Vrindavan

Vrindavan
वृन्दावन
Vrindavan (Indien)
Vrindavan (Indien)
Staat:Indien Indien
Bundesstaat:Uttar Pradesh
Distrikt:Mathura
Lage:27° 35′ N, 77° 42′ OKoordinaten: 27° 35′ N, 77° 42′ O
Höhe:170 m
Fläche:13,5 km²
Einwohner:91.000 (2026)
Bevölkerungs-
dichte
:
6741 Ew./km²
Website:Vrindavan
Radha Govinda Tempel
Radha Govinda Tempel
Radha Govinda Tempel

Vrindavan (Hindi वृन्दावन) ist eine Stadt im Distrikt Mathura des indischen Bundesstaats Uttar Pradesh. Sie liegt am Fluss Yamuna. Für die Anhänger des Hindu-Gottes Krishna ist sie eine heilige Stadt, denn Krishna soll in Mathura geboren und im Dorf Gokul aufgewachsen sein. Wenige Kilometer entfernt in Vrindavan hütete er Kühe und spielte mit den Gopis. Neben den zahlreichen Tempeln in dem Pilgerort befindet sich in fast jedem Haus ein Altar zur Verehrung Radhas und Krishnas. Deshalb trägt Vrindavan den Beinamen „Stadt der 5000 Tempel“.

Lage und Klima

Vrindavan liegt in etwa 170 m Höhe auf dem Westufer der Yamuna etwa 8 km nördlich der Stadt Mathura. Die Stadt Agra ist etwa 75 km in südöstlicher Richtung entfernt und Indiens Hauptstadt Delhi befindet sich etwa 145 km nördlich. Das Klima ist warm bis heiß; Regen (ca. 700–800 mm/Jahr) fällt nahezu ausschließlich in den sommerlichen Monsunmonaten.

Bevölkerung

Jahr1991200120112021
Einwohner47.74656.69263.005keine Zählung (Corona)

Ca. 92,5 % der Einwohner sind Hindus, 7 % sind Moslems; der Rest verteilt sich auf andere Religionen (Sikhs, Jains, Buddhisten, Christen). Der Anteil der männlichen Bevölkerung liegt ca. 20 % über dem weiblichen.

Wirtschaft

Die meisten Bewohner von Vrindavan leben direkt oder indirekt von der in den Dörfern der Umgebung betriebenen Landwirtschaft. In der Stadt selbst haben sich Handwerker, Kleinhändler und Dienstleister angesiedelt. Eine überaus wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Stadt spielt der Pilgertourismus.

Geschichte

Nidhivan, Tulsi-Wald (2025)

Gegründet wurde die heutige Stadt im 16. Jahrhundert. Mit zahlreichen Tempeln ausgestattet, wuchs die Stadt schnell heran. In Vrindavan gibt es dutzende historische und moderne Hindu-Tempel (mandira), die Krishna geweiht sind; keiner davon ist älter als 500 Jahre. Der Ort ist seit langer Zeit einer der beliebtesten Pilgerorte für Vishnuiten aus der ganzen Welt.

Prem Mahavidyalaya

Im Jahr 1909, im Alter von 23 Jahren gründete Mahendra Pratap Singh Indiens erste polytechnische Hochschule, das Prem Mahavidyalaya in Vrindavan. Er spendete das Gebäude und sorgte für regelmäßige Einkünfte, mit denen die Hochschule dauerhaft betrieben werden konnte. Er wollte Bildung vermitteln und soziale Reformen ermöglichen. In der Zeit des Kolonialismus (Britisch-Indien) pflegte er nationales Gedankengut. Madan Mohan Malviya eröffnete die Hochschule. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Einrichtung zu einem intellektuellen Zentrum für zahlreiche Persönlichkeiten. 1914 verließ Mahendra Pratap Singh das Land, um internationale Unterstützung für die Unabhängigkeit Indiens zu gewinnen. Er reiste nach Deutschland, Bulgarien, Ungarn, Afghanistan, Russland und Japan. Seine Ansichten zu Gleichheit, Gerechtigkeit und Internationalismus galten als fortschrittlich.

Subhas Chandra Bose, Rabindranath Tagore, Sarojini Naidu, C. F. Andrews und Jawaharlal Nehru besuchten das Prem Mahavidyalaya und trugen sich im Gästebuch ein. Mahatma Gandhi verbrachte am 19. April 1915 einen Tag dort und bekundete großen Respekt für Singhs Engagement.

Mythologie

Krishna mit den Gopis im Wald von Vrindavan

Der Überlieferung nach kam der Heilige Chaitanya 1515 auf einer Pilgerreise zum Wald Vrindavana. Vṛndāvana bedeutet auf Sanskrit Vṛndā (Tulsi-) und Vana (Hain, Wald). Chaitanya erkannte in diesem Wald den heiligen Ort, an dem Krishna den Schriften des Hinduismus zufolge Kühe gehütet hat. Den Ort, an dem er sich mit den Hirtenmädchen, den Gopis traf. Besonders ist sein Verhältnis zu Radha, das in vielen – in ganz Indien äußerst populären – Geschichten erzählt wird, zu erwähnen. Das Spiel von Radha und Krishna hat im Hinduismus eine tiefe symbolische Bedeutung als das göttliche Spiel (lila) der Seele mit ihrem Herrn.

