
Die Steinbrüche am Bromacker am nördlich der Thüringer Kleinstadt Tambach-Dietharz sind der bedeutendste Fundort für frühe Landwirbeltiere (terrestrische Tetrapoda) aus der Zeit des Unterperms (ca. 294 mya) außerhalb Nordamerikas. Aufgrund der Bedeutung dieser Fossillagerstätte gehört der Bromacker zu den renommiertesten Nationalen Geotopen Deutschlands. Seit 2020 wird der Fundpunkt im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts BROMACKER intensiv wissenschaftlich untersucht.
Der Bromacker liegt im Apfelstädtgrund zwischen Georgenthal und Tambach-Dietharz, westlich der L 1028 unmittelbar nördlich von Tambach-Dietharz. Daher wird die dort befindliche Fossillagerstätte meist in Verbindung mit dieser Kleinstadt genannt. Die Steinbrüche befinden sich jedoch auf dem Gemeindegebiet von Georgenthal.

Der Bromacker liegt im Tambacher Becken, einem intramontanen Becken und Teil des Thüringer-Wald-Beckens. Die dort anstehenden Gesteine gehören zum Tambach-Sandstein, der den mittleren Teil der Tambach-Formation bildet. Die Tambach-Formation gehört zum jüngeren Abschnitt der Rotliegend-Serie und ist sehr wahrscheinlich artinskischen Alters (ca. 280 Mio. Jahre). Die Gesteinsabfolge am Bromacker wird in „Untere Schichten“ und „Obere Schichten“ eingeteilt, die beide aus roten Sand-, Silt- und Tonsteinen bestehen, sich aber geringfügig faziell (in ihren Merkmalen) unterscheiden. So stammen alle bisher gefundenen Wirbeltiere (Vertebrata) ausschließlich aus den „Oberen Schichten“, überwiegend aus zwei ca. 0,5 Meter mächtigen Bänken, die aus massigem Feinsand-/Siltstein bestehen und durch ein ca. 0,5 Meter mächtiges, z. T. Conchostraken enthaltendes Intervall aus plattigem Feinsand-/Siltstein und laminiertem Tonstein voneinander getrennt werden. Die „Unteren Schichten“ enthalten in Bezug auf Landwirbeltiere lediglich Spurenfossilien.
Die Fundstätte wurde 1974 vom deutschen Paläontologen Thomas Martens entdeckt. Seitdem gruben im Bromacker deutsche und amerikanische Paläontologen zusammen nach Fossilien. Dabei wurden neben etlichen Insekten- und Pflanzenfossilien über 40 Skelette von rund 12 Arten von „Ur-Reptilien“ ans Tageslicht befördert. Das Grabungsgebiet erstreckte sich um das Jahr 2010 über 300 Quadratmeter, Probebohrungen haben aber ergeben, dass insgesamt ca. 1–2 Hektar nach Fossilien abgesucht werden könnten.
Nachdem etwa 10 Jahre keine regelmäßigen systematischen Grabungen am Bromacker mehr stattgefunden hatten, startete 2020 das auf fünf Jahre angelegte Projekt BROMACKER. Dieses Forschungsprojekt wird vom Berliner Museum für Naturkunde in Zusammenarbeit mit der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem UNESCO Global Geopark Thüringen Inselsberg – Drei Gleichen durchgeführt und setzt stärker als seine Vorgänger auf die Kommunikation mit interessierten Laien.


