Abbranderscheinung

Unter Abbranderscheinungen werden alle Veränderungen in einem Brandobjekt gezählt, die durch die Einwirkungen der Flammen, der Hitze und des Rauches auf die vorhandenen brennbaren sowie auch nichtbrennbaren Stoffe entstehen. Die Abbranderscheinungen sind vielfältig: Verkohlung und Waffelbildung am Holz, Rußfahnen über Gebäudeöffnungen, Schwelgasniederschläge, Abplatzungen an Beton, Putz und Mauerwerk, Ein- und Durchbrennungen, Ausglühen und Verbiegungen an Eisenteilen usw. Das Institut für polizeiliche Aus- und Fortbildung (IpAF) in Güstrow definiert für die Kriminalistik die Begriffe Brandzehrung (häufige Falschschreibung: Brandzerrung) als das Ausmaß des Abbrandes an festen Stoffen, sowie die Brandnarbe als die Oberfläche und Tiefe des Abbrandes, also das Erscheinungsbild der Zerstörung. Im Bereich der Forensik werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, um aus der Brandzehrung das Brandgeschehen zu rekonstruieren.

Das Brandspurenbild ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Brandursachenermittlung. Es kann Aufschluss geben über die Lage des Brandausbruchs, die Brandentwicklung und die Branddauer. Die Analyse des Brandspurenbildes ist ein komplexer Vorgang, der Erfahrung und Fachwissen erfordert. Die im Brandspurenbild sichtbaren thermisch bedingten Spuren entstehen durch die Hitze des Brandes. Sie können sich in verschiedenen Formen und Ausprägungen zeigen, z. B. als:

Die Lage dieser Spuren im Brandraum ist ein wichtiger Hinweis auf die Temperaturverteilung im Brandraum. In der Regel sind die Temperaturen in der Nähe des Brandausbruchs am höchsten. Mit zunehmender Entfernung vom Brandausbruch sinken die Temperaturen. Die Lage und Größe der Zonen gleicher oder ähnlicher Temperaturen hängen von verschiedenen Faktoren ab, z. B.:

Bei der Analyse des Brandspurenbildes ist es wichtig, diese Faktoren zu berücksichtigen. Hier sind einige Beispiele für die Interpretation des Brandspurenbildes:

Anlauffarben

Anlauffarben sind oberflächliche, irisierende bunte Färbungen eines Stoffes, die durch Interferenz an dünnen Schichten entstehen. Sie finden sich hauptsächlich bei Metallen, aber auch auf Mineralen. Bei Bränden entstehen Anlauffarben auf Metallen, wenn diese Temperaturen von über 500 °C erreichen. Die Farbe der Anlauffarbe hängt von der Art des Metalls und der Temperatur ab. Bei der Analyse von Anlauffarben werden folgende Faktoren berücksichtigt:

Brandnarben, Ein- und Verbrennungen

Durch thermische Belastung verändern Werkstoffe ihre Topographie oder Morphologie. Diese Veränderungen bleiben bei nichtschmelzenden Feststoffen teilweise erhalten und können nach dem Ablöschen eines Brandes zur Beurteilung des Brandgeschehens herangezogen werden. Die auffälligsten Spuren entstehen bei der thermischen Belastung von Holzoberflächen und duroplastischen Kunststoffen. An der Oberfläche kommt es zur Verbrennung der brennbaren flüchtigen Substanzen (Pyrolyse) und auch zu einer Zerstörung oberflächennaher Schichten. Mit der Fortdauer der thermischen Exposition schreitet der Pyrolyseprozess sukzessive in tiefere Schichten vor und hinterlässt eine mechanisch relativ stabile Verkohlungsschicht. In Abhängigkeit von der Expositionsdauer, der Intensität der thermischen Exposition und den Materialeigenschaften des Holzes bilden sich unterschiedlich starke Kohleschichten aus. Diese Kohleschichten sind stark strukturiert und durchsetzt von Spalten bzw. Rissen. Dieses Erscheinungsbild der oberflächennahen Zerstörung wird als Brandnarbe oder allgemeiner auch als Brandzehrung bezeichnet. Brandnarben bei Holz weisen in der Regel drei aufeinander folgende Schichten auf:

