Brunsvigien

Brunsvigien

Kaiserin Josephines Brunsvigie (Brunsvigia josephinae), Blütenstand

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Amaryllidoideae
Tribus: Amaryllideae
Gattung: Brunsvigien
Wissenschaftlicher Name
Brunsvigia
Heist.

Die Brunsvigien (Brunsvigia) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die etwa 21 Arten sind im südlichen Afrika verbreitet.

Beschreibung

Illustration von Brunsvigia grandiflora
Illustration von Brunsvigia grandiflora; der Aufbau des Blütenstandes mit den Tragblättern und den gestielten Blüten ist gut dargestellt.

Erscheinungsbild und Laubblätter

Brunsvigia-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten weisen in der Trockenzeit keine grünen Laubblätter auf. Bei Pflanzen an Naturstandorten mit Winterregenzeit treiben die Blätter erst nach dem Abblühen; an den Standorten mit Sommerregenzeit überschneiden sich die Zeiten des Blatt- und Blütenstandswachstums. Sie bilden meist unterirdische Zwiebeln als Überdauerungsorgane; bei Brunsvigia herrei und Brunsvigia josephinae sind sie halb oberirdisch. Die Zwiebelhülle ist meist lohfarben und spröde, bei den Arten Brunsvigia josephinae und Brunsvigia litoralis dagegen papierartig und braun.

An ausgewachsenen Pflanzen sind die grundständigen und mehr oder weniger zweizeilig angeordneten Laubblätter länglich bis zungenförmig und breit. Die Arten mit kleinen Zwiebeln (Brunsvigia comptonii, Brunsvigia namaquana und Brunsvigia radula) bilden nur zwei bis drei Laubblätter pro Pflanze aus, die meisten anderen Arten besitzen vier oder mehr Laubblätter. Die größte Zahl an Laubblättern findet sich mit etwa 20 bei Brunsvigia josephinae. Bei den meisten Arten liegen die Blätter flach und schmiegen sich am Boden an. Nur bei den Arten Brunsvigia grandiflora, Brunsvigia herrei, Brunsvigia josephinae, Brunsvigia litoralis und Brunsvigia undulata stehen die Blätter deutlich vom Boden ab. Bei den meisten Arten sind die Blattoberflächen glatt und unbehaart. Bei den beiden in Namaqualand heimischen Arten Brunsvigia namaquana und Brunsvigia radula sind sie dagegen strohfarben, borstig behaart; bei einigen Populationen der Art Brunsvigia striata sind sie weich behaart.

Blütenstände und Blüten

Die Blütezeit liegt im südlichen Afrika je nach Art in ganz unterschiedlichen Teilen des Jahres. Die Blütenstände sind sehr auffällig. Bei den meisten Arten stehen die Blütenstiele der Einzelblüten gerade radial nach außen ab und formen so zusammen einen kugeligen Blütenstand. Bei den Arten Brunsvigia josephinae, Brunsvigia litoralis und Brunsvigia orientalis sind die Blütenstiele dagegen gebogen, und bei den drei Arten Brunsvigia elandsmontana, Brunsvigia marginata und Brunsvigia pulchra sind die Blütenstände kompakt und bürstenförmig. Die Einzelblüten sind meist rubinrot bis scharlachrot (Arten Brunsvigia josephinae, Brunsvigia litoralis, Brunsvigia marginata und Brunsvigia orientalis) oder blassrosa bis kräftig rosa. Bei manchen Arten ist der ganze Blütenstand auffällig gefärbt. Ein charakteristisches Merkmal für die Arten Brunsvigia bosmaniae und Brunsvigia gregaria ist die dunkle Nervatur auf den Tepalen.

