Boris Ruge

Boris Ruge (2020)

Boris Ruge (* 18. April 1962 in Köln) ist ein deutscher Diplomat. Seit 2026 ist er deutscher Botschafter in der Ukraine.

Leben

Boris Ruge ist der Sohn von Fredeke Gräfin von der Schulenburg und dem Journalisten Gerd Ruge sowie Bruder der Verlegerin Elisabeth Ruge. Sein Großvater mütterlicherseits war Fritz-Dietlof von der Schulenburg, der am Attentat vom 20. Juli 1944 beteiligt war. Infolge der Tätigkeit des Vaters beim ARD-Auslandsstudio in Washington, D.C. verbrachte Ruge die ersten Jahre seines Lebens in den Vereinigten Staaten. Um 1970 kehrte die Familie nach Deutschland (Bad Godesberg) zurück. Da der Vater viel auf Reisen war, gingen Boris Ruge und seine Schwester auf das Internat der Odenwaldschule in Hessen. Nach dem Abitur und dem Grundwehrdienst bei der Luftwaffe begann er 1983 ein Geschichtsstudium an der Universität zu Köln, das er zwischen 1985 und 1988 an der University of North Carolina at Chapel Hill und am Bologna Center der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University fortsetzte; in Bologna studierte Ruge Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre.

Laufbahn

1989 trat Ruge in den höheren Auswärtigen Dienst ein. Nach dem Vorbereitungsdienst (Attachéausbildung) war er bis 1992 Referent in der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes in Bonn. Im Anschluss war Ruge bis 1996 als Politischer Referent und Mitglied der Sicherheitsrats-Delegation der Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York City eingesetzt. Zwischen 1996 und 1999 war er Leiter der Presse-, Kultur- und Konsularreferate der Botschaft in Dänemark. 1999, während der Operation „Allied Force“ im Kosovo, war Ruge Verbindungsbeamter beim „Media Operations Center“ im NATO-Hauptquartier in Brüssel und, nach Verlegung der NATO-Truppen, im Hauptquartier der KFOR (Kosovo Force) in Pristina.

Nach einer Verwendung im Personalreferat des Auswärtigen Amtes war Ruge von 2001 bis 2002 als Erster Politischer Berater beim Kommandeur der KFOR im Kosovo tätig. Danach war er von 2002 bis 2005 Stellvertretender Referatsleiter für Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Auswärtigen Amt. 2005 absolvierte er einen Jahreskurs am Royal College of Defence Studies (RCDS) in London. Von 2006 bis 2008 war er Leiter der Politischen Abteilung im Büro der Hohen Repräsentanten und EU-Sonderbeauftragten in Bosnien und Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling und Miroslav Lajčák.

2008 kehrte Ruge ins Auswärtige Amt nach Berlin zurück. Bis 2011 leitete er das Referat Nahost und war danach bis 2014 Beauftragter für Nah- und Mittelost und Maghreb. Im Juni 2014 wurde Ruge Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Saudi-Arabien. Er wurde damit Nachfolger von Dieter W. Haller, der zum Leiter der Wirtschaftsabteilung im Auswärtigen Amt berufen wurde. Am 29. August 2014 war Ruge von König Abdullah ibn Abd al-Aziz zur Überreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen worden. Von 2016 bis 2019 war Ruge als Gesandter und Ständiger Vertreter des Botschafters an der Deutschen Botschaft Washington tätig.

Im Juni 2019 wurde Ruges Ernennung zum Stellvertretenden Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) bekanntgegeben. Als stellvertretender Vorsitzender war Ruge mitverantwortlich für die Veranstaltungen und Publikationen der Sicherheitskonferenz. Nach seiner Rückkehr zum Auswärtigen Dienst im April 2023 wurde Ruge im September 2023 zum beigeordneten Generalsekretär der NATO für politische Angelegenheiten und Sicherheitspolitik (Assistant Secretary General for Political Affairs and Security Policy) ernannt. Als solcher leitete er auch die Abteilung für politische Angelegenheiten und Sicherheitspolitik des Internationalen Stabes im NATO-Hauptquartier in Brüssel. Von September bis Dezember 2024 war Ruge zudem kommissarisch stellvertretender Generalsekretär der NATO.

Im Sommer 2026 wurde Ruge zum deutschen Botschafter in der Ukraine ernannt.

Familie

Ruge ist verheiratet und hat vier Kinder.

Mitgliedschaften

Ruge ist Mitglied im Beirat des New Bridge-Programms der Atlantik-Brücke. Ab 2005 war er Mitglied der Präsidialversammlungen des Deutschen Evangelischen Kirchentages. 2020 war er Mitglied der Distinguished Reflection Group on Transatlantic China Policy von Aspen Institute, Merics und MSC.

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Als Rentner ein Versager, tagesspiegel.de, 9. August 2008
  2. ↑ "Noch einmal etwas anderes machen". boersenblatt.net, 6. Februar 2014, abgerufen am 14. Februar 2022.
  3. ↑ Zeit-Magazin 30. August 2012, S. 46
  4. 1 2 3 4 5 Curriculum Vitae Boris Ruge. (PDF) securityconference.org, abgerufen am 16. Februar 2022.
  5. ↑ Botschafter Ruge überreichte Beglaubigungsschreiben in Riad/Saudi-Arabien (Memento des Originals vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (Bundesanzeiger vom 10. September 2014)
  6. ↑ Curriculum Vitae: Boris Ruge (Memento vom 23. Oktober 2016 im Internet Archive) (PDF)
  7. ↑ Münchner Sicherheitskonferenz erhält personelle Unterstützung aus dem Auswärtigen Amt. Abgerufen am 12. Juli 2019.
  8. ↑ Vorsitz und Team. (PDF) securityconference.org, abgerufen am 17. Februar 2022.
  9. 1 2 NATO: Ambassador Boris Ruge, Assistant Secretary General for Political Affairs and Security Policy. Abgerufen am 13. November 2024 (englisch).
  10. ↑ Acting NATO Deputy Secretary General Welcomes Montenegro’s Contributions to Stability in the Western Balkans. eutoday.net, 14. September 2024, abgerufen am 13. November 2024 (englisch).
  11. ↑ Paul-Anton Krüger, Matthias Gebauer: Ukraine: Boris Ruge wird neuer Botschafter Deutschlands in Kyjiw. In: Spiegel Online. 29. April 2026, abgerufen am 2. August 2026.
  12. ↑ Members of the Advisory Board. atlantik-bruecke.org, abgerufen am 17. Februar 2022.
  13. ↑ Sieben Neugewählte im Kirchentags-Präsidium: HÖPPNER Kirchentagspräsident. osthessen-news.de, 29. Oktober 2005, abgerufen am 17. Februar 2022.
  14. ↑ Mind the Gap: Priorities for Transatlantic China Policy. (PDF) securityconference.org, Juli 2021, abgerufen am 17. Februar 2022 (englisch).