Die Breklumer Hefte waren eine Schriftenreihe der Volksmissionsarbeit der Bekenntnisgemeinschaft der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins, die in den Jahren 1935 bis 1941 im Selbstverlag der Bekennenden Kirche Schleswig-Holsteins in Breklum erschien und 20 Hefte und ein Sonderheft umfasste. Durch die hohen Auflagen bekam die Schriftenreihe reichsweite Bedeutung. Die Breklumer Hefte wurden im Jahr 2018 in einer Gesamtausgabe neu herausgegeben.
Auf den 10. November 1933, den 450. Geburtstag Martin Luthers, ist das Vorwort von Theodor Ellwein und Christian Stoll für die Riederauer Thesen zur lutherischen Volksmission datiert, die 1933 im ersten Heft der Schriftenreihe Bekennende Kirche in München erschienen. Sie wurden vom 1. bis 5. Oktober 1933 in Riederau am Ammersee von einem theologischen Arbeitskreis erarbeitet, der nach dem am 12. September 1933 vorgelegten Plan des bayerischen Landesbischofs Hans Meiser für die künftige volksmissionarische Arbeit in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Bayerns rechts des Rheins berufen worden war.
Ebenfalls am 10. November 1933 erging ein Aufruf der Reichskirchenregierung zur Volksmission an die „deutschen evangelischen Volksgenossen“, der, von Walter Birnbaum erarbeitet und von Joachim Hossenfelder unterschrieben, ganz vom Geist der Deutschen Christen bestimmt war.
Von Januar bis Mai 1934 erschien in Altona in vier Heften die kleine Schriftenreihe Die Gemeindekirche, herausgegeben von dem Theologen Hans Asmussen und dem Architekten Rudolf Jäger.
Zum Thema „Volksmission“ schrieb Asmussen:
Die Evangelisch-Lutherische Kirche im Hamburgischen Staate richtete 1934 ein „Volksmissionarisches Amt“ unter der Leitung von Karl Witte ein. Auch in Sachsen wurden entsprechende Bemühungen unternommen.
Im Herbst 1935 wurde von der Bekenntnisgemeinschaft der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schleswig-Holsteins ein volksmissionarisches Amt gebildet, das unter dem Vorsitz von Pastor Johannes Lorentzen-Kiel arbeitete und in Breklum angesiedelt war mit Martin Pörksen als Geschäftsführer. Es diente auch als Ort der vorläufigen Beschäftigung für junge Theologen der Bekenntnisgemeinschaft in Schleswig-Holstein: Sechs der jungen Pastoren, die am 26. Oktober 1935 von Bischof Marahrens in Harburg ordiniert worden waren, wurden zum volksmissionarischen Einsatz nach Breklum abgeordnet.
Diese Volksmission, verbunden mit apologetischer Arbeit, wurde in den Bekenntnisgemeinschaften geleistet, die in vielen Gemeinden sich bildeten. Ihre Mitglieder erhielten eine rote Karte und trugen durch ihre Beiträge zur Ermöglichung der Arbeit bei. Auch öffentliche Versammlungen konnten zuerst noch gehalten werden, bis sie durch Verbot unmöglich gemacht wurden. Die apologetische und volksmissionarische Bedeutung der Breklumer Hefte war groß, in einigen Fällen sogar reichsweit. Sie erschienen im „Amt für Volksmission“ und wurden in Breklum von der Druckerei der Missionsbuchhandlung gedruckt.
P. Lorentzen-Kiel definiert in einem 1935 auf der ersten Bekenntnissynode der schleswig-holsteinischen Bekenntnisgemeinschaft in Kiel gehaltenen Vortrag die Bekennende Kirche (BK) als eine volksmissionarisch aktive Kirche. In der Situation des neuen Heidentums, das das Göttliche in den Tiefen des menschlichen Herzens erleben will, angesichts von Mächten, „die vielleicht positives Christentum sagen, aber das wirkliche biblische Christentum verneinen“, und innerhalb einer Kirche, die unfähig ist zur Auseinandersetzung mit glaubens- und bekenntnisfeindlichen Kräften, darf die BK sich nicht aus sich selbst zurückziehen, sondern muss sich einsetzen für das Wort, das der Kirche anvertraut ist und das sie dieser Welt und diesem Volk schuldet, auch wenn es Stimmen gibt, die das Eintreten für die Reinheit der Verkündigung als Staatsfeindschaft diskreditieren.
