Sollbruchstelle

Jedes Blatt, das im Herbst vom Baum fällt, bricht an der dafür vorgesehenen Sollbruchstelle ab
Kerben in tafelförmigen Lebensmitteln, wie z. B. Schokolade, erleichtern die Portionierung.

Eine Sollbruchstelle ist eine durch eine besondere Struktur vorgegebene Stelle, an der natürliche oder künstliche Objekte, darunter zahlreiche Pflanzen, aber auch Minerale brechen. Besonders typisch sind Sollbruchstellen an Blättern, Früchten oder Sammelfrüchten.

Im Tierreich findet man Sollbruchstellen unter anderem im Bereich der Autotomie, wo sie Tieren in Lebensgefahr ermöglichen ein Körperteil abzuwerfen, um einen Angriff zu überleben.

Der Mensch hat diese Materialeigenschaft kopiert und einer Reihe von Gegenständen eine bestimmte Form oder Konstruktion (meist eine Materialverjüngung) verliehen. So brechen Objekte bei Belastung an einer bestimmten Stelle, wo z. B. eine Kerbe, Perforation oder eine Ritzspur angebracht wurde. Durch die Kerbwirkung ist das Bauteil entscheidend geschwächt.

Natürliche Sollbruchstellen

Die zweiteilige Schale soll den Kern der Walnuss bis zur Keimung schützen
Auch Sammelfrüchte wie diese Bucheckern verfügen über Sollbruchstellen

In der Natur ermöglichen Sollbruchstellen den Verlust von nicht länger benötigtem Material, wie nachwachsenden Geweihen oder Laubblättern. Darüber hinaus gibt es Reaktionen, wie die von Nesselzellen, welche ebenfalls durch winzige Sollbruchstellen ermöglicht werden. Ähnlich wie bei vom Menschen nachempfundenen Strukturen kennt die Natur auch vorgegebene Unterteilungen wie Nussschalen, die allerdings ursprünglich dafür bestimmt waren, das Öffnen der Schale von Innen zu erleichtern.

Pflanzen

Petschaft an einem abgeworfenen Elchgeweih

Tiere

Künstliche Sollbruchstellen

Im Alltag erleichtern Sollbruchstellen das Trennen und Unterteilen von Materialien oder das Öffnen von Behältern. Industriell wird Bruchtrennen an Sollbruchstellen als Fertigungsmethode eingesetzt. Ein Beispiel ist das Ritzen von Leiterplatten entlang ihrer Endkontur, bevor sie automatisch im Nutzen bestückt werden.

Eine weitere auch industriell wichtiger Einsatzbereich ist der Überlastschutz, wobei oftmals austauschbare Elemente verwendet werden, wie z. B. Abscherstifte in Kupplungen. Diese Teile sind schwächer dimensioniert als der Rest der Anlage. U. a. bei Haushaltsgeräten sind diese Teile als Ersatzteil erhältlich. Man kann sie meist ohne Fachkenntnisse tauschen, z. B. bei kleinen Außenbordmotoren, Rasenmähern und Küchenmaschinen. Sollbruchstellen dienen bei Abbrechklingen (z. B. bei Teppichmessern) dem leichteren Entfernen des stumpfen Klingenabschnittes; ein unverbrauchter und scharfer Klingenabschnitt wird zur Benutzung freigegeben. Das Ziel ist hier zum Beispiel, dass Druck, Drehmoment oder Kraft begrenzt werden und auf diese Weise ein größerer Schaden im Gesamtsystem vermieden wird (Beispiel Rutschkupplung oder Drehmomentschlüssel). Sollbruchstellen an Verpackungen dienen hingegen zum komfortableren Öffnen.

Deutlich abzugrenzen ist der Begriff zur beabsichtigt konstruierten Schwachstelle im Zusammenhang mit geplanter Obsoleszenz. Dabei wird davon ausgegangen, dass Hersteller zur Absatzförderung gezielt Schwachstellen in ihre Produkte einbauen, um die Lebenszeit des Produktes künstlich zu verkürzen und den Verkauf weiterer Produkte anzukurbeln (beispielsweise bei Damenstrümpfen, Pullovern, Reißverschlüssen, Glühlampen oder unterdimensionierten Bauteilen, die einer Dauerbelastung nicht lange standhalten).

Beispiele für künstliche Sollbruchstellen

Unterschiedliche künstliche Sollbruchstellen (nach Funktion):

Leichteres Öffnen

Trennen

Schutz bzw. Schadensbegrenzung

Sonstiges

Sollbruchstelle eines Notausstiegsfensters des ICE 1 mit Nothammer

Galerie

Siehe auch

Wiktionary: Sollbruchstelle – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Das Geheimnis der herbstlichen Laubverfärbung. Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), abgerufen am 30. Mai 2026.
  2. 1 2 M. V. S. Import: Harte Schale – weicher Kern. 1. Februar 1997, abgerufen am 8. November 2024 (deutsch).
  3. ↑ Botanisches Grundpraktikum. (PDF) Abgerufen am 8. November 2024.
  4. ↑ Botanik: Auferstehung bei Pflanzen. 31. Januar 2005, abgerufen am 8. November 2024.
  5. ↑ Botanischer Garten der Universität Osnabrück :: Botanische Sammlungen :: Karpologische Sammlung. Abgerufen am 8. November 2024.
  6. ↑ Der Clan der Haarsterne. Abgerufen am 8. November 2024.
  7. ↑ Goniopora fruticosa Margeritenkoralle. Abgerufen am 8. November 2024.
  8. ↑ Geplante Obsoleszenz: Eine kurze Geschichte des gewollten Verschleißes. 28. Dezember 2017, abgerufen am 8. November 2024.
  9. ↑ Wie sinnvoll ist ein Katzenhalsband? Abgerufen am 8. November 2024.
  10. ↑ Bonnier Corporation: Popular Science. Bonnier Corporation, Juli 1954 (google.ch [abgerufen am 8. November 2024]).