Buddingtonit

Buddingtonit
Buddingtonit aus Sharon Heights, Menlo Park, San Mateo County, Kalifornien (Sammlung des Vandenbroucke-Museums in Waregem, Belgien)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1963-001

IMA-Symbol

Bud

Andere Namen

CAS: 12418-12-1

Chemische Formel
  • (NH4)(AlSi3)O8
  • (NH4)[AlSi3O8]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/F.03a – Anhang
VIII/J.06-010

9.FA.30
76.01.02.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-sphenoidisch; 2 oder monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe P21 (Nr. 4)Vorlage:Raumgruppe/4 oder C2/mVorlage:Raumgruppe/12
Gitterparameter a = 8,57 Å; b = 13,03 Å; c = 7,19 Å
β = 112,7°
Formeleinheiten Z = 4
Häufige Kristallflächen {001}, {010}, {110}, {101}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,32; berechnet: 2,38
Spaltbarkeit gut nach {001}, deutlich nach {010}
Bruch; Tenazität spröde
Farbe farblos
Strichfarbe weiß bis hellgrau, verunreinigte Exemplare auch gelb
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,530
nβ = 1,531
nγ = 1,534
Doppelbrechung δ = 0,004
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 60° (berechnet)
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale Kompakte Massen, die Plagioklas als Pseudomorphosen ersetzen

Buddingtonit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Gruppe der Feldspate innerhalb der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung (NH4)(AlSi3)O8 (Kristallchemische Strukturformel auch (NH4)[AlSi3O8]) und damit chemisch gesehen ein Ammonium-Alumosilikat. Strukturell gehört Budingtonit zu den Gerüstsilikaten.

Buddingtonit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt ähnliche Kristallformen wie Orthoklas von etwa 0,5 mm Größe mit einem glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist Buddingtonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein.

Mit einer Mohshärte von 5,5 gehört Buddingtonit zu den mittelharten Mineralen, das sich etwas leichter als das Referenzmineral Orthoklas (Härte 6) mit einer Stahlfeile ritzen lässt. Seine gemessene Dichte beträgt 2,32 g/cm3.

Etymologie und Geschichte

Buddingtonit wurde erstmals in Mineralproben aus der Sulfur-Bank-Mine bei Clear Lake Oaks nahe dem Clear Lake im Lake County in Kalifornien entdeckt. Clear Lake liegt am nördlichen Ende des geothermischen Gebiets „The Geysers“.

Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch Richard C. Erd, Donald E. White, Joseph J. Fahey und Donald E. Lee, die das Mineral nach Arthur Francis Buddington (1890–1980), einem Petrologen, Mineralogen und ehemaligen Professor der Princeton University in New Jersey, benannten. Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1963 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1963-001), die den Buddingtonit als eigenständige Mineralart anerkannte. Publiziert wurde die Erstbeschreibung 1964 im Fachmagazin American Mineralogist.

Das Typmaterial des Minerals wird im National Museum of Natural History (NMNH) in Washington, D.C. in den USA unter der Inventarnummern 116974, 132920 und 147604 aufbewahrt.

Klassifikation

In der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Buddingtonit zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate)“, wo er im Anhang der Gruppe der „Kalifeldspate“ innerhalb der „Feldspat-Familie“ mit der Systemnummer VIII/F.03a und den Hauptmitgliedern Anorthoklas, Mikroklin, Orthoklas und Sanidin steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VIII/J.06-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Gerüstsilikate“, wo Buddingtonit zusammen mit Celsian, Hexacelsian, Hyalophan, Kokchetavit, Mikroklin, Orthoklas, Paracelsian, Rubiklin, Sanidin und Slawsonit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VIII/J.06 bildet.

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Buddingtonit in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Gerüstsilikate“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Gerüstsilikate (Tektosilikate) ohne zusätzliche Anionen“ zu finden, wo es zusammen mit Adular (I), Anorthoklas (I), Celsian, Hyalophan (I), Mikroklin, Monalbit (nicht anerkannt), Orthoklas, Rubiklin und Sanidin die Gruppe der „Alkalifeldspate“ mit der Systemnummer 9.FA.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen und zuletzt 1997 veröffentlichten Systematik der Minerale nach Dana hat Buddingtonit die System- und Mineralnummer 76.01.02.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Al-Si-Gitter“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 76.01.02 zu finden ist.

Chemismus

In der idealen, stoffreinen Verbindung von Buddingtonit ((NH4)(AlSi3)O8) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Stickstoff (N) und Aluminium (Al), vier Teilen Wasserstoff (H), drei Teilen Silicium (Si) und acht Teilen Sauerstoff (O) pro Formeleinheit. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 5,44 Gew.-% N, 10,49 Gew.-% Al, 1,57 Gew.-% H, 32,75 Gew.-% Si und 49,75 Gew.-% O oder in der Oxidform 10,12 Gew.-% (NH4)2O, 19,82 Gew.-% Aluminiumoxid (Al2O3) und 70,06 Gew.-% Siliciumdioxid (SiO2).

Bei natürlichen Buddingtoniten kann die Zusammensetzung je nach Bildungsbedingungen und Stofftransport in geringem Umfang abweichen. Zudem können formelfremde Beimengungen enthalten sein. So ergab die Analyse des Typmaterials aus der Sulfur-Bank-Mine neben abweichenden Gehalten von 8,34 Gew.-% (NH4)2O, 20,09 Gew.-% Al2O3 und 66,89 Gew.-% SiO2 zusätzlich noch 0,65 Gew.-% Kaliumoxid (K2O), 0,27 Gew.-% Bariumoxid (BaO), 0,22 Gew.-% Magnesiumoxid (MgO), 0,04 Gew.-% Calciumoxid (CaO) und 0,06 Gew.-% Natriumoxid (Na2O) sowie 3,44 Gew.-% Wasser (H2O).