Der Lübecker Altbischof Karl Ludwig Kohlwage schreibt über „die Bekennende Kirche in der öffentlichen Auseinandersetzung“:
Die Breklumer Hefte waren „Stimmen zur Bewahrung einer bekenntnisgebundenen Kirche in bedrängender Zeit“. Sie setzten sich kritisch mit den glaubens- und christentumsfeindlichen Strömungen im Nationalsozialismus auseinander. Mit ihren hohen Auflagen (zwischen 10.000 und 65.000, in einem Fall sogar weit darüber hinaus) hatten sie reichsweite Bedeutung. Sie wurden teilweise verboten und eingezogen, was die Rarität der erhalten gebliebenen Exemplare erklärt.
Nach dem Krieg gerieten die Breklumer Hefte in Vergessenheit. In den nordelbischen Bibliotheken waren sie nirgendwo vollzählig greifbar, nicht einmal in Breklum hatte man alle Titel aufbewahrt. Das führte bei den Herausgebern zu der Überzeugung, die Breklumer Hefte samt dem Sonderheft „Die Nordmark im Glaubenskampf. Eine Antwort der Kirche an Gustav Frenssen“ lesbar zu machen und in einer Gesamtausgabe der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Die Edition erschien 2018 und war fast acht Jahrzehnte nach der erzwungenen Einstellung der Breklumer Hefte ein neues „Medienereignis“ (Stephan Richter). Zeigte doch der Sammelband erstmals auf einem breiten Fundament, wie sich die Bekennende Kirche Schleswig-Holsteins in der NS-Zeit mit dem damaligen Zeitgeist auseinandergesetzt hat.
„Die Hefte vermitteln eine lebendige Vorstellung vom Denken und Glauben, vom Kämpfen und Argumentieren von Christen in einer wichtigen geschichtlichen Epoche“, unterstreichen die Herausgeber. Sie erwarten, dass sich die wissenschaftliche Theologie mit diesem Vermächtnis der Bekennenden Kirche stärker beschäftigen wird, nachdem die Breklumer Hefte so lange eigenartig ungeordnet und vor allem unausgewertet in der Vergangenheit geruht haben.
Ebenfalls von der Bekenntnisgemeinschaft in Schleswig-Holstein wurde 1936 reichsweit verteilt: Die Nordmark im Glaubenskampf. Eine Antwort der Kirche an Gustav Frenssen. Herausgegeben von J. Lorentzen, Pastor in Kiel; darin:
In den Jahren 1935–1941 erschienen in der Missionsbuchhandlung Breklum weitere volksmissionarische Schriften:
1936 verfasste Halfmann im Auftrag des Landesbruderrats der Bekennenden Kirche eine Schrift zur Judenfrage: Die Kirche und der Jude.
In antijudaistischer Tradition betrachtete er die Juden als Feinde des Christentums und der christlichen Völker und zeigte – unter Berufung auf Martin Luther – Verständnis für die damalige staatliche Gesetzgebung gegen die Juden. Er sah es als ein „furchtbares Verhängnis“ an, „daß aus dem berechtigten Kampf gegen das Judentum ein Kampf gegen Christus geworden ist. Denn das bedeutet: Ein Kampf gegen die göttliche Macht, die uns wirklich vor den Verderbensmächten des Judentums bewahren kann!“ Vom gesetzgeberischen Vorgehen des Staates hob er aber die antisemitische Praxis der nationalsozialistischen Weltanschauungskräfte der SA und SS in aller Schärfe ab. Die Kirche könne niemals in deren aggressiven rassistischen Antisemitismus unter der Parole „Schlagt die Juden tot“ einstimmen. Die Judenfrage, weil eine religiöse, sei letztlich nicht mit politischen Mitteln zu lösen – schon gar nicht mit Gewalt, aber auch nicht mit Gesetzen. Die Kirche habe das „fürbittende Gebet“ für die Juden einzusetzen, dass Gott ihre Verwerfung beenden möge.
