Boris Greverus

Boris Greverus, bürgerlich Fritz Pokropp (* 18. Dezember 1902 in Dworatzken, Provinz Ostpreußen; † 14. September 1976 in Berlin-Reinickendorf) war ein deutscher Sänger in der Stimmlage Tenor. Von 1933 bis 1936 nutzte er die Namensform Bodo Greverus.

Leben und Wirken

In einer Werbung für seine Schallplatten heißt es: „Der Künstler ... stammt aus dem russischen Hochadel und mußte in der Revolution aus seiner Heimat fliehen“, eine Aussage die zweifelhaft ist, da er in einem kleinen Dorf in Ostpreußen geboren wurde. In Berlin erhielt er kostenlosen Gesangsunterricht bei dem renommierten Pädagogen Ernst Grenzebach. Ein erster Auftritt ist dort im Frühjahr 1926 in einen Konzert nachgewiesen, sein Bühnendebüt hatte Greverus im Herbst 1929 am Nationaltheater Mannheim als Hermann in Tschaikowskys „Pique Dame“. Nach einer Saison am Stadttheater Essen ging er nach Prag und dann nach Graz. 1933 wurde er am Landestheater Wiesbaden engagiert. In jener Zeit war er Mitglied der NSDAP. Wegen vorgeworfener Homosexualität wurde er Anfang 1936 zusammen mit dem Bühnenbildner Lothar Schenck von Trapp verhaftet, für 9 Monate inhaftiert und nach seiner Freilassung im selben Jahr entlassen. Er ging darauf nach Berlin an das Theater der Jugend, ab 1938 wirke er gastierend. Von 1945 bis 1951 war Greverus Mitglied der Städtischen Oper in West-Berlin. Im Mai 1951 wurde er „wegen ehrverletztender Äußerungen über den Interdanten Heinz Tietjen und mehrere weibliche Angehörige des Ensembles“ fristlos entlassen. Von 1961 bis zu seinem Rückzug von der Bühne 1964 gehörte er zum Ensemble des Theater des Westens. Hier wirkte er 1961 in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicals My Fair Lady mit.

Repertoire (Auswahl)

Diskografie

Ultraphon

Boris Greverus mit Mitgliedern des Orchesters der Städtischen Oper Berlin, Dirigent Selmar Meyrowitz.

Rundfunk (live)

Philips

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Greverus/Pokropp in Arolsen Archives
  2. ↑ Standesamt Berlin-Reinickendorf, Sterbeurkunde Nr. 2299 von 17. September 1976 (Landesarchiv Berlin)
  3. ↑ Ultraphon Musikplatten 1931–32, S. 100
  4. ↑ Signale für die musikalische Welt vom 14. April 1926, S. 574
  5. ↑ Neue Mitglieder des National-Theaters. In: Neue Mannheimer Zeitung, Mittags-Ausgabe vom 5. September 1929, S. 4
  6. ↑ Deutschland-Bericht der Sopade (Sozialdemokratischen Partei Deutschlands). Prag, 3. Jg. Nr. 2 vom Februar 1936, S. A 79
  7. ↑ Pokropp, Fritz in Fred K. Prieberg: Handbuch deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Ausgabe, 2. Edition 2009. ISBN 978-3-00-037705-1, S. 9392 (online)
  8. ↑ Alan Steinweis: Art, ideology & economics in Nazi Germany: the Reich chambers of Music, Theater and the Visual Arts. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1993, ISBN 0-8078-2104-7, S. 130
  9. ↑ Detlef Meyer zu Heringdorf: Das Charlottenburger Opernhaus von 1912 bis 1961. Dissertation. Deutsche Oper Berlin 1988, ISBN 3-926412-07-0, S. 617
  10. ↑ Telegraf, Berlin vom 18. Dezember 1951, S. 6
  11. ↑ Musicallexikon des Zentrums für Populäre Kultur und Musik
Personendaten
NAME Greverus, Boris
ALTERNATIVNAMEN Pokropp, Fritz; Greverus, Bodo
KURZBESCHREIBUNG deutscher Sänger
GEBURTSDATUM 18. Dezember 1902
GEBURTSORT Dworatzken
STERBEDATUM 14. September 1976
STERBEORT Berlin-Reinickendorf