Afrikaner Broederbond

Afrikaner Broederbond
(AB; Broederbond)
Rechtsform Personenvereinigung
Gründung Mai 1918
Auflösung 1993
Nachfolger Afrikanerbond
Schwerpunkt Nationalismus, Rassismus
Aktionsraum Südafrikanische Union › Südafrika
Südwestafrika › Namibia
Website keine

Der Afrikaner Broederbond (kurz AB oder Broederbond; deutsch Afrikaner-Bruderbund) war eine nationalistisch geprägte Organisation der afrikaanssprachigen (im Gegensatz zur englischsprachigen) europäischstämmigen Bevölkerung in Südafrika und dem damaligen Südwestafrika, die man üblicherweise als Buren bezeichnet. Die kulturell, zunehmend ökonomisch und politisch aktive Vereinigung wurde als Jong Suid-Afrika im Mai 1918 gegründet und bereits 1921 in Afrikaner Broederbond umbenannt. Zwischen 1921 und 1993 verhielt sich diese Organisation in ihrem Selbstverständnis als Geheimbund.

Geschichte

Jong Suid-Afrika wurde in der Folge des Zweiten Burenkriegs von drei Eisenbahnmitarbeitern mit dem Ziel gegründet, die von Großbritannien geschlagene burische, weiße Bevölkerung in städtischen Milieus zu sammeln und fortan eine kulturnationalistische Mobilisierung zu betreiben. Das geschah durch die Organisation von Kulturabende und einer bewusst betriebenen Sprachpraxis des Niederländischen und des Afrikaans. Einer der Gründer, Henning Klopper, wurde später Parlamentspräsident. Die zunächst mitgliederschwache Organisation gewann ab 1927 an Bedeutung, als aus dem Kreis der Professoren der calvinistisch geprägten Potchefstroom Universität mehrere Personen eintraten und Führungsämter übernahmen. Diese bewirkten bereits 1928 die Gründung einer Dachorganisation für das Kulturleben der Buren, die Federasie van Afrikaanse Kultuurvereniginge (FAK). Deren Ziel bestand darin, alle kulturellen Aktivitäten in Richtung eines burischen Nationalismus auszurichten. Die FAK wurde so zum sichtbaren „Akteur“ des Broederbond. Dieser hatte entgegen einiger Berichterstattungen in damaligen südafrikanischen Medien lange keinen richtungsweisenden Einfluss auf die Politik der Nasionale Party. Der Broederbond und die FAK gründeten im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts zahlreiche Kulturorganisationen mit ausgesprochen burischer Ausrichtung. Entsprechende Mitglieder aus Organisationen, die gemeinsam mit kulturell und englischsprachig orientierten Personen existierten, wurden mit Erfolg abgeworben. Diese Entwicklung gewann noch vor 1948 an erhebliche Dynamik. Der Broederbond gründete demzufolge kulturnationalistisch orientierte Literaturzirkel, Gesangsvereine und Pfadfindergruppen, Sportvereine sowie einen eigenen Automobilclub, ferner Universitätsfakultäten und sogar Banken, Versicherungen und Handelskammern. Das Ergebnis dieser umfassenden Aktivitäten war eine gut organisierte und vernetzte Parallelgesellschaft innerhalb der Bevölkerung der Südafrikanischen Union. Mit dem Wahlsieg im Jahr 1948 der Burenpartei, der Nasionale Party (englisch National Party), wurden wesentliche politische Ziele erreicht.

Der Broederbond stand stets in sehr engem Verhältnis zur Nasionale Party und anderen politischen Organisationen der Buren. Er hatte sich zu einem ideologischen Zentrum für die rassistischen Verhältnisse (Apartheid) in Südafrika entwickelt. Im Jahr 1993 veränderte man die Ziele und öffnete sich für die Mitgliedschaft von Frauen sowie nichtburischen Bevölkerungskreisen. Im Zuge dieser Transformation benannte sich der Afrikaner Broederbond um und trägt seither den Namen Afrikanerbond.

Vorsitzende

Die Führung des Broederbond, 1918.
Hinten (v. l. n. r.): Daniel H. C. du Plessis, J. Combrink, H. le R. Jooste.
Sitzend: L. J. Erasmus, Henning J. Klopper, Ds W. Nicol, J. E. Reeler

nach

Rezeption

Einzelnachweise

  1. ↑ Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 2012, S. 199–200.
  2. ↑ Padraig O’Malley, Nelson Mandela Foundation: Afrikaner-Broederbond (AB). auf www.omalley.nelsonmandela.org (englisch)
  3. ↑ biographische Notiz