Halfmann argumentierte in dieser Schrift, nur Christen könnten das Alte Testament richtig, nämlich vom Neuen Testament und Christus als „Mitte der Schrift“ ausgehend, verstehen. Gleichzeitig kritisierte er den völkischen Antisemitismus, ohne sich jedoch ausdrücklich für Getaufte jüdischer Herkunft einzusetzen. Vielmehr verwies er auf die Röm 11,25 EU verheißene endzeitliche Errettung Israels, um derentwillen das Volk, trotz des Fluchs, der auf ihm liege, am Leben bleiben müsse.
Beeinflusst ist die Schrift von den Riederauer Thesen zur lutherischen Volksmission (Bekennende Kirche, Heft 1) aus dem Jahr 1933, von Volkmar Herntrichs Schriften über das Alte Testament aus den Jahren 1933 bis 1935, von Adolf Schlatters 1935 verfasster Schrift Wird der Jude über uns siegen?, Friedrich Hemans Geschichte des jüdischen Volkes seit der Zerstörung Jerusalems (1927) und Hans Blühers Erhebung Israels [gegen die christlichen Güter] (1931).
Die Schrift wurde von der Reichsschrifttumskammer verboten und von der Gestapo konfisziert mit der Begründung, dass sich der Inhalt des Heftes „gegen die Weltanschauung des Nationalsozialismus richtet“ und „mit den im heutigen Staate herrschenden Anschauungen und Grundsätzen nicht vereinbaren lässt“.
Bereits seit Ende der 1950er Jahre stand Halfmann wegen seiner antijudaistischen Äußerungen in Kritik, als er sich gegen den christlich-jüdischen Dialog aussprach. Dabei thematisierte der SPD-Politiker Jochen Steffen 1958 auch Die Kirche und der Jude. Halfmann verteidigte sich, dass er die Nürnberger Gesetze als Schutzgesetze für die Juden angesehen habe.
Halfmann las auf Grund der Vorwürfe seine Schrift von 1936 noch einmal und empfand sie als „etwas flüchtig zusammengezimmert“. Trotzdem halte er sie im Grundansatz „noch heute für nicht unzutreffend. Denn der religiöse Gegensatz zwischen Juden und Christen ist unleugbar“. Gleichwohl war Bischof Halfmann bewusst, dass seine Schrift gerade nach dem Mord an den Juden ein Problem darstellte. Er behauptete rückblickend, dass er schon 1938 das Verfassen dieser Schrift bereut hätte. Am 5. März 1960 schrieb er an den Hamburger Landesbischof Karl Witte: „Heute wäre eine solche Schrift unmöglich.“ Seine historischen Bemerkungen über die Geschichte der Juden seien „ungerecht, weil einseitig ausgewählt“, „obwohl sie sachlich richtig sind“. Für eine Abkehr vom Antijudaismus sah Halfmann keine Notwendigkeit: „Trotzdem kann ich heute noch nicht anders, als den theologischen Ansatz für richtig zu halten. Aber auch über die Judenfrage zu diskutieren so, daß auch das theologische Nein zum Judaismus, nicht nur zum ‚Antisemitismus‘ durchgehalten wird, ist fast unmöglich. Ich kann die christlich-jüdische Verbrüderung auf humanitärer Basis, unter Eliminierung der Theologie, nicht mitmachen.“
Zur vorsorglichen Verteidigung gegen weitere öffentliche Angriffe gab er an ausgewählte Persönlichkeiten ein fünfseitiges Blatt Bischof Halfmann und die Juden weiter. Diese Schrift aus dem Jahr 1960 besteht im Wesentlichen aus Zitaten seiner Schrift Die Kirche und der Jude von 1936, ergänzt durch die zeitgenössischen öffentlichen Reaktionen und eine Einleitung sowie ein Nachwort Halfmanns. In einem Vortrag vor evangelischen Lehrern äußerte er sich 1960 noch einmal Zur Bewältigung unserer Vergangenheit und kritisierte den Antisemitismus als „Überhebung über den Mitmenschen“.
Von dem Flensburger Kirchenhistoriker Klauspeter Reumann stammt die folgende Einschätzung der Judenschrift Halfmanns:
Von 1968 bis 1970 erschienen in Breklum 6 Publikationen unter dem Titel Bremen-Breklumer Hefte.
Von 1968 bis 1979 gab es eine Schriftenreihe Plattdüütsche Heften ut Breklum.
Im Breklumer Verlag erschienen in den siebziger und achtziger Jahren einige Breklumer Hefte in einer neuen Schriftenreihe.