Brandeln

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Die Falschspieler (Gemälde um 1594)
Georges de la Tour: Der Falschspieler mit dem Karo-Ass
Gerrit van Honthorst: Die Falschspieler

Brandeln ist ein historisches Kartenspiel „rein deutschen Ursprungs“ für drei oder vier Personen, wobei stets der, der die höchste Ansage macht, gegen die anderen spielt. Es ist eines der ältesten Kartenspiele, das die Begriffe Bettel (alle Stiche verlieren) und Mord (alle Stiche gewinnen) kennt. Es wird noch in Deutschland und Österreich gespielt. 1829 sagte man, „seiner anständigen Raffinement und Scharfsinn beschäftigenden von allem Hazardartigen weit entfernten Tendenz wegen, verdiente dieses Spiel als eine der angenehmsten Kartenunterhaltungen noch um vieles verbreiteter zu seyn, als es wirklich ist...“

Name

Das Spiel wurde auch Brandl, Brändeln, Stichbrändeln, Stichbrandl, Brandelspiel, Brannten, Bränteln oder Betteln benannt. Laut Schmid war Brandeln „ein gewisser Kartenspiel“. Auch Schmeller bestätigt, dass brändeln bedeutet, eine Art Kartenspiel zu spielen, das auch Stichbrändeln genannt wurde.

Die Regeln

Die Karten

Man verwendet ein Paket zu 32 Blatt (zum Beispiel französische oder doppeldeutsche Spielkarten) und entfernt daraus die Achter, d. h. man spielt mit 28 Blatt. Je nach Variante können sich Abweichungen ergeben.

Die Rangfolge

In der Trumpffarbe gilt der Bube und danach die Sieben als höchster Trumpf, die Rangfolge lautet daher

Bube > Sieben > Ass > König > Dame > Zehn > Neun

In den anderen Farben ist die Rangordnung der Kartenwerte die für Stichspiele gewöhnliche:

Ass > König > Dame > Bube > Zehn > Neun > Sieben

Vorbereitungen

Um Plätze und Angeben wird wie gewöhnlich gezogen. Geben, Ansagen und Ausspielen erfolgt linksherum. Jeder bekommt sieben Karten, erst zwei, dann drei, dann wieder zwei.

Das Bieten

Der Spieler links vom Geber hat die Vorhand und erklärt sich als erster.

Auch kann der Ansagende durch 4, 5, 6 Stiche überboten werden, jedoch den Brandel, wodurch er überboten wird, selbst spielen.

Die Farbe, in welcher der Spieler brandelt, sagt er nicht eher an, als bis ihm das Spiel geblieben.

Sagt man einen Bettel an, so will man keinen Stich machen. Der Bettel überbietet 6 Stiche.

Die höchste, alles überbietende Spielart ist der Mord, wobei man alle 7 Stiche machen muss.

Das Spiel

Der Spieler, der das höchste Gebot abgibt, spielt zum ersten Stich aus.

Es wird Farbe bedient oder mit Trumpf gestochen. Bei der Spielart Bettel, in der keine Trümpfe vorkommen, muss, wenn möglich, der Nachspieler überstechen.

Die Abrechnung

Der Brandel von drei Stichen wird mit drei, der von vier, fünf und sechs Stichen mit vier, fünf und sechs, der Bettel mit sieben und der Mord mit acht Marken honoriert, welche dem Ansagenden jeder der Gegenspieler bezahlt, wenn er siegt.

Verliert der Ansager, so muss er an jeden der drei Gegenspieler den entsprechenden Betrag bezahlen.

Über- und Unterstiche werden nicht bezahlt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 „Brandeln“ in: Neustes Allgemeines Spielbuch [NAS]. C. Haas. Wien, 1829. S. 128–129.
  2. ↑ „Ueber das Alter eines deutschen Kartenspiels“ in Augsburger Magazin für Unterhaltung in Belehrung. 27 February 1831. S. 67.
  3. ↑ Johann Christoph von Schmid: Versuch eines schwäbischen Idiotikon, oder Sammlung der in verschiedenen schwäbischen Ländern und Städten gebräuchlichen Idiotismen: mit etymologischen Anmerkungen. Nicolai, 1795.
  4. ↑ Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch, Teil 1. J. G. Cotta. Stuttgart und Tübingen, 1827, S. 262.