Brigitte Hamann

Verleihung des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln an Brigitte Hamann im Wiener Rathaus am 22. November 2012. Links der Laudator Gerald Stourzh, rechts Stadtrat Michael Ludwig
Grabstätte von Brigitte Hamann

Brigitte Hamann (* 26. Juli 1940 in Essen als Brigitte Deitert; † 4. Oktober 2016 in Wien) war eine deutsch-österreichische Historikerin und Autorin.

Leben

Nach Ablegung der Reifeprüfung im Jahr 1960 studierte Deitert Germanistik und Geschichte an den Universitäten Münster und Wien. 1963 legte sie in Münster das Realschullehrer-Examen ab, absolvierte ein Volontariat bei der Deutschen Presse-Agentur in Essen und wurde 1964 Redakteurin der Neuen Ruhr Zeitung. 1965 heiratete sie den Wiener Historiker und Universitätsprofessor Günther Hamann (1924–1994) und war anschließend als dessen Assistentin tätig. Ein Jahr nach der Hochzeit erhielt sie zusätzlich zur deutschen auch die österreichische Staatsbürgerschaft. 1978 wurde sie bei Adam Wandruszka mit einer Dissertation über den österreichischen Kronprinzen Rudolf promoviert. Im gleichen Jahr veröffentlichte sie seine Biografie unter dem Titel Rudolf. Kronprinz und Rebell. Das Buch wurde ein großer Erfolg. Danach arbeitete Brigitte Hamann als freie Historikerin.

Am 22. November 2012 wurde ihr im Wiener Rathaus der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln verliehen, die Laudatio hielt Gerald Stourzh.

Brigitte Hamann war Mutter von drei Kindern, unter ihnen die Journalistin, Politikerin und Feministin Sibylle Hamann.

Am 4. Oktober 2016 starb Hamann 76-jährig in Wien. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Grinzinger Friedhof (Gruppe 36, Reihe 5, Nummer 1) im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling.

Rund ein halbes Jahr vor ihrem Tod vermachte sie ihr persönliches Archiv an die Wienbibliothek im Rathaus.

Werk

Hamann hat vorzugsweise an Werken zur österreichischen Geschichte gearbeitet und sich dabei einem biographischen Zugang verschrieben. Ihr besonderer Schwerpunkt lag auf der Geschichte der Habsburger und der Geschichte des Nationalsozialismus. Über ihren persönlichen Ausgangspunkt sagte sie: „Ich hatte (von Deutschland kommend) einen anderen Blick auf Österreich und begann, mit einer gewissen Distanz zu schreiben.“

Ihre Veröffentlichung Hitlers Wien (vgl. dazu Hitlers Jahre in Wien) überzeugte durch akribische Ermittlung neuer Quellen und eindringliche Darstellung der christlich-sozialen und völkisch-antisemitisch dominierten politischen Kultur Wiens in jenen Jahren.

Brigitte Hamann gehörte mit Franz Herre und Paul Naredi-Rainer zum „Intelligenzteam“ der 26-teiligen WDR-Sendereihe Puzzle – Ein Denkspiel für 3XKluge. Autor und Produzent war Claus Spahn. Die WDR-Serie war ein großer Erfolg und wurde ab 1984 fast 15 Jahre produziert.

Schriften

Auszeichnungen

Commons: Brigitte Hamann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Brigitte Hamann im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).
  2. ↑ "Ich bin immer eine Piefke geblieben". In: taz. 5. Juni 2008, abgerufen am 4. Oktober 2026 (Interview).
  3. 1 2 Ehrenmedaille für Brigitte Hamann. In: orf.at. 13. Februar 2006, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  4. ↑ C. Moos: Habsburg post mortem. Wien u. a. 2016. S. 177.
  5. ↑ Lisa Mayr: Historikerin Brigitte Hamann gestorben. In: derStandard.at. 4. Oktober 2016.
  6. ↑ Facebook-Beitrag der Wienbibliothek im Rathaus, abgerufen am 13. Jänner 2026
  7. ↑ Katalog der Universitätsbibliothek Band 1 Band 2 – die Jahreszahlangaben wechseln zwischen 1977 und 1978 (keine Angaben zur Seitenzahl der beiden Bände), zahlreiche Auflagen, Taschenbuchausgaben und Übersetzungen.
  8. ↑ Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch PreisträgerInnen 1993-2021, renner-institut.at, abgerufen am 1. Dezember 2019
  9. ↑ Hohe Ehrung für Brigitte Hamann. Stadt Wien Presse-Service, 13. Februar 2006, abgerufen am 30. Juli 2026.
  10. ↑ Ehrenpreis für Brigitte Hamann. In: kurier.at. 23. November 2012, abgerufen am 4. Oktober 2016.
    Gerald Stourzh: Laudatio für Brigitte Hamann, gehalten im Wiener Rathaus, anlässlich der Verleihung des Ehrenpreises des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. (Memento vom 26. November 2020 im Internet Archive) 22. November 2012, abgerufen am 4. Oktober 2016.