Man teilt die Gattung Scrophularia grob in zwei Gruppen. Die eine Gruppe enthält zweijährige oder ausdauernde krautigen Pflanzen, deren Stängel am Grunde höchstens wenig verzweigt sind und nicht verholzen. Die von der Mittelrippe des Blattes weggehenden Seitenadern sind durch Seitenadern zweiter Ordnung miteinander verbunden, so dass eine netzartige Aderung entsteht. Die stets polyploiden Vertreter dieser Gruppe findet man vor allem in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel.
Bei der anderen, hauptsächlich im Himalaya beheimateten Gruppe sind die Seitenadern der Laubblätter dagegen unverzweigt. Die Stängel der Pflanzenarten dieser Gruppe verholzen am Grunde, im Boden, und sind oft stark verzweigt. Diese Arten sind stets diploid. Einige sind Halbsträucher.
Der Stängel ist viereckig, bei vielen Arten auch geflügelt. Die Laubblätter sind gegenständig, bei einigen Arten im obersten Teil der Pflanzen auch wechselständig. In der Regel sind die Blattspreiten ungefähr dreieckig und gesägt oder gekerbt.
Blütenstände und Blüten
Die rispigen, traubigen, zymösen oder auch knäueligen Blütenstände stehen meist am Ende der Stängel, können aber auch in den Blattachseln stehen.
Die eher unscheinbaren Blüten sind zygomorph und meist fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen. Die fünf bräunlichen bis schmutzig roten Kronblätter sind röhrig verwachsen. Die kurze und breite, am Grunde auch grünliche Kronröhre endet deutlich zweilippig. Die Unterlippe ist in drei kurze Lappen geteilt, von denen zwei aufrecht an der Seite stehen, während der mittlere Lappen gerade nach vorne gerichtet ist. Die längere Oberlippe ist in zwei rundliche Lappen geteilt. Es sind vier fertile Staubblätter vorhanden. Es ist je Blüte ein schuppenartiges Staminodium vorhanden oder selten fehlt es. Es ist ein Diskus vorhanden. Der ist meist mindestens so lang wie der Fruchtknoten; nur bei Scrophularia urticifolia ist er kürzer. Die meist relativ kleinen Narben sind kopfig bis zweilappig.
Die Braunwurz-Arten findet man auf der ganzen Nordhalbkugel in den gemäßigten Breiten bis ins südliche Asien. Diversitätszentrum (Zentrum der Artenvielfalt) ist der Himalaya. In Europa und Nordamerika findet man nur einen kleinen Teil der Arten.
Während die diploiden Sippen trockene Standorte bevorzugen, findet man die außerhalb des Himalayas wachsenden polyploiden Arten oft in lichten Wäldern, in Gebüschen oder in mehr oder weniger feuchten Staudenfluren.
Die Braunwurz wurde früher als Mittel gegen die Scrophula, eine Form der Tuberkulose verwendet;
daher hat die Gattung ihren wissenschaftlichen Namen Scrophularia.
Je nach Auffassung enthält die Gattung Braunwurzen (Scrophularia) zwischen 120 und mehr als 300 Arten (hier eine Auswahl):
Scrophularia aestivalisGriseb. (Syn.: Scrophularia autumnalisFormánek, Scrophularia silvaticaBoiss. & Heldr.): Sie kommt in Serbien, Albanien, Bulgarien und Griechenland vor.
Scrophularia alaschanicaBatalin: Sie gedeiht in Höhenlagen von 2200 bis 2500 Metern nur in der chinesischen Provinz Ningxia.
Wasser-Braunwurz (Scrophularia auriculataL.): Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, auf den Kanaren und Azoren, in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, in Großbritannien, Irland, Belgien, in den Niederlanden, Deutschland, in der Schweiz und in Kreta vor.
Strauchige Braunwurz (Scrophularia frutescensL.): Sie wird auch als Unterart Scrophularia canina subsp. frutescens(L.) O.Bolòs & Vigo zu Scrophularia canina gestellt.
Scrophularia heterophyllaWilld.: Sie kommt auf der Balkanhalbinsel, in Rumänien, Bulgarien, in der Ukraine, in der Türkei, in der Ägäis und auf der Sinaihalbinsel vor.
Hoppes Braunwurz oder Alpen-Hunds-Braunwurz, Alpen-Braunwurz (Scrophularia juratensisSchleicher)
Scrophularia lucidaL.: Sie kommt in Frankreich, Italien, Griechenland, Syrien, in der Türkei, im Kaukasusraum und in Saudi-Arabien vor.
Fremde Braunwurz (Scrophularia peregrinaL.): Sie kommt in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, in Sardinien, Sizilien, Malta und Korsika, in Tunesien, Libyen, auf der Balkanhalbinsel, in der Türkei, Ägäis, Syrien, im Libanon und in Zypern vor.
Scrophularia ramosissimaLoisel.: Sie kommt in Marokko, Tunesien, auf den Balearen, in Frankreich, Korsika, Sardinien, Sizilien und in Albanien vor.
Drüsige Braunwurz oder Scopoli-Braunwurz (Scrophularia scopoliiHoppe): Sie kommt in Österreich, Polen, Tschechien, in der Slowakei, Ungarn, Italien, Slowenien, Serbien, Kroatien, Albanien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Moldawien, in der Ukraine, in der Türkei, Syrien, Libanon, Irak, Iran und im Kaukasusraum vor.
Dreiblättrige Braunwurz (Scrophularia trifoliataL.): Sie kommt in Italien, Sardinien und in Korsika vor.
Ian Bertram Kay Richardson: Scrophularia L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S.216–220 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
Einzelnachweise
12345 Deyuan Hong, Hanbi Yang, Cun-li Jin, Manfred A. Fischer, Noel H. Holmgren, Robert R. Mill: Scrophularia., S. 11 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 18: Scrophulariaceae through Gesneriaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 1998, ISBN 0-915279-55-X.
↑Scrophularia bei Tropicos.org.Missouri Botanical Garden, St. Louis,abgerufen am 23.Dezember 2017.
1234Scrophulariaim Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.Abgerufen am 20. Dezember 2017.