Vrindavan (Hindiवृन्दावन) ist eine Stadt im Distrikt Mathura des indischenBundesstaatsUttar Pradesh. Sie liegt am Fluss Yamuna. Für die Anhänger des Hindu-Gottes Krishna ist sie eine heilige Stadt, denn Krishna soll in Mathura geboren und im Dorf Gokul aufgewachsen sein. Wenige Kilometer entfernt in Vrindavan hütete er Kühe und spielte mit den Gopis. Neben den zahlreichen Tempeln in dem Pilgerort befindet sich in fast jedem Haus ein Altar zur VerehrungRadhas und Krishnas. Deshalb trägt Vrindavan den Beinamen „Stadt der 5000 Tempel“.
Lage und Klima
Vrindavan liegt in etwa 170m Höhe auf dem Westufer der Yamuna etwa 8km nördlich der Stadt Mathura. Die Stadt Agra ist etwa 75km in südöstlicher Richtung entfernt und Indiens Hauptstadt Delhi befindet sich etwa 145km nördlich. Das Klima ist warm bis heiß; Regen (ca. 700–800mm/Jahr) fällt nahezu ausschließlich in den sommerlichen Monsunmonaten.
Ca. 92,5% der Einwohner sind Hindus, 7% sind Moslems; der Rest verteilt sich auf andere Religionen (Sikhs, Jains, Buddhisten, Christen). Der Anteil der männlichen Bevölkerung liegt ca. 20% über dem weiblichen.
Wirtschaft
Die meisten Bewohner von Vrindavan leben direkt oder indirekt von der in den Dörfern der Umgebung betriebenen Landwirtschaft. In der Stadt selbst haben sich Handwerker, Kleinhändler und Dienstleister angesiedelt. Eine überaus wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt spielt der Pilgertourismus.
Geschichte
Nidhivan, Tulsi-Wald (2025)
Gegründet wurde die heutige Stadt im 16. Jahrhundert. Mit zahlreichen Tempeln ausgestattet, wuchs die Stadt schnell heran.
In Vrindavan gibt es dutzende historische und moderne Hindu-Tempel(mandira), die Krishna geweiht sind; keiner davon ist älter als 500 Jahre. Der Ort ist seit langer Zeit einer der beliebtesten Pilgerorte für Vishnuiten aus der ganzen Welt.
Prem Mahavidyalaya
Im Jahr 1909, im Alter von 23 Jahren gründete Mahendra Pratap Singh Indiens erste polytechnische Hochschule, das Prem Mahavidyalaya in Vrindavan. Er spendete das Gebäude und sorgte für regelmäßige Einkünfte, mit denen die Hochschule dauerhaft betrieben werden konnte. Er wollte Bildung vermitteln und soziale Reformen ermöglichen. In der Zeit des Kolonialismus
(Britisch-Indien) pflegte er nationales Gedankengut. Madan Mohan Malviya eröffnete die Hochschule. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Einrichtung zu einem intellektuellen Zentrum für zahlreiche Persönlichkeiten. 1914 verließ Mahendra Pratap Singh das Land, um internationale Unterstützung für die Unabhängigkeit Indiens zu gewinnen. Er reiste nach Deutschland, Bulgarien, Ungarn, Afghanistan, Russland und Japan. Seine Ansichten zu Gleichheit, Gerechtigkeit und Internationalismus galten als fortschrittlich.
Der Überlieferung nach kam der Heilige Chaitanya 1515 auf einer Pilgerreise zum Wald Vrindavana. Vṛndāvana bedeutet auf Sanskrit Vṛndā (Tulsi-) und Vana (Hain, Wald). Chaitanya erkannte in diesem Wald den heiligen Ort, an dem Krishna den Schriften des Hinduismus zufolge Kühe gehütet hat. Den Ort, an dem er sich mit den Hirtenmädchen, den Gopis traf. Besonders ist sein Verhältnis zu Radha, das in vielen – in ganz Indien äußerst populären – Geschichten erzählt wird, zu erwähnen. Das Spiel von Radha und Krishna hat im Hinduismus eine tiefe symbolische Bedeutung als das göttliche Spiel (lila) der Seele mit ihrem Herrn.
Religiöse Stätten
Parikrama Marg, Pilgerweg um Vrindavan herum (ca. 12 km)
Sri Vraja-mandala Parikrama, Pilgerweg (eine der 84 Stationen ist Vrindavan, ca. 250 km)
Nidhivan ist der heilige Wald aus Tulsi- und Mehndi-Bäumen
Die Ghats am Fluss Yamuna. Bekannt sind Keshi Ghat, Govind Ghat, Shringar Ghat und das Chir Ghat mit dem Kadamba Baum
Tempel in der historischen Stadt
Radha Madan Mohan Tempel (kolorierte Aquatinta-Radierung von Thomas Daniell, 1795)Banke Bihari temple (Hauptportal)Krishna-Balaram-Mandir
Madan Mohan Tempel
Der Shikhara-Turm des auf einem hohen Unterbau ruhenden Madan Mohan Tempels ist mit ornamentalen quadratischen Terrakotta-Platten überzogen. Er gilt als ältester Tempel Vrindavans. Das originale Kultbild wurde zu seinem Schutz in der Zeit des GroßmogulsAurangzeb nach Karauli (Rajasthan) verbracht. In Vrindavan wird eine Kopie verehrt.
