Jacques Boucher de Perthes

Jacques Boucher de Perthes
Faustkeil von Menchecourt-lès-Abbeville, ausgestellt auf der Weltausstellung von 1867
Grab
Musée Boucher-de-Perthes in Abbeville

Jacques Boucher de Crèvecoeur de Perthes [buˈʃe dəˈpɛʀt] (* 10. September 1788 in Rethel, Département Ardennes; † 5. August 1868 in Abbeville) war ein französischer Zollbeamter.

Als einer der Ersten vertrat er seit den 1840er Jahren ein eiszeitliches und irrtümlich sogar bis ins Tertiär reichendes Alter menschlicher Werkzeuge. Er wurde durch die Entdeckung „vorsintflutlicher“ Artefakte aus Feuerstein in den Kiesgruben Menchecourt-lès-Abbeville und Moulin Quignon bei Abbeville (Picardie, Nordfrankreich) bekannt, die ab etwa 1860 allgemein anerkannt wurden.

Leben

Boucher war der älteste Sohn von Jules Armand Guillaume Boucher de Crèvecoeur und dessen Frau Étienne-Jeanne-Marie de Perthes. 1792 zog die Familie nach Abbeville, wo sein Vater zum Zolldirektor ernannt worden war. In Abbeville erhielt Boucher bis zum 14. Lebensjahr seine erste Ausbildung. 1805 wurde er als Zollleutnant nach Marseille geschickt. Die folgenden sechs Jahre bereiste Boucher Frankreich und Italien. 1811 erhielt er einen Posten in Boulogne-sur-Mer und bald darauf in Paris. 1812 wurde Boucher degradiert und nach La Ciotat geschickt. 1818 erhielt er durch einen königlichen Erlass die Erlaubnis seinen Nachnamen, den seiner Mutter hinzuzufügen. Neun Jahre verbrachte er in Morlaix, bevor er 1825 Nachfolger seines Vaters als Zolldirektor in Abbeville wurde.

Boucher veröffentlichte auch Romane, Reisebücher, Tragödien, Bücher über Ökonomie und Philanthropie.

In Abbeville war sein Vater 1797 einer der Gründer der Société d’émulation d’Abbeville, in deren Mémoires de la Société d'émulation d'Abbeville er veröffentlichte und deren Präsident er von 1830 bis 1865 war.

In den 1850er Jahren unternahm Boucher zahlreiche Reisen: durch Süd- und Osteuropa (1853), Skandinavien (1854), Spanien und Algerien (1855), Russland (1856) und die Britischen Inseln (1860).

Archäologische Entdeckungen

1838 fand Boucher de Perthes in den Kiesen der Somme und bei der Ausbaggerung des Sommekanals altsteinzeitliche Faustkeile und jungsteinzeitliche Steinbeile sowie Knochen ausgestorbener Tiere. 1847 verwendete er zu deren Datierung erstmals die stratigraphische Position. Seine Veröffentlichungen von 1846 stießen jedoch auf Ablehnung, da nach der Katastrophentheorie, die Georges Cuvier aufgestellt hatte, der Mensch erst nach der Sintflut und somit vor etwa 6000 Jahren erschaffen worden sei. Boucher de Perthes’ Publikationen darüber (zuerst 1847) enthalten allerdings sowohl Artefakte als auch unmodifizierte Kiesel.

Ein Umbruch bahnte sich 1855 ausgerechnet durch einen seiner Gegner an, den Geologen Marcel Jérôme Rigollot aus dem nahen Amiens – der andere war Albert Gaudry. Seine 35-jährige Sammeltätigkeit in den Kiesgruben von Saint-Acheul sollte Boucher de Perthes widerlegen. Doch die Feuersteingeräte, die er fand, überzeugten auch Rigollot von der Gleichzeitigkeit früher Menschen und ausgestorbener Tierarten. Ab 1858 kamen englische Wissenschaftler, darunter John Evans, Hugh Falconer und Joseph Prestwich, nach Abbeville und stellten sich nach der Besichtigung der Funde und Fundstellen auf seine Seite. Sie hatten, wie auch William Pengelly, bei sorgfältigen Ausgrabungen in der Kents Cavern ähnliche Funde gemacht, die in England das „vorsintflutliche“ Alter des Menschen und seine Koexistenz mit ausgestorbenen Tieren etablierten.

Ehrungen

Am 14. August 1863 wurde Boucher zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

Das Musée Boucher-de-Perthes in Abbeville ist nach ihm benannt.

Schriften (Auswahl)

Bücher

Reiseberichte

Liedtexte

Zeitschriftenbeiträge

Literatur

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Neuere

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag in der Base Léonore.
Commons: Jacques Boucher de Crèvecœur de Perthes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Personendaten
NAME Boucher de Perthes, Jacques
ALTERNATIVNAMEN Boucher de Crèvecoeur de Perthes, Jacques (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG französischer Beamter
GEBURTSDATUM 10. September 1788
GEBURTSORT Rethel
STERBEDATUM 5. August 1868
STERBEORT Abbeville