Bruno Kaiser

Bruno Kaiser (* 5. Februar 1911 in Berlin; † 27. Januar 1982 ebenda) war ein deutscher Widerstandskämpfer, Marxist, Bibliothekar und Germanist.

Jugend

Als Sohn eines Gymnasiallehrers wuchs Bruno Kaiser in einem großbürgerlichen, liberal geprägten jüdischen Elternhaus auf. Nach dem Abitur studierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte. An der Vossischen Zeitung absolvierte er ein Volontariat und wurde Redakteur. Als Mitglied der Antifaschistischen Aktion gehörte er zu denjenigen Intellektuellen, die Carl von Ossietzky am 10. Mai 1932 auf dem Weg ins Gefängnis begleiteten.

Infolge der nationalsozialistischen Machtergreifung im Jahr 1933 wurde die Vossische Zeitung verboten. Bruno Kaiser, der zeitweise an Tuberkulose erkrankte, verbreitete illegale Flugblätter mit antifaschistischem Inhalt. 1938 wurde er verhaftet und gefoltert, dann jedoch, da man ihm nichts nachweisen konnte, unter Polizeiaufsicht auf freien Fuß gesetzt. Er verließ Deutschland und emigrierte über Belgien und Frankreich in die Schweiz.

Emigration

Das Exil nutzte Kaiser zum Studium in belgischen, französischen und niederländischen Bibliotheken und entdeckte unbekannte Veröffentlichungen von Klassikern der Arbeiterbewegung, darunter von Friedrich Engels. In Belgien wurde Kaiser nach Kriegsbeginn interniert und nach Frankreich in das Lager Gurs überführt, wo seine Tuberkulose wieder ausbrach. Französische Kommunisten in Marseille sorgten für eine Heilbehandlung in der Schweiz, wo Kaiser im Kanton Baselland erneut interniert wurde. Man erlaubte ihm, im Stadtarchiv von Liestal den Nachlass von Georg und Emma Herwegh zu ordnen. 1946 konnte dank seiner Inventarisierungsarbeit das Dichtermuseum Liestal (seit 2001 Dichter- und Stadtmuseum Liestal) eröffnet werden. Ab September 1943 lebte er in Basel bei einem privaten Unterstützer an einem sogenannten Freiplatz. Dieser war durch ein evangelisches Hilfswerk für Flüchtlinge vermittelt worden.

Ab 1943 war Kaiser Mitglied der Bewegung Freies Deutschland in der Schweiz.

Bibliothekar

Im Sommer 1947 kehrte Kaiser mit seiner Ehefrau Stascha (Stanislawa) nach Berlin zurück und wurde Abteilungsdirektor in der Deutschen Staatsbibliothek, wo er sich zunächst um die Bestände der von den Nazis 1933 beschlagnahmten Arbeiterbibliotheken kümmerte. Seine bereits in Jugendjahren und im Exil angelegte Büchersammlung machte ihn zu einem der bedeutendsten bibliophilen Sammler in der DDR. Wohnraum hatte er in der Straße vor Schönholz, die gemeinsam mit der Straße 201 die spätere Erich-Weinert-Siedlung bildete.

Der SED trat Kaiser im Mai 1948 bei. Im selben Jahr reiste er zum Studium am Marx-Engels-Lenin-Institut nach Moskau und erwirkte, dass die SED im März 1949 ein Institut gleichen Namens in Berlin gründen konnte. Am 1. Oktober 1949 wurde Kaiser der erste Bibliothekar des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. 1950 begründete er die Internationale Bibliographie der marxistischen Zeitschriftenliteratur; im selben Jahr wurden ein Fotolabor und eine Buchbinderei eingerichtet. Besondere Verdienste erwarb sich Kaiser durch die Wiederauffindung des größten Teils der Handbibliotheken von Karl Marx und Friedrich Engels. Im Februar 1961 wurde Kaiser zum Professor ernannt. 1972 legte Bruno Kaiser die Leitung der Bibliothek nieder.

Grabstätte

Die Urne Kaisers wurde in der Gräberanlage „Pergolenweg“ des Berliner Zentralfriedhofs Friedrichsfelde beigesetzt, wo auch seine Ehefrau Stascha bestattet ist. Seine Bibliothek, seine Sammlung künstlerischer Exlibris und sein handschriftlicher Nachlass gingen an die Deutsche Staatsbibliothek.

Ehrungen

Werke

Herausgeber

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Jürgen Stroech: Bruno Kaiser (1911-1982), S. 144 f.
  2. ↑ Staatsarchiv Basel-Stadt Signatur: PD-REG 3a 49487 ().
  3. ↑ Vgl. Bruno Kaiser: Bibliophilie im Sozialismus. In: Neues Deutschland v. 18. Juli 1959, Beilage Nr. 28.
  4. ↑ Seite des Max-Lingner-Archivs in der Akademie der Künste.
  5. ↑ Marx-Engels-Gesamtausgabe Abteilung IV. Bd. 32 Vorauspublikation. Akademie Verlag, Berlin 1999.
  6. ↑ Vgl. die Der Pergolenweg auf der Webseite des Friedhofs.
  7. ↑ Vgl. die Webseite der Pirckheimer-Gesellschaft.
  8. ↑ Neues Deutschland, 5. Oktober 1971, S. 5.
  9. ↑ Neues Deutschland, 6. März 1981, S. 2.
  10. ↑ Nachdruck In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge. Sonderband 5, Hamburg 2006, S. 259–262.
Personendaten
NAME Kaiser, Bruno
ALTERNATIVNAMEN Mohr, Oswald (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Germanist
GEBURTSDATUM 5. Februar 1911
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 27. Januar 1982
STERBEORT Berlin