Die Übergangszone erscheint im Schnitt insbesondere nach einer intensiven Hitzeeinwirkung schmal (großer Farbgradient), während sie bei einer lang andauernden aber eher mäßigen thermischen Belastung breiter sein kann (geringer Farbgradient). Nach einem Brand kann durch Bestimmen der Brandnarbentiefe eine wesentliche Information über das Brandgeschehen erzielt werden. So kann die Tiefe der Pyrolysekohleschicht durch vollständiges Abtragen der spröden Brandnarbe ermittelt werden. Auch das Einstechen spitzer Gegenstände oder die Zuhilfenahme einer Schiebelehre kann zur Bestimmung der Verkohlungstiefe herangezogen werden. Die Lage der vormaligen Holzoberfläche kann bei Berücksichtigung der vorhandenen unversehrten Oberflächen im Nahbereich der Brandnarbe oder durch die Länge der vom Brand freigelegten Nägel oder Schrauben bestimmt werden. Ein senkrechter Schnitt durch die Holzproben liefert das Querschnittsbild der drei genannten Schichten, mittels mehrerer Schnitte kann ein Schädigungsprofil auf der Holzoberfläche abgeleitet werden. Zur Bestimmung der Brandnarbentiefe bzw. der Einwirkungsdauer eines Feuers kann die lineare Abbrandgeschwindigkeit genutzt werden. Die lineare Abbrandgeschwindigkeit ist definiert als die Geschwindigkeit, mit der sich die Brandnarbentiefe mit der Zeit ändert. Brandnarben können an verschiedenen Stellen und Objekten auftreten. So können sie beispielsweise an Holzoberflächen, Kunststoffoberflächen, Textilien oder an Bauteilen gefunden werden. Beispiele für Brandnarben an Holzoberflächen sind Brandnarben an Türen, Fenstern oder Möbeln, Holzbalken oder -konstruktionen oder an Holzfußböden. Bei der Auswertung von Brandnarben ist es wichtig, die folgenden Faktoren zu berücksichtigen:

Korrosionsspuren

Korrosion ist eine chemische oder elektrochemische Reaktion eines Werkstoffes mit seiner Umgebung. Sie führt zu einer Veränderung des Werkstoffes und kann zu einer Beeinträchtigung seiner Funktion führen. Sie können helfen, die Stelle des Brandausbruchs, die Brandentwicklung und die Branddauer zu bestimmen.

Rußbildung und Rauchfahnen

Rauchfahnen sind ein typisches Merkmal von Bränden. Sie entstehen, wenn die Rauchgase aus dem Brandherd aufsteigen und sich in der Atmosphäre verteilen. Die Farbe und die Form der Rauchfahne und die Analyse von Rußrückständen an einem Brandort können Hinweise auf die Art des Brandes und die Brandintensität geben.

Schmelzspuren

Schmelzspuren entstehen, wenn Materialien, z. B. Metalle, Kunststoffe oder Glas, schmelzen. Das Material, das geschmolzen ist, gibt einen ersten Hinweis auf die meist hohen Temperatur, die im Brandraum geherrscht hat. Die Schmelztemperatur eines Materials ist ein Anhaltspunkt für die Temperatur, die im Brandraum geherrscht hat. Bei Metallen kann die Schmelztemperatur relativ genau bestimmt werden. Bei Kunststoffen und Glas ist die Schmelztemperatur dagegen nicht so genau definiert. Die Größe der Schmelzspur gibt einen Hinweis auf die Dauer der Wärmeeinwirkung. Die Form der Schmelzspur kann Hinweise auf die Richtung der Wärmeeinwirkung geben. Wenn z. B. ein Metallteil von einer Seite her geschmolzen ist, ist dies ein Hinweis darauf, dass die Wärme von dieser Seite her auf das Teil eingewirkt hat.

Spuren an mineralischen Werkstoffen und Mauerwerksverfärbungen

Bei einem Brand entstehen an mineralischen Werkstoffen wie Beton, Mauersteinen, Putz und Sand verschiedene Spuren, die Aufschluss über die Brandintensität und die Brandursache geben können.

Verformungen an Metallen

Verformungen an Metallen deuten auf hohe Temperaturen hin. In der Regel sind diese Verformungen in der Nähe des Brandausbruchs zu finden.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Jörg Cicha: Die Ermittlung von Brandursachen. Boorberg Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-415-03161-6.
  2. 1 2 Klaus Steinbach u. a.: Methodischer Leitfaden zur Brandursachenermittlung. Hrsg.: Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes. Nr. 3/1999. vds, Köln 2013, ISBN 978-3-936050-15-8, S. 170 ff.
  3. ↑ Hermann-Josef Pitsch: Polizeiliche Brandermittlung. In: der kriminalist. Nr. 3/1999. dbb, 1999, ISSN 0722-3501.