Kristallstruktur

Buddingtonit kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe P21 (Raumgruppen-Nr. 4)Vorlage:Raumgruppe/4 oder C2/mVorlage:Raumgruppe/12 mit den Gitterparametern a = 8,57 Å; b = 13,03 Å; c = 7,19 Å und β = 112,7° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bildung und Fundorte

Buddingtonit bildet sich durch hydrothermale Alteration primärer Feldspatminerale und gilt als Indikator für mögliche Gold- und Silber-Lagerstätten, da diese durch hydrothermale Prozesse angereichert werden können. Als Begleitminerale können unter anderem Albit, Ammoniojarosit, Anatas, Baryt, Gips, Illit, Kaolinit, Markasit und Pyrit, Montmorillonit, Schwefel, Stibnit und verschiedene Plagioklase auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Buddingtonit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 30 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).

Außer an seiner Typlokalität in der Sulfur-Bank-Mine kommt Buddingtonit unter anderem im Gebiet von Tonopah in Nevada vor. Zudem wurde er aus der sedimentären Phosphoria-Formation in Idaho, South Dakota, Wyoming und Montana berichtet.

Daneben kommt Buddingtonit in hydrothermalen Regionen in Neuseeland und Japan vor. Er tritt ebenfalls in einem Ölschiefer-Vorkommen nahe Proserpine in Queensland, Australien auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Gold- und Silberlagerstätten bei Esquel (Departamento Futaleufú) und Agua Escondida (Departamento Malargüe) in Argentinien, in den Ölfeldern bei Maoming und Huoshaoshan (Xinjiang) in China, der Banderas-Prospektion im Departamento Chiquimula in Guatemala, in der Goldlagerstätte bei Ixtacamaxtitlán (Puebla) und der Silberlagerstätte bei Fresnillo (Zacatecas) in Mexiko, bei Sviadnov in Tschechien und in den Volyn-Pegmatiten im Rajon Schytomyr und bei Choroschiw in der Ukraine.

Siehe auch

Literatur

Commons: Buddingtonite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: May 2026. (PDF; 3,4 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Mai 2026, abgerufen am 25. Juni 2026 (englisch).
  2. ↑ Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 26. Juni 2026]).
  3. 1 2 3 4 5 6 Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 694 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Buddingtonite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 75 kB; abgerufen am 26. Juni 2026]).
  5. 1 2 Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  6. 1 2 3 4 5 Buddingtonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  7. ↑ Richard C. Erd, Donald E. White, Joseph J. Fahey and Donald E. Lee: Buddingtonite, an ammonium feldspar with zeolitic water. In: American Mineralogist. Band 49, Nr. 7–8, 1964, S. 831–850 (englisch, minsocam.org [PDF; 1,2 MB; abgerufen am 26. Juni 2026]).
  8. ↑ Catalogue of Type Mineral Specimens – B. (PDF 373 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 27. Juni 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  9. ↑ Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  10. ↑ Richard V. Gaines, H. Catherine W. Skinner, Eugene E. Foord, Brian Mason, Abraham Rosenzweig: Dana’s New Mineralogy. 8. Auflage. John Wiley & Sons, New York u. a. 1997, ISBN 0-471-19310-0.
  11. ↑ Localities for Buddingtonite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
  12. ↑ Benjamin Felzer, Phoebe Hauff, Alexander F. H. Goetz: Quantitative reflectance spectroscopy of buddingtonite from the Cuprite mining district, Nevada. In: Journal of Geophysical Research. Band 99, B2, 1994, S. 2887–2895, doi:10.1029/93JB02975, bibcode:1994JGR....99.2887F (englisch).
  13. ↑ Gulbrandsen RA: Buddingtonite, ammonium feldspar, in the Phosphoria Formation, southeastern Idaho. In: USGS Journal of Research. Band 2, Nr. 6, 1974, S. 693–7, bibcode:1974JRUGS...2..693G (englisch).
  14. ↑ G. Cleve Solomon, George R. Rossman: NH4+ in pegmatitic feldspars from the southern Black Hills, South Dakota. In: American Mineralogist. Band 73, Nr. 7–8, 1988, S. 818–21 (englisch, minsocam.org [PDF; 480 kB; abgerufen am 26. Juni 2026]).
  15. ↑ Yang K, PRL. Browne, JF. Huntington, JL. Walshe: Characterizing the hydrothermal alteration of the Broadlands-Ohaaki geothermal system, New Zealand, using short-wave infrared spectroscopy. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research. Band 106, Nr. 1–2, 2001, S. 53–65, doi:10.1016/S0377-0273(00)00264-X, bibcode:2001JVGR..106...53Y (englisch).
  16. ↑ F. C. Loughnan, F. Ivor Roberts, A. W. Lindner: Buddingtonite (NH4-feldspar) in the Condor Oilshale Deposit, Queensland, Australia. In: Mineralogical Magazine. Band 47, Nr. 344, 1983, S. 327–334, doi:10.1180/minmag.1983.047.344.07, bibcode:1983MinM...47..327L (englisch, rruff.net [PDF; 2,0 MB]).
  17. ↑ Fundortliste für Buddingtonit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 27. Juni 2026.