Der Bryce-Report oder The Bryce Report on Alleged German Outrages wurde vom Committee on Alleged German Outrages (Komitee über mutmaßliche deutsche Grausamkeiten) herausgegeben. Er schilderte Deutsche Gräueltaten im Jahr 1914 in Belgien durch das deutsche Heer des Kaiserreichs im neutralen Belgien während des Ersten Weltkrieges.
Das Komitee, das im Dezember 1914 von der Regierung Asquith aus moralischen und auch propagandistischen Gründen initiiert wurde, ist auch als Arm des im August 1914 gegründeten britischen War Propaganda Bureau (WPB) zu sehen. Als Vorsitzender wurde James Bryce, 1. Viscount Bryce, eingesetzt, weitere Mitglieder waren die Juristen Sir Frederick Pollock, Sir Edward Clarke, Sir Alfred Hopkinson und Sir Kenelm E. Digby, der Historiker H.A.L. Fisher und der Ökonom Harold Cox.
Der Bryce-Report enthält 500 eidesstattliche Zeugenaussagen von Flüchtlingen sowie Auszüge aus 37 deutschen Soldatentagebüchern und hatte den Straßenpreis von einem Penny.
Das Komitee veröffentlichte den in 30 Sprachen übersetzten Bericht am 12. Mai 1915, fünf Tage nach der Versenkung der Lusitania durch ein deutsches U-Boot. Die Befrager der Zeugen erklären ausdrücklich, dass diese nicht manipuliert und verdächtige Aussagen nicht erfasst wurden. Fast alle Aussagen, die an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten gesammelt wurden, enthalten ähnliche Vorwürfe.
Der Bericht stellt fest, dass:

Eine der wesentlichen Folgerungen des Komitees war die Verletzung des Kriegsvölkerrechts. Dies wurde an einigen Fällen gezeigt, die man als geplant und vorsätzlich beschrieb. Soldaten folgten demnach Anweisungen zur Nutzung von Zivilisten als menschliche Schutzschilde, zum Niederbrennen von Häusern und zur Zerstörung von Eigentum. Deutsche Soldaten hätten zudem im Beisein von Offizieren auf dem Marktplatz von Lüttich 20 belgische Mädchenvergewaltigt. Der Report schließt, dass der Missbrauch der Bevölkerung Höhen erreicht hatte, die man nie zuvor in Kriegen zivilisierter Nationen sah. Er erwähnt, dass die Deutschen niemals offiziell abgestritten haben, dass Nicht-Kriegsbeteiligte in großer Zahl getötet wurden. Die Autoren des Berichts stellen heraus, dass die schwerwiegendsten Beweise die Tagebücher deutscher Soldaten darstellen. Wesentlich war auch die Feststellung, dass die deutschen Handlungen vorsätzlich und systematisch waren. Eine Woche nach der Veröffentlichung antworteten die deutschen Behörden mit einem Weißbuch über Brutalitäten von Belgiern an deutschen Soldaten. Darin wurden teils Vergeltungsaktionen nicht abgestritten, sondern als legitim dargestellt und im Falle von Dinant die Erschießung von Frauen und Kindern damit begründet, dass diese im Weg gewesen seien, da sie ihren Platz, der sich abseits der männlichen Geiseln befunden habe, verlassen hätten.
Bryce, 1907–1913 Botschafter in den Vereinigten Staaten und bekannter Historiker, gab dem Bericht durch seinen Vorsitz eine hohe Authentizität. Der Bericht wirkte augenblicklich in den USA, Charles Masterman vom WPB schrieb an Bryce: „Ihr Bericht hat Amerika überwältigt. Wie sie vielleicht wissen, haben sich selbst die Skeptischsten für konvertiert erklärt, weil Sie es unterschrieben haben.“ Um Opfer zu schützen, waren Namen vom offiziellen Dokument entfernt worden und das Komitee erklärte, dass alle Quellen nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlicht würden, was die Glaubwürdigkeit der Publikation noch erhöhte.
Verschiedene Personen zweifelten den Bericht später an. Bemängelt wurde, neben „verbrannten“ und „nicht auffindbaren“ Dokumenten, dass das Komitee die Zeugen nicht selbst befragt, sondern das Material von Anwälten erhalten hatte. Das Mitglied des Komitees Harold Knox erklärte sich erst zur Unterschrift bereit, nachdem das Komitee zugestimmt hatte, diese Anwälte zu befragen. Die Wirkung des Berichts war besonders in neutralen Staaten immens.