich. 1898 verkaufte der britische Briefmarkenhändler W. H. Peckitt den Brief für 1.600 Pfund Sterling an und anschließend für 1.800 Pfund an Vernon Roberts weiter. 1905 kaufte Peckitt den Brief für 2.000 Pfund zurück; 1906 gelangte er für 2.200 Pfund an den amerikanischen Sammler George H. Worthington.
1917 erwarb Alfred F. Lichtenstein Teile der Sammlung Worthingtons, darunter auch den Mauritius-Bestand. Nach Lichtensteins Tod ging die Sammlung an seine Tochter Louise Boyd Dale über. Bei der Versteigerung der Dale-Lichtenstein-Sammlung im Jahr 1968 wurde der Jerrom-Brief für 380.000 US-Dollar von Raymond H. Weill Co. aus New Orleans erworben.
1989 wurde der Brief bei Christie’s Robson Lowe in Zürich angeboten, jedoch bei einem Preis von 2,6 Millionen Schweizer Franken zurückgezogen. 1990 wurde er privat von Chan Chin Cheung erworben; 1996 kaufte ihn der italienische Händler Guido Craveri.
Im Jahr 2016 gelangte der Bombay-Brief in Schweizer Privatverkauf an einen anonymen tschechischen Sammler. Der Kaufpreis wurde mit 2,4 Millionen Euro angegeben. 2018 wurde der Brief auf der Briefmarken-Weltausstellung Praga 2018 in Prag gezeigt.
Die besondere Bedeutung des Bombay-Briefs ergibt sich aus der Verbindung mehrerer Merkmale: Er trägt zwei Exemplare der seltenen Roten Mauritius, ist als vollständiger postalischer Beleg erhalten und besitzt eine dokumentierte Provenienz seit seiner Wiederentdeckung im späten 19. Jahrhundert. Innerhalb der bekannten Mauritius-Post-Office-Stücke nimmt er damit eine herausgehobene Stellung ein.