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Je Blüte sind sechs Blütenhüllblätter vorhanden, die frei stehen oder zu einer kurzen Röhre teilverwachsen sind. Bei den Arten mit dichten, kompakten Blütenständen sind die Einzelblüten meist radiärsymmetrisch und trompetenförmig, bei den Arten mit lockeren, offenen Blütenständen überwiegen zygomorphe Blüten. Die Blüten der Arten Brunsvigia comptonii, Brunsvigia namaquana und Brunsvigia radula sind davon abweichend stark asymmetrisch, da alle Blütenhüllblätter bis auf eines nach oben gekrümmt sind. Bei allen Brunsvigia-Arten produzieren die Blüten Nektar; bei vielen Arten duften sie auch.

Früchte und Samen

In spindelförmigen oder dreikantigen, oft stark gerippten Kapselfrüchten sind die wasserhaltigen, nicht ruhenden Samen enthalten.

Vorkommen

Die etwa 21 Brunsvigia-Arten sind im südlichen Afrika weitverbreitet. Überwiegend kommen sie an semiariden Standorten vor. Mehr als die Hälfte der Arten ist in Regionen mit Regenzeit im Winter heimisch, einige Arten kommen in Regionen mit sommerlicher Regenzeit (Gegend um die Drakensberge und KwaZulu-Natal) vor. Das Verbreitungsgebiet reicht von den Küsten bis zu den Gebirgen im Inneren des Kontinentes. Einige Arten gedeihen an besonderen Standorten auf besonderen Substraten auf Quarzit-Adern, Dolomit-Aufschlüssen, Muschelbänken und Sandflächen. Nur wenige Arten gedeihen in saisonal feuchten Vertiefungen, hauptsächlich im östlichen Sommerregengebiet. Einige Arten besitzen ein weites Verbreitungsgebiet, aber einige Arten (Brunsvigia elandsmontana, Brunsvigia herrei, Brunsvigia namaquana, Brunsvigia pulchra, Brunsvigia radula, Brunsvigia striata und Brunsvigia undulata) sind natürlicherweise selten.

Blätter der Brunsvigia marginata
Brunsvigia natalensis
Blütenstände von Brunsvigia orientalis am Naturstandort; sie blüht in blattlosem Zustand
Brunsvigia radulosa
Blütenstand der Brunsvigia striata

Systematik

Die Gattung Brunsvigia wurde 1755 durch den deutschen Botaniker Lorenz Heister in Beschreibung eines neuen Geschlechts, S. 3, Braunschweig aufgestellt. Der Gattungsname Brunsvigia ehrt den Herzog Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, der die Erforschung der Pflanzen, insbesondere der am Kap vorkommenden Art Brunsvigia orientalis, förderte.

Die Gattung Brunsvigia gehört zur Subtribus Strumariinae aus der Tribus Amaryllideae in der Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie der Amaryllidaceae. Früher wurde sie auch in die Familie der Liliaceae eingeordnet.

Es gibt etwa 21 Brunsvigia-Arten:

Siehe auch

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Deirdré Anne Snijman, Colin Paterson-Jones: Brunsvigia Heist. (Memento vom 10. Mai 2008 im Internet Archive) bei PlantZAfrica vom South African National Biodiversity Institute = SANBI. April 2005.
  2. ↑ Brunsvigia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. ↑ Heister, L. (1755). Beschreibung eines neuen Geschlechts von einer sehr raren und überaus schönen afrikanischen Pflanze aus der Familie der Zwiebelgewächse, welche er zu Ehren und immerwährenden Andenken des durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Karls, ist regierenden Herzogs zu Braunschweig und Lüneburg des mildreichesten Beförderers aller und besonders auch der Kräuterwissenschaft den Namen Brunsuigia beygeleget wobey zugleich viele Irrthümer einiger Kräuterkenner angezeiget und verbessert werden, nebst drey großen Kupferplatten worauf obige Pflanze mit lebendigen Farben nach dem Leben dargestellet wird. Gedruckt im großen Waysenhause.
  4. ↑ Brunsvigia im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 8. Februar 2012.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Artenliste zu Brunsvigia in der Red List of South African Plants
  6. 1 2 3 4 Rafaël Govaerts (Hrsg.): Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 16. Oktober 2014

Weiterführende Literatur

Commons: Brunsvigia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien