Aron Israel Brimann (Pseudonym: Dr. Justus), auch August Briemann, Aaron Briman(n), Justus-Brimann; (* 15. Juni 1859 in Dolina, Kreis Costinești, Provinz Botoșani in Rumänien; † unbekannt) war ein sowohl sprachlich (Hebräisch und Aramäisch) wie auch literarisch (rabbinisches Schrifttum) vorgebildeter Jude, der 1881 in Berlin evangelisch getauft wurde und wenige Jahre später zum Katholizismus übertrat. Briman wurde insbesondere als Autor eines das rabbinische Judentum massiv angreifenden Pamphlets, des sogenannten Judenspiegel, bekannt. 1885 wurde er in Wien wegen Urkundenfälschung zu Gefängnis und Landesverweisung verurteilt.
Unter dem Pseudonym „Dr. Justus“ veröffentlichte Briman 1883, zunächst als Hefte 3, 4 und 5 der katholischen „Bonifacius Broschüren“, das Pamphlet Judenspiegel, oder 100 neuenthüllte, heutzutage noch geltende, den Verkehr der Juden mit den Christen betreffende Gesetze der Juden …, eine Zusammenstellung von häufig aus dem Zusammenhang gerissenen, sinnentstellend erweiterten oder sachlich verfremdeten Zitaten gesetzlicher Regelungen des Schulchan Aruch, mit denen Christen oder generell Nichtjuden angeblich diskriminiert werden. Schon in den frühen Druckausgaben des Schulchan Aruch wurde häufig, durch christliche Zensur bedingt, zur Bezeichnung von Nichtjuden das Akronym „Akum“ (עכ"ום) - für Ovdej Kochawim U'Mazalot (עובדי כוכבים ומזלות), „Diener der Sterne und Tierkreiszeichen“ (Götzendiener) - verwendet. Antisemitisch bzw. antijudaistisch eingestellte Übersetzer ins Deutsche und Herausgeber der betreffenden Texte wie Briman und Fritsch sahen sich vor diesem Hintergrund berechtigt, das Akronym - ohne es mit den Originalversionen abzugleichen und teilweise sinnwidrig - mit „Christ(en)“ oder „Nichtjude(n)“ wiederzugeben bzw. zu erklären.
Noch im selben Jahr (1883) erschien das Pamphlet als Broschüre in der Paderborner Bonifacius-Druckerei. Als eine Tageszeitung in Münster Auszüge aus der Broschüre abdruckte, kam es zum Prozess gegen den verantwortlichen Redakteur Johannes Hoffmann. Dieser endete mit einem Freispruch, „da - so die Urteilsbegründung - der Redakteur von dem Wahrheitsgehalt des Judenspiegels habe ausgehen dürfen“. Der damals als Privatdozent für semitische Sprachen an der katholischen Akademie in Münster lehrende Dr. Jakob Ecker hatte in dem Prozess als Gutachter fungiert. Sein 1884 von der Bonifacius-Druckerei unter dem Titel Der ‚Judenspiegel‘ im Lichte der Wahrheit veröffentlichtes Gutachten, an dem auch Briman wesentlich beteiligt gewesen sein soll, soll Ecker seine anschließende Professur am Priesterseminar in Trier verschafft haben.
Nach der bereits in Eckers Gutachten geäußerten Kritik an der von Briman getroffenen Auswahl und der nicht immer authentischen Wiedergabe der „Gesetze“ veröffentlichte die Bonifacius-Druckerei 1892 als 5. Auflage eine neue, von einem namentlich nicht genannten „Bearbeiter“ grundlegend überarbeitete Fassung, in der jetzt zwar alle Zitate aus dem Schulchan Aruch durch Anführungszeichen kenntlich gemacht, fünf der „Gesetze“ (Nrr. 6, 12, 42, 48 und 49) sogar vollständig entfernt, aber weiterhin inhaltlich problematische Schlussfolgerungen und gewagte Verallgemeinerungen enthalten waren. In den Jahren 1919 und 1921 folgten weitere Auflagen dieser Neufassung.
Nicht wenige der von Briman zusammengestellten „Gesetze“ haben auch Eingang in andere, teilweise bis weit ins 20. Jh. hinein verbreitete antijudaistische bzw. antisemitische Werke gefunden, so in den ab 1887 erscheinenden Antisemiten-Katechismus eines gewissen „Thomas Frey“, d. h. des Maschinenbau-Ingenieurs, Schriftstellers und Verlegers Theodor Fritsch, insbesondere aber in einschlägige Werke katholischer Priester wie des Asienmissionars Justinas B. Pranaitis oder des Wiener Pfarrers Joseph Deckert. Auch der von "Wortführer(n) der antisemitischen Bewegung" als "Autorität auf dem Gebiet der Talmudforschung" gefeierte Germanist und Orientalist Erich Bischoff griff noch 1929 in seinem Buch vom Schulchan aruch eine Vielzahl der im Judenspiegel angegriffenen "Gesetze" erneut auf, indem er sie teilweise neu übersetzte und erläuterte.
Obwohl der Judenspiegel schon bald „als dilettantisches Machwerk entlarvt“ worden sei, habe er sich später zu einer „der Kampfschriften des völkischen Antisemitismus in der Weimarer Republik“ entwickelt, schreibt der emeritierte Professor für Judaistik und ehemalige Direktor des Jüdischen Museums Berlin Peter Schäfer in seiner Kurze(n) Geschichte des Antisemitismus 2020. Briman sei ein Mitarbeiter von Professor August Rohling gewesen und habe in seiner Veröffentlichung „neben der Talmud- und Schulchan-aruch-Polemik Rohlings auch dessen 'Bekenntnis für die Wahrheit des Ritualmords' und die sexual-pathologischen Obsessionen“ übernommen, hatte schon vor Jahren der katholische Theologe Michael Langer in seiner 1994 als Buch mit dem Titel Zwischen Vorurteil und Aggression veröffentlichten Habilitationsschrift behauptet, womit er insbesondere auf einen Anhang des Judenspiegel anspielte, in dem es um die zur Abfassungszeit verbreiteten Ritualmordbeschuldigungen ging.
| Personendaten | |
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| NAME | Brimann, Aron Israel |
| ALTERNATIVNAMEN | Briemann, August; Brimann, Aaron; Briman, Aaron; Justus-Brimann; Dr. Justus (Pseudonym); Gerechter, Aron |
| KURZBESCHREIBUNG | Herausgeber eines antisemitischen Machwerkes (Judenspiegel) |
| GEBURTSDATUM | 15. Juni 1859 |
| GEBURTSORT | Doline, Kreis Costinasti, Provinz Bottoschau in Rumänien |
| STERBEDATUM | 7. März 1934 |
| STERBEORT | Berlin |