Govinda Dev Tempel
Der von Raja Man Singh I. von Amber finanzierte und mit roten Sandsteinplatten verkleidete Govinda Dev Tempel wurde in der Zeit Aurangzebs von 7 auf 4 Stockwerke reduziert und all seines Figurenschmucks beraubt.
Ranganath Ji Temple
Der Ranganath Temple entstand in den Jahren 1845 bis 1851; sein Torbau(gopuram) verweist auf die beiden aus der südindischen Stadt Madras stammenden Stifter.
Gopeshwar Mahadev Tempel
nahe dem Fluss Yamuna
Radha Vallabh Tempel
ein historischer Tempel aus dem 16. Jahrhundert, der von Hita Harivansh gestiftet wurde.
Banke Bihari Temple
Der Banke Bihari Temple, das Hauptheiligtum Krishnas in Vrindavan wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.
Jaipur Temple
Der Bau des sog. Jaipur Temple wurde vom Maharaja von Jaipur Sawai Madho Singh II. Ende des 19. Jahrhunderts initiiert und im Jahr 1917 vollendet.
Krishna Balaram Mandir
Der Krishna Balaram Mandir wurde in den 1970er Jahren von der International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) gestiftet und in einem indo-europäischen Mischstil erbaut. Auf dem Gelände steht auch das Marmor-Mausoleum von Bhaktivedanta Swami Prabhupada, dem Gründer der Gesellschaft.
Tempel im Umland
Prem Mandir Tempel: Der ganz mit weißem Marmor verkleidete und in Stilformen mittelalterlicher Hindu-Tempel erbaute Prem Mandir wurde in den Jahren 2001 bis 2012 erbaut.
Maa Vaishno Devi Dham Tempel, eröffnet 2010, ca. 8 km nordwestlich mit einer 43 Meter hohen Statue, der Maa Vaishno Devi
Der seit 2014 im Bau befindliche Vrindavan Chandrodaya Temple soll einer der weltweit größten und höchsten Sakralbauten werden.
Der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erbaute Pagal-Baba-Tempel steht ungefähr 4km östlich von Vrindavan. Er erinnert an Sri Sheela Nand Ji, einen ehemaligen Richter am Obersten Gerichtshof von Kalkutta, der sich auf der Suche nach Spiritualität für den Ruhestand in Vrindavan entschied. Hier gebärdete er sich zeitweise wie ein Verrückter und man begann, ihn pagal baba („verrückter Baba“) zu nennen.
Die nur etwa 8 km südlich gelegene Stadt Mathura bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten, darunter eins der bedeutendsten Archäologischen Museen des Landes.
Das Vrindavan Research Institute (VRI) wurde 1968 von Ram Das Gupta gegründet. Die Hauptaufgaben des Instituts sind die Erforschung und die fachgerechte Aufbewahrung der überwiegend handschriftlichen, originalen Dokumente aus mehreren Jahrhunderten. Ein Quellenstudium zu verschiedenen Aspekten der Indologie soll durch die Auswertung ermöglicht werden. Das weitläufig angelegte Institut verfügt über ein Auditorium, eine Freilichtbühne und ein Museum zur Bewahrung von Artefakten der Volkskunst und Volkskunde Indiens, sowie des Kulturerbes der Braj-Region. Das Institut erhielt die Promotionszulassung für Sanskrit und Hindi und wurde von der Museum Association of India als Museum für Handschriften und Archivalien anerkannt.
Persönlichkeiten von Vrindavan
George Harrison, Shyamasundara Dasa und Mukunda Goswami vor dem Grabmal von Jiva Goswami in Vrindavan, 1996
Six Goswamis of Vrindavan (15. – 16. Jahrhundert), (Raghunatha dasa Goswami, Gopala Bhatta Goswami, Raghunatha Bhatta Goswami, Rupa Goswami, Jiva Goswami, Sanatana Goswami)
Witwen
Viele mittellose, von ihren Familien oder von den jeweiligen Dorfgemeinschaften verstoßene, hinduistische Witwen kommen nach Vrindavan, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen. In Vrindavan weihen diese Frauen ihr Leben dem Gott Krishna. Sie erhoffen sich so Erlösung von dem vermeintlichen Unheil, welches Witwen laut traditioneller Meinung mit sich bringen. Die meisten leben als Bettlerinnen oder von der Hilfe von ortsansässigen Ashrams, Tempeln und NGO’s. Sie sind zumeist erkennbar an ihrer farblos weißen oder hellblauen Kleidung.
Film
Widows of Vrindavan, Regie: Onir, 2019, erhielt den Publikumspreis als bester Dokumentarfilm beim 9. Jagran Film Festival
Literatur
Mathura A District Memoir, von Frederic Growse, 1882 (englisch)