Die Sedimente des Bromackers wurden in einer abflusslosen, von Bergen gesäumten Hochebene durch kleine Flüsse und Seen abgelagert. Das damalige Klima war das ganze Jahr hindurch sehr warm mit saisonalen Niederschlägen, d. h., es gab eine Regen- und eine Trockenzeit, ähnlich wie in der heutigen Savanne. Da es jedoch im Perm noch keine Gräser gab, hatte die Landschaft kaum Ähnlichkeit mit den Savannen der Gegenwart. Vielmehr wurde die Flora von Koniferengewächsen und Samenfarnen dominiert.
Die für die Fossilfundstätten des Unterperms von Nordamerika typischen Fische und Amphibien fehlen im Tambacher Becken. Stattdessen treten am Bromacker ausschließlich Formen auf, die in hohem Maße an eine rein terrestrische Lebensweise angepasst sind und bei denen es sich zu einem Großteil um Pflanzenfresser handelt. Die Ursache hierfür könnte darin liegen, dass es sich beim Tambacher Becken um einen Ablagerungsraum handelte, der im Gegensatz zu den Fossillagerstätten in Nordamerika weit entfernt von den Küstenebenen lag, und dass diese küstenfernen, isolierten Hochländer im Unterperm nur schwer von aquatischen Wirbeltieren besiedelt werden konnten. Daher bildeten sich dort Nahrungsnetze auf der Basis von terrestrischen Pflanzenfressern aus.
Bisher identifizierte oder beschriebene Wirbeltier-Funde: Georgenthalia, ein Amphibamide; Tambachia und Rotaryus, beides Trematopiden; zwei unbeschriebene Dissorophiden; Seymouria, die namensgebende Gattung der Seymouriamorpha; die Diadectomorphen Orobates und Diadectes; der zum Laufen auf den Hinterbeinen fähige Bolosauride Eudibamus; Thuringothyris, ein Vertreter der „Protorothyrididae“; die Pelycosaurier Dimetrodon (Sphenacodontidae), Tambacarnifex (Varanopidae) und Martensius (Caseidae).
Der 2011 aus der Tambach-Formation beschriebene ostodolepide Lepospondyle Tambaroter stammt nicht aus den Steinbrüchen am Bromacker, sondern wurde bei Bauarbeiten für einen Supermarkt direkt in Tambach-Dietharz gefunden. Zudem stammt er wahrscheinlich nicht aus dem Tambach-Sandstein, sondern aus dem auflagernden Finsterbergen-Konglomerat.


Bislang identifizierte oder beschriebene fossile Fährten und Trittsiegel von Landwirbeltieren: Ichniotherium (die mit Abstand häufigste Form, mutmaßliche Erzeuger: Orbates und Diadectes), Varanopus (mutmaßlicher Erzeuger: Thuringothyris), Tambachichnium (möglicher Erzeuger: Eudibamus) und Dimetropus (mutmaßlicher Erzeuger: Dimetrodon). Informell als „Megatambichnus“ bezeichnet werden Strukturen, die als Grabspuren von Diadectiden gedeutet werden. Zudem wurde ein Speiballen beschrieben, der vermutlich von Dimetrodon oder Tambacarnifex stammt und als ältester derartiger Nachweis in terrestrischem Milieu gilt. Er enthält 41 Knochen, unter anderem von Thuringothyris und Eudibamus. Des Weiteren außergewöhnlich ist die Ruhespur Bromackerichnus: die auf Schichtunterseiten (d. h. als positive Hyporeliefs) überlieferten Exemplare zeigen Details der Hautstruktur der Bauchseite von Sphenacodontiden (möglicherweise Dimetrodon), erlauben damit Rückschlüsse auf die Evolution von Hautschuppen bei frühen Synapsiden und legen nahe, dass sich die Spurenerzeuger bei Trockenheit in Tümpeln zusammenfanden. Eine ähnliche Ruhespur, die aber ein anderes Schuppenmuster aufweist als Bromackerichnus und möglicherweise von Martensius erzeugt wurde, liefert den ältesten Nachweis einer Kloake bei Synapsiden.
Bislang am Bromacker identifizierte oder beschriebene Wirbellosenfossilien: Lioestheria, ein Conchostrake; die phyloblattiden Schaben cf. Anthracoblattina, Kunguroblattina und Phyloblatta; die mylacriden Schaben Moravamylacris und Opsiomylacris sowie mehrere unbeschriebene Myriapoden- und Insektenarten.
Bislang am Bromacker identifizierte oder beschriebene Wirbellosenspuren: Scoyenia, Tambia und Striatichnium.
Koordinaten: 50° 48′ 35,2″ N, 10° 37′ 8,8″ O