Religiöse Stätten

Tempel in der historischen Stadt

Radha Madan Mohan Tempel (kolorierte Aquatinta-Radierung von Thomas Daniell, 1795)
Banke Bihari temple (Hauptportal)
Krishna-Balaram-Mandir
Madan Mohan Tempel
Der Shikhara-Turm des auf einem hohen Unterbau ruhenden Madan Mohan Tempels ist mit ornamentalen quadratischen Terrakotta-Platten überzogen. Er gilt als ältester Tempel Vrindavans. Das originale Kultbild wurde zu seinem Schutz in der Zeit des Großmoguls Aurangzeb nach Karauli (Rajasthan) verbracht. In Vrindavan wird eine Kopie verehrt.
Govinda Dev Tempel
Der von Raja Man Singh I. von Amber finanzierte und mit roten Sandsteinplatten verkleidete Govinda Dev Tempel wurde in der Zeit Aurangzebs von 7 auf 4 Stockwerke reduziert und all seines Figurenschmucks beraubt.
Ranganath Ji Temple
Der Ranganath Temple entstand in den Jahren 1845 bis 1851; sein Torbau (gopuram) verweist auf die beiden aus der südindischen Stadt Madras stammenden Stifter.
Gopeshwar Mahadev Tempel
nahe dem Fluss Yamuna
Radha Vallabh Tempel
ein historischer Tempel aus dem 16. Jahrhundert, der von Hita Harivansh gestiftet wurde.
Banke Bihari Temple
Der Banke Bihari Temple, das Hauptheiligtum Krishnas in Vrindavan wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut.
Jaipur Temple
Der Bau des sog. Jaipur Temple wurde vom Maharaja von Jaipur Sawai Madho Singh II. Ende des 19. Jahrhunderts initiiert und im Jahr 1917 vollendet.
Krishna Balaram Mandir
Der Krishna Balaram Mandir wurde in den 1970er Jahren von der International Society for Krishna Consciousness (ISKCON) gestiftet und in einem indo-europäischen Mischstil erbaut. Auf dem Gelände steht auch das Marmor-Mausoleum von Bhaktivedanta Swami Prabhupada, dem Gründer der Gesellschaft.

Tempel im Umland

Fotogalerie

Vrindavan Research Institute

Vrindavan Research Institut, Eingang

Das Vrindavan Research Institute (VRI) wurde 1968 von Ram Das Gupta gegründet. Die Hauptaufgaben des Instituts sind die Erforschung und die fachgerechte Aufbewahrung der überwiegend handschriftlichen, originalen Dokumente aus mehreren Jahrhunderten. Ein Quellenstudium zu verschiedenen Aspekten der Indologie soll durch die Auswertung ermöglicht werden. Das weitläufig angelegte Institut verfügt über ein Auditorium, eine Freilichtbühne und ein Museum zur Bewahrung von Artefakten der Volkskunst und Volkskunde Indiens, sowie des Kulturerbes der Braj-Region. Das Institut erhielt die Promotionszulassung für Sanskrit und Hindi und wurde von der Museum Association of India als Museum für Handschriften und Archivalien anerkannt.

Persönlichkeiten von Vrindavan

George Harrison, Shyamasundara Dasa und Mukunda Goswami vor dem Grabmal von Jiva Goswami in Vrindavan, 1996

Witwen

Viele mittellose, von ihren Familien oder von den jeweiligen Dorfgemeinschaften verstoßene, hinduistische Witwen kommen nach Vrindavan, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen. In Vrindavan weihen diese Frauen ihr Leben dem Gott Krishna. Sie erhoffen sich so Erlösung von dem vermeintlichen Unheil, welches Witwen laut traditioneller Meinung mit sich bringen. Die meisten leben als Bettlerinnen oder von der Hilfe von ortsansässigen Ashrams, Tempeln und NGO’s. Sie sind zumeist erkennbar an ihrer farblos weißen oder hellblauen Kleidung.

Film

Literatur

Commons: Vrindavan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Vrindavan – Census 2011
  2. ↑ Henry George Keene: A Handbook for Visitors to Agra and Its Neighbourhood. Thacker, Spink & Co., 1899, Bindrabun, S. 98–106 (englisch, archive.org).
  3. ↑ Vrindavan – Karte + Fakten
  4. ↑ Vrindavan – Census 2011
  5. ↑ Vrindavan, Geschichte – Fotos + Infos
  6. ↑ Independance Day Special. 𝓡𝓪𝓳𝓪 𝓜𝓪𝓱𝓮𝓷𝓭𝓻𝓪 𝓟𝓻𝓪𝓽𝓪𝓹 𝓕𝓸𝓾𝓷𝓭𝓪𝓽𝓲𝓸𝓷, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  7. ↑ Ashee Sharma: Independance Day Special. vrindavantoday, 15. August 2021, abgerufen am 27. August 2026 (englisch).
  8. ↑ Lokanath Swami: Lord Chaitanya Visits Vrindavan. Godhead Magazine, abgerufen am 22. August 2026 (englisch).
  9. ↑ Pagal-Baba-Tempel – Foto + Legende
  10. ↑ Vrindavan Research Institute. VRI, abgerufen am 17. September 2026 (englisch).
  11. ↑ Vrindaban Research Institute. Ministery of Culture, abgerufen am 17. September 2026 (englisch).
  12. ↑ Six Goswamis of Vrindavan. Abgerufen am 19. August 2026 (englisch).
  13. ↑ Arjun Sengupta: Holi: Bringing fleeting colour to the lives of Vrindavan’s widows. indianexpress, 3. August 2023, abgerufen am 25. August 2026 (englisch).
  14. ↑ Margarethe Blümel: Das Leben der Übriggebliebenen, Witwen in Indien. Deutschlandradio, 13. September 2012
  15. ↑ Michaela Maria Müller: Die Stadt der Witwen. Die Welt, 17. Januar 2008